Suppe und Saft statt Pasta und Wein: Der vorübergehende Verzicht auf feste Nahrung oder bestimmte Inhaltsstoffe in unseren Lebensmitteln hilft unserem Körper dabei, sich zu reinigen. green Lifestyle stellt verschiedene Fasten-Methoden vor und spricht mit einer Expertin über Wirkung und Risiken.

Text und Interview Lisa Rupp

Für einen festgelegten Zeitraum auf feste Nahrung und Genuss­mittel wie Kaffee, Alkohol und Nikotin zu verzichten, scheint für manche unvorstellbar. Schon vormittags knurrt der Magen und ab und zu ein Gläschen Wein zum Feierabend lässt den Tag entspannt ausklingen. „Zu religiös, zu aufwendig, zu ver­rückt“, argumentieren Skeptiker. Von einem neuen Lebensgefühl schwär­men jene, die es ausprobiert haben.

Fastenbrühe in Gläsern

Die Tradition des Verzichts

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Für zahlreiche Kulturen sind solche Kuren historisch belegt und wurden schon damals – ähnlich wie heute – auf verschiedene Arten praktiziert. Kollektives Fasten zu festgelegten Terminen, beispielsweise während der Passionszeit vor Ostern oder des Ramadan, ist noch immer weit verbreitet. Das Gemeinschaftsgefühl, die gegenseitige Unterstützung und der Austausch tragen wesentlich zum Erfolg einer solchen Kur bei. Individuelle Diäten, losgelöst von Ritualen oder Jahreszeiten, werden ebenfalls immer beliebter. Die reinigende Wirkung sowie das neue Körpergefühl und die Selbstwahrnehmung nach einer Zeit der Enthaltsamkeit entsprechen dem gesunden und körperbewussten Lebensgefühl junger Generationen. Ein zusätzlicher Vorteil ist der Gewichtsverlust, der beim Fasten jedoch keinesfalls im Vordergrund stehen sollte, denn ohne Änderung des Lebensstils ist der Jojo-Effekt vorprogrammiert.

In Deutschland wurde das Heilfasten durch Dr. Otto Buchinger (1878-1966) populär. Als der Marinearzt selbst schwer an rheumatischer Arthritis er­krankte, schied er als Invalide aus dem Militärdienst aus und suchte abseits der Schulmedizin nach Heilung für sein Leiden. Eine Kur, bei der sich der Arzt nur von Brühe und Tee ernährte, brachte den gewünschten Erfolg und so ver­schrieb sich Buchinger der methodi­schen Entwicklung einer medizinisch fundierten Therapie, gründete Kliniken und gab sein Wissen weiter. Heute ist das Heilfasten nach Buchinger die am weitesten verbrei­tete Methode.

Fasten und Religion: Warum Gläubige auf Essen verzichten

In den meisten religiös geprägten Kulturen ist Verzicht in irgendeiner Form als Ritual fest verankert. Das Auslassen von Mahlzeiten oder das Entsagen jeglicher Genussmittel für mehrere Tage oder Wochen soll dabei unterstützen, sich auf das Wesentliche – also den Glauben und das Gebet – zu  fokussieren. In einigen Religionen wird das Hungern außerdem als Selbstkasteiung eingesetzt, durch die Gläubige ihre Sünden büßen und um Vergebung bitten.

Innerhalb eines Kalenderjahres haben die unterschiedlichen Glaubensrichtungen Zeiten und Daten festgelegt, an denen Essen, Genussmittel oder bestimmte Tätigkeiten nicht stattfinden sollen: Zwischen Aschermittwoch und Ostern beispielsweise im Christentum oder der Ramadan im Islam, der sich nach dem Stand des Mondes richtet.

So fasten Juden

Während in den beiden anderen Schriftreligionen Christentum und Islam über einen längeren Zeitraum Enthaltsamkeit geübt wird, wird im Judentum regelmäßiger für bis zu 25 Stunden – jedoch nicht länger – gefastet. Die Regel, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang des folgenden Tages auf feste und flüssige Nahrung zu verzichten, gilt vor allem für die beiden höchsten Trauertage Jom Kippur und Tischa be Aw, an denen die Seele kasteit bzw. der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und anderer Unglücke in der jüdischen Geschichte gedacht wird. Gläubige verzichten an diesen Tagen nicht nur auf Lebensmittel und Wasser, sondern ebenso auf Baden, Salben oder Schminken, Autofahren, Lederschuhe, Grüßen oder Geschlechtsverkehr. Andere Fasttage sind nicht ganz so streng. Sie beginnen meist mit der Morgenröte und enden mit Anbruch der Dunkelheit. Zudem steht es Juden frei, nach eigenem Ermessen oder persönlichen Ereignissen einen Tag der Entbehrung einzulegen. Dadurch soll Gottes Zorn besänftigt sowie Reue und Buße getan werden.

Warum die Christen bis zu 40 Tage fasten

Im Christentum ist die Zeit der Entbehrung und Buße für die 40 Tage vor Ostersonntag angesetzt. Sie dient gläubigen Christen zur Vorbereitung auf Ostern, dem höchsten christlichen Feiertag, und erinnert an die 40 Tage, die Jesus der Bibel nach fastend und betend in der Wüste verbracht hat. Außerdem gilt der Advent als Zeit der Buße und des Verzichts, was jedoch vergleichsweise nur noch wenige Christen praktizieren. Anders als beispielsweise beim Heilfasten wird nicht während der gesamten 40 Tage auf Nahrung verzichtet. Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag, bzw. in den Wochen vor Weihnachten, sollen Christen Dingen entsagen, die ihnen im ihrem Alltag besonders wichtig sind. Dies können beispielsweise Süßigkeiten, Kaffee, Fleisch, Zigaretten, Alkohol ebenso wie digitale Medien, Smartphones oder das Autofahren sein. Zusätzlich bieten einige Gemeinden begleitete Heilfastenkuren an. Unter Aufsicht eines Experten finden sich kleine Gruppen, die für mehrere Tage – in der Regel jedoch nicht länger als 14 – keine feste Nahrung zu sich nehmen.

So fasten Muslime während des Ramadan

Der neunte Monat des islamischen Mondjahres ist der Fastenmonat Ramadan, an dem gläubige Muslime zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nur Wasser trinken. Andere Flüssigkeiten und Speisen sind erst mit Einbruch der Dunkelheit erlaubt. Laut dem Koran wurde in diesem Monat die Heilige Schrift des Islams auf die Erde gesandt. Der Beginn und das Ende des Ramadans richten sich nach der Mondsichel und wie sie am Himmel zu sehen ist. Das Fasten gilt als eine der fünf Säulen des Islam und ist fester Bestandteil des praktizierten Glaubens. Sie bezieht sich nicht nur auf Nahrung, Flüssigkeiten oder Geschlechtsverkehr, sondern auch auf Gedanken und Taten, damit sich Muslime allgemein auf ihren Glauben konzentrieren und sich von der Sünde fernhalten. Während des Ramadan sollen sie nichts Böses oder Verwerfliches denken, sagen oder tun.

Buchrücken mit Weltreligionen

Enthaltsam leben im Hinduismus

Im Gegensatz zu den drei Buchreligionen gibt es im Hinduismus keine festgelegten Zeiten des Verzichts. Dennoch spielt die Enthaltsamkeit eine zentrale Rolle. Im Hinduismus leben die religiösen Lehrer Sadhus beispielsweise weitestgehend losgelöst von allerlei Irdischem. Sie essen und trinken nur so viel, wie zum Überleben nötig ist, besitzen manchmal weder Kleidung noch Unterkunft, sondern verbringen ihr Dasein mit Meditation in Höhlen oder der Natur. Gläubige wählen häufig Ehrentage wie Shivarati, der sich der Gottheit Shiva widmet, oder Janmasthami – der Geburtstag Krishnas –, um Verzicht zu üben. Durch das Fasten bitten Hindus um Vergebung ihrer Sünden oder möchten eine Gottheit gnädig stimmen. Eine rituelle Extremform im Hinduismus ist die Prayopavesa, bei der bis zum Suizid keine Nahrung aufgenommen wird. Erlaubt ist diese Praxis der Enthaltsamkeit bis zum Tod jedoch nur Menschen, die keine Verpflichtungen oder  Wünsche mehr im Leben haben, beispielsweise durch eine schwere, tödliche Krankheit. Außerdem muss der Wille dazu öffentlich erklärt und durch Gelehrte geprüft werden.

Buddhisten wählen den Weg der Mitte

Im Buddhismus spielt Verzicht im Allgemeinen eine tragende Rolle, hat jedoch wenig mit Fastenzeiten in anderen Religionen zu tun. Durch enthaltsames Leben möchten Buddhisten die Ursachen des Leidens überwinden, zu denen zum Beispiel auch der Egoismus zählt. Außerdem wird die Meditation durch wenig Essen erleichtert. Die dreimonatige Rückzugszeit Vassa für Mönche und Nonnen wird gerne mit rituellem Verzicht in westlichen Kulturkreisen gleichgesetzt, hat jedoch einen anderen Ursprung: Buddha legte fest, dass Nonnen und Mönche zwischen Juli und Oktober nicht umherwandern sollen, damit sie die sprießende Saat auf den Feldern nicht zertrampeln. Daher ziehen diese sich in dieser Zeit zurück, um diesem Gebot Folge zu leisten. Buddha lehrte außerdem den Weg der Mitte und lehnte Extreme wie Selbstkasteiung durch Hunger ebenso ab wie Völlerei. Um diesen Weg der Mitte zu gehen, essen Nonnen und Mönche im Buddhismus nach 12 Uhr mittags nichts mehr.

Überleben ohne Essen: ein Wunder der Natur

Es ist kein Zufall, dass die Natur das Überleben ohne Nahrung für einen bestimmten Zeitraum eingerichtet hat. Ohne die Fähigkeit, fehlende oder wenige Nahrung durch körpereigene Prozesse auszugleichen, würden wir heute nicht existieren. Während oder nach schlechten Ernten, Kriegen oder Epidemien und Naturkatastrophen in der Geschichte musste die Menschheit mit möglichst wenig zu Recht kommen.

Der Mensch ist bei weitem nicht das einzige Lebewesen ist, das zu dieser Leistung in der Lage ist. Im Gegenteil: Beispielsweise können Pinguine bei arktischen Temperaturen um die 60 Grad Celsius unter Null bis zu sechs Monate auf Nahrung verzichten. Dabei können sie ihrem natürlichen Zyklus, beispielsweise der Mauser oder dem Eierlegen, dennoch nachgehen. Ein so langer Zeitraum unter diesen extremen Bedingungen ist für den Menschen undenkbar.

Landschaft an sonnigem Wintertag

Ein anderes Beispiel sind Tiere, die Winterschlaf halten, und auch den Winter selbst kann man als Fastenzeit der Natur verstehen. Während der kalten Monate wird das Geben und Nehmen im natürlichen Kreislauf mit Mutter Erde auf ein Minimum zurückgefahren. So können Flora und Fauna ihre Kräfte sammeln, um mit neuer Energie in den Frühling und die aktive Hälfte des Jahres zu starten.

Das sind die Unterschiede: Fasten, Hungern und Hungerstreik

Der Lebenszyklus einiger Lebewesen ist auf ausbleibende Nahrung ausgelegt, während die körpereigenen Prozesse bei anderen als Notfallplan zum Überleben zu verstehen sind. So auch bei Menschen, deren Körper beim temporären Verzicht auf Mahlzeiten beginnen, ungenutzte Reserven zu verbrennen. Wird ein bestimmter Zeitraum überschritten oder fehlen dem Körper aufgrund von Mangelernährung entsprechende Reserven, kann es medizinische – teils lebensbedrohliche – Folgen haben.

Leere Teller während der Fastenzeit

Menschen, die auf Grund fehlender Ressourcen, Armut oder Katastrophen ohne Essen auskommen müssen, kämpfen ums Überleben. Menschen, die Mahlzeiten verweigern, kämpfen meist für ein Ideal, um die eigene und die Lebenswelt ihrer Mitstreiter zu verbessern. Menschen, die freiwillig für einige Tage oder wenige Wochen auf Essen verzichten, möchten meist auf physischer und psychischer Ebene eine Regeneration erfahren und sich etwas Gutes tun.

Sich dieser Unterscheidung bewusst zu sein, ist nicht nur wichtig, um sich auf die Fastenzeit vorzubereiten, sondern auch, um während dieser Zeit das eigene Konsumverhalten und dessen Folgen zu hinterfragen. Denn die unabhängig von Verfügbarkeiten bewusst gewählte Auszeit von Genuss- oder gar Lebensmitteln ist im Vergleich ein Luxus, der unter Umständen durch die schlechten Lebensbedingungen anderer erst möglich ist.

Ein Hungerstreik ist zwar ebenfalls ein bewusster Verzicht, allerdings gibt es kein im Voraus festgelegtes Datum, den Streik zu beenden. Menschen, die das Essen verweigern machen dies häufig aus einer politischen Motivation heraus oder weil sie auf gesellschaftliche Probleme und Missstände aufmerksam machen möchten. Sie nutzen den Hunger und die damit einhergehende Unterernährung als Druckmittel und nehmen den Tod in Kauf, wenn ihre Forderungen nicht durchgesetzt werden. Um das zu verhindern, werden Streikende meist zwangsernährt, wenn ihre Situation lebensbedrohlich ist.

Interview: Heilfasten für die Gesundheit

Dr. Eva Lischka

Dr. med. Eva Lischka ist 1. Vorsitzende der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung sowie Chefärztin in der Buchinger Wilhelmi Klinik. Im Interview mit green Lifestyle erklärt sie, warum der Verzicht auf Nahrung gesund sein kann.

Fasten, Diät, Detox – wo liegt der Unterschied?

Der Begriff Fasten wird vielfältig für Verzicht gebraucht – sei es in Bezug auf Nahrung, Ge­nussmittel oder Medien. Es ist aber immer ein freiwilliger Verzicht für einen festgelegten Zeit­raum. Beim Heilfasten nimmt man keine feste Nahrung zu sich. Die Freiwilligkeit und der begrenzte Zeitraum spielen da eine wichtige Rolle. Unter Diät versteht man heute unter­schiedliche Ernährungsformen, beispielsweise dass man Kohlenhydrate reduziert oder ganz weglässt. Detox ist momentan ein sehr belieb­ter Begriff, weil er besonders schick klingt und dadurch für alles Mögliche verwendet wird. In seinem Ursprung bedeutet er, dass man den Körper entgiftet.

Was genau passiert im Körper beim Verzicht auf feste Nahrung?

Das sind viele komplexe Vorgänge, die parallel ablaufen. Vereinfacht kann man es so erklären: Normalerweise beziehen wir Energie aus un­serer Nahrung, insbesondere aus Kohlenhyd­raten, Eiweiß und Fetten. Beim Fasten nimmt man durch Suppen, Tees und Säfte etwa 200 bis 300, maximal 500 Kalorien am Tag zu sich. Für Energie, die darüber hinaus benötigt wird, muss der Körper an seine Reserven gehen.

Zuerst werden die als Glycogen gespeicherten Kohlehydrate aufgebraucht, dann vorrüberge­hend das Eiweiß bis der Fettverbrauch auf über 95 Prozent ansteigt, vor allem aus dem inneren Bauchfett. Dies produziert über 600 Boten­stoffe, die wir benötigen, aber in der richtigen Menge. Durch die mangelnde Zufuhr von außen ist der Körper gezwungen, für seine tägliche Aufbauleistung von z. B. Schleimhautzellen und Botenstoffen körpereigenes Material zu ver­wenden. Er nimmt dabei Unbrauchbares, falsch zusammengesetzte Eiweißkörper, löst sie in seine Bestandteile auf und bildet Neues daraus: Autophagie – ein Recyclingprogramm der Zelle.

Heil- oder Intervallfasten, Fasten nach Buchinger oder nach Hildegard von Bingen: Es gibt viele Methoden. Wie finde ich die für mich passende?

Alle Methoden richten sich nach der ma­ximalen täglichen Kalorienzufuhr von bis zu 500 Kalorien. Ob diese nun über Hafer- oder Dinkel­schleim wie bei Hildegard von Bingen oder mit Gemüsebrühe, Tee und Saft aufgenommen wer­den, kann nach den eigenen Vorlieben entschie­den werden. Wer einen empfindlichen Magen hat, ist mit der Dinkel- und Haferschleim-Vari­ante wahrscheinlich besser bedient, weil diese die Magenschleimhaut beruhigt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Fasten?

Wann immer man das Bedürfnis hat, etwas zu ändern. Sei es, weil man sich schlapp und aus­gelaugt oder überfordert und rastlos fühlt. Wer noch keine Erfahrungen mit Fasten gemacht hat, sollte am besten Urlaub nehmen oder den Beginn der Kur auf ein Wochenende legen, damit man die Ruhe und Zeit hat, sich auf die unge­wohnte Situation einzustellen.

Und wie lange wird gefastet?

In einer Klinik sind Kuren von drei Wo­chen möglich. Fasten für Gesunde zu Hause geht über eine Woche, nach einem guten Fastenbuch oder in einer Gruppe. Anfänger sollten vielleicht zuerst einmal mit einer Woche beginnen. Tatsächlich ist mittlerweile nachge­wiesen, dass erste körperliche Effekte wie die Autophagie bereits nach 16 Stunden ohne feste Nahrung eintreten. Es ist also möglich, eine Art Mini-Fasten einzulegen, wenn man Abendessen oder Frühstück ausfallen lässt.

Wie bereitet man sich optimal vor?

Günstig ist es, ein paar Tage zuvor auf Genuss­mittel zu verzichten, den Konsum insgesamt zu reduzieren und sich hauptsächlich vegetarisch zu ernähren. Dann fällt der Verzicht in der ei­gentlichen Fastenzeit leichter.

Gibt es Personengruppen, für die Fasten nicht geeignet ist?

Schwangere und stillende Frauen sollten nicht fasten. Ebenso Personen, die an einer Essstö­rung leiden oder starkes Untergewicht haben. In dem Fall sollte der Gesundheitszustand zuvor von einem Arzt beurteilt werden, denn da kommt es wieder auf das innere Bauchfett und auf die dort eingelagerten Reserven an. Wer Medikamente einnimmt, muss in jedem Fall zuvor mit einem Arzt, der sich mit Naturheil­kunde und Fasten auskennt, sprechen.

Was ist Ihre schönste Erfahrung mit Fasten?

Ich habe vor 34 Jahren das erste Mal gemein­sam mit meinem Mann gefastet und für mich war und ist es das Schönste, dass man sich psychisch so viel besser fühlt. Man spürt mehr Lebenslust, eine Veränderung und ist voller Ta­tendrang, seinen Lebensstil zu verbessern, um dieses Gefühl möglichst lange zu behalten. Das erlebe ich auch immer wieder bei meiner Arbeit in der Klinik. Wenn diese positiv Energie nachlässt, hilft es, wieder zu fasten. Mein Mann und ich fasten seither etwa zweimal im Jahr.

Die gängigsten Fastenmethoden

Von Saftkuren über Eiweißdiäten bis hin zu Intervallfasten sind Umstellungen in der Ernährung – wenn auch nur vorübergehend – ein Trendthema. Dabei steht der Verlust von Gewicht immer seltener im Vordergrund. Wer sich für eine Fastenkur entscheidet, möchte sich selbst und dem eigenen Körper etwas Gutes tun, den Verdauungstrakt entlasten oder für eine gesündere Ernährung bei null anfangen. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Methoden, die teilweise über Jahrtausende überliefert und weiterentwickelt wurden oder auf den neuesten Erkenntnissen der Ernährungswissenschaften beruhen.

Heilfasten nach Buchinger

Bei dieser Methode ernährt man sich mehrere Tage oder wenige Wochen von klarer Gemüsebrühe, Direktsaft, einem kleinen Löffel Honig sowie mindestens 2,5 Liter Wasser oder ungesüßtem Tee. Um sich optimal darauf vorzubereiten, ist es wichtig, dass man den Körper bereits vor dem ersten Fastentag an die Energiereduktion gewöhnt. Daher sollte man auf Koffein, Alkohol oder Nikotin sowie auf andere Genussmittel bereits im Voraus verzichten. Leicht verdauliche Kost ist zur Vorbereitung ebenfalls empfehlenswert.

Die Kur beginnt mit einer Darmreinigung. Glaubersalz aus der Apotheke eignet sich beispielsweise gut für eine schonende, effektive Entleerung. Apfelessig, Sauerkrautsaft oder Brotdrunk wirken ebenfalls abführend und können den Prozess unterstützen. Etwa eine halbe Stunde nachdem das Glaubersalz wie im Beipackzettel beschrieben eingenommen wurde, sollte ein Liter Wasser oder Tee nachgetrunken werden.

Ansatz für Gemüsebrühe in großem Topf

Während der Fastentage ersetzen dann Gemüsebrühe, Gemüse- oder Fruchtdirektsaft sowie ein Teelöffel Honig die Mahlzeiten. Zusätzlich ist es wichtig, dem Körper viel Flüssigkeit in Form von ungesüßtem Tee oder Wasser zu geben.

Mit dem Fastenbrechen wird die Kur beendet. Üblicherweise wird ein kleiner Apfel – roh oder gekocht – in kleinen Happen gegessen. Um den Körper wieder an feste Mahlzeiten zu gewöhnen, ist es wichtig, langsam und bewusst zu kauen. Außerdem sollte sich die Kalorienzahl während der Aufbauphase langsam von 800 auf etwa 1600 steigern.

F. X. Mayr-Kur

Die Methode nach F. X. Mayr ist auch als Milch-Semmel-Kur bekannt, denn trockene Brötchen und Milch spielen in der Originalkur eine wesentliche Rolle. Franz Xaver Mayr (1875-1965) betrachtete den Darm als „die Wurzel der Pflanze Mensch“, die unsere Gesundheit positiv wie negativ beeinflusst. Um den Darm zu entlasten und wieder aufzubauen, setzt die Methode des österreichischen Arztes auf die drei Prinzipien der Schonung, Säuberung und Schulung. Ebenso sind die Betrachtung und Überprüfung der Körperhaltung und Muskeltests sowie die Diagnostik des Darms durch Abtasten Teil der Therapie. Nicht nur deswegen wird die Begleitung durch einen für diese Methode ausgebildeten Mediziner unbedingt empfohlen – auch, weil die Therapie inklusive aller Phasen mindestens drei bis vier Wochen dauern soll. Die extreme Belastung über einen solch langen Zeitraum birgt gesundheitliche Risiken, die eine medizinische Betreuung erfordern.

F. X. Mayr baut seine Kur auf die wesentlichen Merkmale von Heil- und Basenfasten auf. Sie beginnt mit einem sieben bis 14-tägigem Heilfasten, das hier Teephase genannt wird. Auf diese Phase folgt die eigentliche Kur mit Brötchen und Milch.

Fasten mit Weizenbrötchen und Milch

Der Tag beginnt mit Bittersalz in einem Viertelliter Wasser aufgelöst, der löffelweise getrunken wird. Darauf folgt eine halbe Stunde später ein altes, halbes Brötchen, das Bissen für Bissen durch bewusstes Kauen so lange eingespeichelt wird, bis es süßlich schmeckt. Dem Brotbrei wird dann ein Löffel Milch zugegeben, nochmals gekaut und erst dann geschluckt. Sobald sich eine Sättigung einstellt, soll man aufhören zu essen. Mit vier bis fünf Stunden Abstand wird auf die gleiche Weise zu Mittag und zu Abend gegessen. Vor jeder Mahlzeit sollte zudem ein halber Liter Wasser getrunken werden, da ein Sättigungsgefühl so schneller eintreten kann. Fastentee, Was­seranwendungen und Bauchmassagen ergänzen die Kur. Ziel der Methode von F. X. Mayr ist auf lange Sicht, den Darm durch bewusstes, langsames Kauen zu entlasten und die Essgewohnheiten langfristig zu verändern.

F. X. Mayr-Fasten für Veganer

Alternativen für Veganer oder Menschen mit Unverträglichkeiten sind für das Weizenbrötchen Varianten aus Dinkel, Roggen oder Buchweizen. Die Kuhmilch kann durch Ziegen-, Soja- oder Mandelmilch und durch eine klare Gemüsebrühe ausgetauscht werden.

Basenfasten

Im Vergleich zu anderen Fastenkuren ist diese Methode noch sehr jung: Sabine Wacker hat sie 1997 entwickelt. Davon ausgehend, dass tierische Eiweiße und Getreide die Säurebildung im Körper anregen und Organe bei ihrer Funktion behindern, soll für eine Reinigung und Entgiftung auf diese Lebensmittel verzichtet werden. Außerdem soll die Methode bei Osteoporose lindernd wirken. Da ein übersäuerter Körper den Knochen das Kalzium entziehen soll, hilft eine basische Ernährungsweise dabei, die Knochen wieder zu stärken.

Frisches Obst und Gemüse, Salate, Kräuter und Keimlinge ersetzen für den Zeitraum von ein bis zwei Wochen tierische Produkte, Brot und Genussmittel wie Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin. Die Tatsache, dass man bei dieser Methode nicht komplett auf feste Nahrung verzichtet und lediglich bestimme Speisen weglässt, macht das Basenfasten besonders beliebt. Zudem werden mindestens 2,5 Liter Wasser getrunken.

Obwohl während des Basenfastens nicht gänzlich auf Essen verzichtet wird, darf auch diese Methode nicht zu lange angewendet werden. Spätestens nach vier Wochen sollte man die Ernährung langsam wieder ausgeglichen gestalten, sodass sich keine Mangelerscheinungen ergeben. Dennoch soll es dem allgemeinen Wohlbefinden dienen, wenn man den basischen Lebensmitteln mehr Platz auf dem Teller gibt.

Buchtipp

Buchcover Basenfasten GU Verlag

Sabine Wacker
Basenfasten
Sanft entlasten und dauerhaft abnehmen
ePub
Gräfe und Unzer Verlag
11,99 € (D) / 11,99 € (A) / 18,00 CHF (SFr.)
ISBN: 978-3-8338-4055-5

Fasten nach Hildegard von Bingen

Auch die berühmte Benediktiner-Äbtissin Hildegard von Bingen hat sich mit dem Entgiften des Körpers beschäftigt und eine Methode entwickelt, die zumindest ein wenig feste Nahrung vorsieht: gekochter Dinkelschrot am Morgen, Fastensuppe mit Dinkelgrieß und Ge­müse am Mittag, ein Apfel oder Gewürzkekse am Nachmittag und abends bis zu vier Gewürz- oder Quittenkekse. Wie auch bei den anderen Methoden, geht dieser Kur eine Reinigung des Darms voran. Zum Ausleiten empfiehlt die Nonne Ingwerkekse, die es beispielsweise in Apotheken gibt. Glauber- oder Bittersalz führen jedoch ebenfalls zum Ergebnis.

Da während der Kur mehrmals täglich ausgewählte Speisen gegessen werden können, eignet sich das Hildegard-Fasten auch für Personen, die zu Magenbeschwerden neigen und sich bisher nicht getraut haben, gänzlichauf Nahrung zu verzichten. Gefastet wird – je nach Befinden – sechs bis zwölf Tage.

Ikonendarstellung Hildegard von Bingen

Möchte man eine Kur zur Verbesserung der Gesundheit, kann diese auf bis zu vier Wochen unter ärztlicher Betreuung ausgedehnt werden.

Intervallfasten: die Hirschhausen-Diät

Das intermittierende oder auch Intervallfasten ist aktuell der wohl angesagteste Trend in der Ernährungswelt. Bekannt wurde diese Methode auch als Hirschhausen-Diät. Der Arzt und Komiker hatte sie gegenüber dem Magazin Stern angepriesen und traf damit wohl einen Nerv. Basierend auf dem Prinzip der Fastenmethode bietet Dr. Eckhart von Hirschhausen ein eigenes Programm mit begleitender Smartphone-Applikation im Playstore und Appstore an.

Dr. Eckart von Hirschhausen

Das Prinzip der Diät ist schnell erklärt: Für einen bestimmten Zeitraum darf normal gegessen werden – das Zählen der Kalorien ist nicht nötig. Auf die Phase des Essens folgt ein Zeitfenster des Fastens. Besonders beliebt ist das 16:8-Prinzip: Acht Stunden essen und 16 Stunden auf feste Nahrung und Genussmittel verzichten. Erlaubt sind dann nur Wasser und ungesüßter Tee. Ein großer Teil der enthaltsamen Zeit wird durch Schlaf abgedeckt, was den Verzicht wesentlich einfacher macht. Lässt man dann noch Frühstück oder Abendessen ausfallen, sind die 16 Stunden ohne Essen schnell erreicht.

Eine andere Methode ist das 5:2-Prinzip. Statt täglicher Stunden der Enthaltsamkeit setzt diese Diät auf zwei Fastentage in der Woche. Die Kalorienzahl sollte dann bei etwa 600 bis 700 liegen. Insbesondere an diesen Tagen ist es wichtig, viel Wasser und ungesüßten Tee zu trinken. Während der anderen fünf Tage muss nicht verzichtet werden.

Essen beim Intervallfasten

Dass man trotz Genuss und normalem Essverhalten abnehmen kann, macht diese Diät so beliebt. Damit die Methode erfolgreich ist, wird empfohlen, auch während der Essensphasen jeweils vier Stunden zwischen den Mahlzeiten verstreichen zu lassen. Selbst Snacks sind tabu, denn diese lassen den Blutzuckerspiegel steigen und unterbrechen den Fettabbau.

Fazit zum Fasten

Wer sich etwas Gutes tun möchte, sollte Fasten nach Absprache mit einem Arzt ausprobieren. Dank der zahlreichen Methoden kann jeder einen Weg finden, den Körper zu entgiften und der Seele etwas Ruhe zu gönnen. Schon vor tausenden Jahren nutzten die Menschen die positiven Effekte solcher Kuren, um sich besser zu fühlen oder Krankheiten vorzubeugen. Auch wenn der Gewichtsverlust ein positiver Nebeneffekt ist, sollte Abnehmen als Motivation nicht im Vordergrund stehen. Wer sein Körpergewicht reduzieren möchte, ist möglicherweise mit Intervallfasten gut beraten. Die Methode verspricht langanhaltend purzelnde Kilos.

Viele spannende Artikel rund um das Thema Nachhaltigkeit finden Sie in der aktuellen Ausgabe des green Lifestyle Magazins. Jetzt am Kiosk, als eMagazine, auf Readly oder im Abo!

Immer auf dem grünsten Stand mit dem green Lifestyle Newsletter:  Kostenlos anmelden und auf spannende Artikel, aktuelle News und grüne Tipps freuen!

Foto: Eva Lischka/Buchinger-Wilhelmi-Klinik; Camillo Wiz; Casania, Mark Skalny, Elena Gaak, Lesya89, Beats1, Natalya Wimberley, Zvonimir Atletic / Shutterstock.com