Gassi-Regeln werden aktuell heiß diskutiert. Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) plant, eine Änderung der Tierschutz-Hundeverordnung vorzulegen. Darin soll unter anderem genau geregelt werden, wie oft und wie lange Hundehalter Gassi gehen.

Text Lisa Rupp

Sprichwörtlich träumt so mancher Zweibeiner vom ach so schönen Hundeleben. Und sicherlich: Einigen Hunde geht es richtig gut, in artgerechter Haltung voller Liebe und Streicheleinheiten sowie ausreichend Bewegung. Leider haben nicht alle Fellnasen so viel Glück und manch einer fristet ein eher trauriges Dasein – fernab von artgerechter oder bedarfsgerechter Haltung. Häufig, weil die Hundehalter mit der Verantwortung überfordert sind, sie ihrer Hunde überdrüssig werden und die Freude an ihnen verlieren.

Hund wartet auf Gassi

Eine Änderung der Tierschutzhunde-Verordnung will eine Gassi-Regelung festlegen. Foto: PicsbyFran via Pixabay

Wie die Rheinische Post am 17. August 2020 berichtete, plant Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine Änderung der bestehenden Tierschutz-Hundeverordnung, die Hundehalter und Züchter strenger in die Pflicht nimmt und das Leben für Hunde verbessern soll: „Haustiere sind keine Kuscheltiere – ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden. Es gilt, eine artgerechte Haltung von Hunden sicherzustellen. Etwa, dass sie genug Bewegung bekommen und nicht zu lang alleingelassen werden. Die Anforderungen an ihre Haltung passen wir nun an Empfehlungen von Experten an. Damit sorgen wir für eine Verbesserung des Tierschutzes und des Tierwohls“, heißt es von der Bundesministerin zu dem Entwurf.

Zweimal täglich eine Stunde Gassi

In der Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) heißt es, ein Hund soll „mindestens zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers gewährt werden.“  Dazu zählt neben Spaziergängen in der Natur auch Auslauf im eigenen Garten – sofern einer vorhanden ist. Damit soll Hunden künftig ein ausreichendes Maß an Bewegung und Kontakt mit Umweltreizen geboten werden. Die Kontrolle der Einhaltung obliegt den Ländern. Wie genau das aussehen kann, steht jetzt noch nicht fest.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes e. V., sieht in der Regelung einen ersten Schritt, der jedoch noch nicht weit genug geht: „Ein Hund braucht seinen Bedürfnissen entsprechend täglich Bewegung im Freien und seine Sozialkontakte. Wir begrüßen, dass es dazu nun konkretere Vorgaben gibt. Bei allem Guten, der letzte Mut fehlt aber noch in diesem Verordnungsvorschlag.“

Er fordert außerdem eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung der Hunde sowie „Vorgaben zur artgerechten Erziehung und zu tiergerechten Ausbildungsmethoden von Hunden, die dringend nötig sind. Zudem braucht es eine verpflichtende Sachkunde, die zukünftige Hundehalter vor der Anschaffung eines Hundes nachweisen müssen.“

Einige Hundehalter und Tierschützer sehen die geplanten Änderungen kritisch:

Überzüchtete Tiere dürfen nicht mehr ausgestellt werden

Der Verordnungsentwurf beinhaltet zudem weitere Regelungen, die mehr Tierwohl bringen sollen: So wird die Anbindehaltung, bei der Hunde dauerhaft angekettet leben, verboten. Die Hundehaltung an einer Kette wäre dann nur noch unter bestimmten Voraussetzungen während einer Arbeitstätigkeit gestattet.

Die Haltung an der Kette soll künftig verboten werden. Foto: mac231 via Pixabay

Der Entwurf beinhaltet ebenso strengere Regeln für Züchter. Für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen soll ein Ausstellungsverbot gelten, sodass der Anreiz verloren geht, die Tiere nach falschen Schönheitsidealen zu züchten. Damit würde dann auch die Nachfrage nach eben solchen Hunden sinken, heißt es in der Mitteilung des BMEL. Erblich bedingte Schmerzen und Beeinträchtigungen durch diese Qualzuchten könnten dann nicht mehr als erstrebenswertes Merkmal präsentiert werden. Dazu zählen

  • Körperteile oder Organe, die für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten,
  • Verhaltensstörungen, die im Zusammenhang mit Leiden auftreten,
  • dass jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder
  • die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.
Mops mit flach gezüchteter Nase

Die platte Nase ist ein Merkmal des Mops und macht dem Hund das Atmen schwer. Foto: skeeze via Pixabay

„Das Verbot der Ausstellung von Qualzuchten reicht nicht, solange der Qualzuchtbegriff im Tierschutzgesetz nicht konkretisiert ist“, kommentiert der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, diesen Punkt. „Die Verordnung ist also kein Hundeschutz-Rundum-Sorglos-Paket, aber es geht in die richtige Richtung.“ Eine ausführliche Stellungnahme des Deutschen Tierschutzbundes zu den Änderungen liege dem BMEL außerdem bereits vor.

Für Hundezüchter sind in dem Entwurf weitere Auflagen aufgeführt: In der gewerbsmäßigen Hundezucht darf eine Betreuungsperson dann maximal drei Würfe gleichzeitig betreuen. Für den Umgang mit Welpen legt die Verordnung eine Mindestzeit von vier Stunden täglich fest. Diese gilt sowohl für die gewerbsmäßige als auch die private Zucht von Hunden.

Laut BMEL zähle der Hund zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. Im vergangenen Jahr lebten hierzulande über 9 Millionen Hunde in rund 19 Prozent der Haushalte – das entspricht etwa jedem fünften.  Zudem seien während der Hochphase der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 vermehrt Haustiere angeschafft worden.

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