Nachhaltige Mode ist längst keine Randerscheinung mehr. Das beweisen immer mehr Fair Fashion-Labels. Zu einer wirklichen nachhaltigen Garderobe gehört jedoch auch, die Kleidungsstücke deutlich länger als nur eine Saison zu tragen. Wir geben Tipps, wie das gelingt.

Eine nachhaltige Garderobe bedeutet mehr als der Kauf von verantwortungsvollen und nachhaltigen Labels: Dazu zählt ebenso die richtige Pflege. Je länge die Kleidungsstücke wie neu aussehen, desto länger fühlen wir uns darin wohl und wir tragen und lieben Jacke, Hose und Pullover über Jahre hinweg. Um das zu erreichen, ist es wichtig, die Faser zu schonen und mit dem richtigen, umweltfreundlichen Mittel zu behandeln.

Optimale Pflege für Lieblingsstücke

Die eigene Garderobe auf Fair Fashion umzustellen, bedeutet auch, die Kleidungsstücke so lange wie möglich zu tragen. Mit der optimalen Pflege bleiben die Fasern lange elastisch, Farben leuchtstark und das Lieblingsstück in Form. Zur optimalen Pflege gehört die richtige Waschroutine. Die wenigsten Klamotten müssen nach einmaligem Tragen bereits gewaschen werden. Sind Bluse und Hemd, Sakko und Kleid, Jeans und Pull nicht verschmutzt, genügt es oftmals schon, diese kurz an der frischen Luft auszulüften, damit eventuelle Gerüche verschwinden. Das spart nicht nur Wasser, sondern schont auch die Fasern.

Für feine Materialen gibt es einen Trick: Die Kleidungsstücke so in der Nähe der Dusche aufhängen, dass sie nicht nass werden können. Durch den heißen Wasserdampf werden knittrige Stellen wieder glatt und Gerüche verschwinden ebenfalls.

Richtig waschen: ohne Mikroplastik im Eco-Programm

Auch das Waschprogramm trägt zur Nachhaltigkeit im Haushalt bei. Nahezu alle modernen Waschmaschinen haben ein Eco-Programm, bei dem weniger Wasser und weniger Strom verbraucht wird. Jedoch wäscht die Maschine deutlich länger, um bei niedriger Temperatur gleiche Ergebnisse liefern zu können.

In einem Waschsalon sieht man die Beine einer Person, die in eine gelbe Waschmaschine geklettert ist.

Wer beim Waschen ein paar Tipps berücksichtigt, schont Kleidung und Umwelt. Foto: Pexels via Pixabay

Mit der Frage, wie sich Mikroplastik aus Textilien auf die Umwelt auswirkt, beschäftigte sich seit 2017 der Verbund Textil Mission. Im März 2021 fand eine digitale Abschlusskonferenz mit Vorträgen verschiedener Projektpartner statt. Textile Mission ist ein Verbund namhafter Hersteller wie Miele, Vaude, Henkel und weitere, die sich mit dem WWF (World Wide Fund for Nature) Deutschland zusammen getan haben. Gemeinsames Ziel ist es, die Ursachen und das Ausmaß der Mikroplastikemission zu erkennen und zu vermeiden. Einig sind sich die Projektpartner, dass mehrere Lösungsansätze gleichzeitig verfolgt werden müssen, um textiles Mikroplastik in der Umwelt zu reduzieren oder gar zu vermeiden.

Der WWF ist eine der größten und bedeutendsten Umweltorganisationen weltweit. Zu seinem Engagement zählt auch, immer wieder genau hinzusehen und über Hintergründe aufzuklären, sodass letztlich alle zu einer besseren Umwelt beitragen können.

Accessoire-Tipp: WWF prüft Nachhaltigkeit bei Luxusuhren-Herstellern

Der WWF-Nachhaltigkeitsbericht zu Schweizer Uhrenherstellern zeigt, welche Marken ihrer Sorgfaltspflicht in Sachen Lieferketten-Management und Treibhausgas-Emission nachkommen. An der Spitze des Berichtes steht die Richmont Group, zu der beispielsweise die bekannte Marke Cartier gehört.

Der WWF Schweiz hat gemeinsam mit der Beratungsagentur für Nachhaltigkeit BHP – Brugger und Partner die ökologischen und sozialen Auswirkungen bei den Produktionskettten untersucht. Dem Bericht nach achtet die Richmont Group vor allem auf die Herkunft ihres Goldes, überwacht die Gewinnung ohne Kinderarbeit oder Umweltzerstörung.

Weniger ist mehr: Waschmittel optimal dosieren

Neben zu häufigem Waschen schädigen auch zu hohe Temperaturen die Fasern. In den meisten Fällen sind 30 °C ausreichend, um leichte Verschmutzung und Gerüche aus den Klamotten zu waschen. Handtücher und Bettwäsche sind meist weniger empfindlich und haben zudem engen Körperkontakt. Dafür empfiehlt sich ein Waschgang bei 60 °C.

Nachhaltige Klamotten in Jeans-Optik trocknen auf einer Wäscheleine

Fair Fashion bedeutet auch, Kleidung richtig und nachhaltig zu pflegen. Foto: Pexels via Pixabay

Unnötige Waschmittelzusätze mit Hygieneversprechen hingegen belasten die Umwelt zusätzlich. Nach Angeben des Umweltbundesamtes werden in Privathaushalten in Deutschland jedes Jahr 1,5 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel verbraucht. Viele davon sind nicht biologisch abbaubar und schädigen die Gewässer. Daher sollte beim Kauf von Waschmitteln auf Inhaltsstoffe geachtet werden, damit nicht noch mehr Phosphate und Mikroplastik in die Umwelt gelangt.

Mit jedem Waschgang geben die Klamotten selbst bereits Mikroplastik ab, das über das Abwasser in die Umwelt gelangt. Nach Recherchen des WDR Wissensmagazin Quarks verlieren rauere Textilien pro Waschgang mehr Fasern als glatte Materialien. Bei einer Vliesjacke sind es ungefähr 89, bei einem Sporttrikot sind es beispielsweise etwa 18 und bei Nylonstrümpfen circa neun Milligramm pro Kilo. Weniger Wäsche bedeutet auch weniger Mikroplastik.

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Tipp: Waschnüsse für nachhaltig saubere Wäsche

Noch umweltfreundlicher sind Waschnüsse: Sie reinigen verschmutzte Wäsche natürlich und umweltfreundlich. Dafür werden die Waschnüsse in ein Säckchen gegeben und in die Waschtrommel zwischen die Kleidungsstücke gelegt. Die natürlichen Saponine sorgen dafür, dass alles rückstandslos sauber wird.

Tipp: Als Sud pflegen Waschnüsse auch Haare auf natürliche Weise. Hierfür die Nüsse mit Apfelessig und kochendem Wasser in einen Topf geben und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag das Nuss-Bad im Topf noch einmal aufkochen lassen und den noch heißen Sud durch ein feines Sieb in ein Gefäß der Wahl abgießen. Das Waschnuss-Shampoo schäumt deutlich weniger, als wir es von herkömmlichen Produkten gewohnt sind.

Fair Fashion-Kleiderschrank: Hochwertiges bleibt lange treu

Billig produzierte Kleidung ist in vielerlei Hinsicht umweltschädlich: Sie ist beispielsweise schneller abgetragen als hochwertige Kleidungsstücke und wird entsprechend schnell wieder entsorgt. Das produziert vermeidbaren Müll. Auch die Herstellung selbst belastet die Umwelt, beispielsweise durch verwendete Chemikalien, die in den Produktionsländern über die umliegenden Gewässer entsorgt werden. Lange Transportwege von den billigen Produktionsstandorten in die Geschäfte und Onlineshops verursachen außerdem CO₂.

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Nur etwa zehn Prozent der Kleidung, die wir hierzulande kaufen können, wurde auch in Deutschland produziert. Die meisten Klamotten stammen aus asiatischen Ländern, beispielsweise Bangladesch, Indien oder Sri Lanka. Nähen, färben, glätten, sandstrahlen, bedrucken oder bleichen: Ein Kleidungsstück erlebt einiges in seiner Herstellungskette. Insbesondere wenn es um den letzten Feinschliff der Kleidung geht, werden giftige Chemikalien eingesetzt. Durch sie gelangen beispielsweise giftige Schwermetalle in die Umwelt.

Welche Folgen die Textilproduktion auf die Umwelt haben kann, zeigt das Beispiel von Bangladesch. In Flüsse, die nahe an Textilfabriken liegen, wird das Abwasser abgeleitet. Dadurch verschlechtert sich die Wasserqualität enorm und geltende Grenzwerte werden um ein Hundertfaches überschritten. Reporter des Westdeutschen Rundfunks entdeckten bei einer Recherche, dass in den Flüssen Buriganga und Daleshwari beispielsweise keine Fische mehr zu finden sind.

Kostendruck zwingt viele Fabriken den Umweltschutzes zu vernachlässigen

Da der Preisdruck in der Textilindustrie durch Fast Fashion und schnelllebige Trends immer größer wird, versuchen Fabriken die Ausgaben in der Herstellung noch weiter zu senken. Beispielsweise, indem sie Kläranlagen abschalten und giftige Abwässer ungefiltert in die Flüsse leiten, berichtet das Wissensmagazin Quarks.

Fair Fashion: Jeder Kauf ist ein Statement zum Umweltschutz

Mit der Entscheidung gegen Fast und für Fair Fashion zeigen Verbraucher*innen, worauf sie wert legen: Umweltschutz, soziale Standards und Qualität. Verschiedene Ökosiegel helfen dabei, sich bei der großen Mode-Auswahl zu orientieren. Je nachdem, um welches Siegel es sich handelt, müssen dafür verschiedene Kriterien erfüllt sein. Eines der anerkanntesten internationaleren Zertifikate ist der GOTS, der Global Organic Textil Standard. Beispielsweise sind nur bestimmte, nicht-toxische Mittel zugelassen, um Textilien zu bearbeiten.

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Der erste wichtige Schritt ist in jedem Fall, das eigene Kaufverhalten zu hinterfragen. Eine repräsentative Umfrage von der Umweltorganisation Greenpeace aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass jedes fünfte Kleidungsstück nahezu ungetragen im Schrank hängt. Wer bewusster einkauft, vermeidet solche Schrankhüter und schont dadurch die Umwelt und den Geldbeutel.

Fazit: So wird die eigene Garderobe nachhaltig

Um den eigenen Kleiderschrank Schritt für Schritt mit nachhaltigen Outfits zu füllen, sollten neue Klamotten und Accessoires von nachhaltigen Modemarken gekauft werden. Wer noch Fast Fashion aus der Vergangenheit im Schrank hängen hat, muss die jedoch nicht gleich ausmisten. Im Gegenteil: nachhaltiger und ressourcenschonender ist es, die Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Das gelingt am besten mit der richtigen Pflege, beispielsweise mit Eco-Programmen von Waschmaschinen und natürlichem Waschmittel aus Waschnüssen. So wird die Umweltbelastung so gering wie möglich gehalten.

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