///Grüner wohnen, grüner finanzieren

Grüner wohnen, grüner finanzieren

Bei den niedrigen Zinsen lohnt es sich, Baufinanzierungen abzuschließen. Am besten bei grünen Banken.

Text und Interview Tina Sprung

 

Die eigene Wohnung in der Stadt, ein kleines Häuschen im Grünen – der Kauf einer eigenen Immobilie ist wohl die größte Anschaffung, die man sich erfüllen kann. Doch zu Beginn der Finanzierung stehen viele vor der Frage: Auf was muss ich achten? Welches Eigenkapital muss ich bereits angespart haben? greenLIFESTYLE antwortet auf die wichtigsten Fragen und gibt Tipps, warum bei ökologischer Bauweise nicht nur die Umwelt geschont wird, sondern auch richtig gespart werden kann.

Was kann ich mir leisten?

Damit Kreditnehmer wissen, wie viel sie sich leisten können, sollten sie ausrechnen, wie viel Geld sie im Monat zurückzahlen können. Dabei sollten sie sämtliche monatlichen Ausgaben berücksichtigen: vom Taschengeld für die Kinder, über Lebensmittel bis hin zu Ausflügen oder der monatlichen Internetgebühr. Wichtig ist, hier großzügig zu rechnen, damit es bei einer Kreditaufnahme nicht zu finanziellen Engpässen kommt. Denn: Bei Erwerb einer Eigentumswohnung oder dem Bau eines Eigenheims gibt es Kosten, die jetzt noch in der Miete enthalten sind. Dazu zählen Grundsteuer oder Gebühren für die Müllabfuhr. Rechnen Sie sich einen monatlichen Spielraum ein, damit bei unvorhersehbaren Ausgaben noch Geld auf dem Konto ist.

Eigenkapital – lieber zu viel als zu wenig

Auch, wenn es Banken gibt, die Finanzierungen zu 100 Prozent abdecken, ist es wichtig, dass bei Kreditaufnahme Spareinlagen vorhanden sind, die eingesetzt werden können. Verbraucherschützer gehen von bis zu 40 Prozent aus. Falls beispielsweise ein Haus mit allen Kosten bei 300.000 Euro liegt, sollten 120.000 Euro vom Kreditnehmer aufgebracht werden, 180.000 Euro stellt die Bank zur Verfügung. Als Eigenkapital werden neben eigenen Vermögenswerten wie Grundstück, Fonds oder Guthaben auf Sparkonten auch Eigenleistungen eingerechnet – das heißt, wenn der Kreditnehmer selbst einen Boden verlegt und sich dadurch Handwerkerkosten spart.

Richtige Kostenkalkulation

Egal ob bei einer Sanierung, einem Kauf einer Eigentumswohnung oder dem Bau eines Eigenheims – mit den Kosten für die Maßnahmen allein ist es nicht getan. Oft fallen weitere Ausgaben an, die gedeckt werden müssen. Vor allem beim Hausbau entstehen Kosten für den Notar, den Eintrag ins Grundbuch und weitere Bearbeitungsgebühren bei Banken und Kommunen.

Und warum eine grüne Bank?

Ist die Entscheidung für einen Hauskauf, den Kauf einer Eigentumswohnung oder der großen ökologischen Sanierung gefallen, erstellen Banken nach einem gemeinsamen Termin ein Finanzierungskonzept, das individuell auf den Kunden zugeschnitten ist. Dabei wird berücksichtigt, wie planungssicher der Kredit zurückbezahlt wird, ob beispielsweise Sondertilgungen zulässig sind, wie flexibel der Kreditnehmer in der Rückzahlung ist und wie hoch die monatliche Belastung sein soll. Zudem wird der Kredit meist nicht nur über die Bank gedeckt, sondern es werden auch Bausparkassen und die KfW – die Kreditanstalt für Wiederaufbau – hinzugezogen, um möglichst günstige Angebote zu finden. Wenn energetisch saniert oder beim Neubau des Hauses ökologisch gebaut wird, bekommen Kunden bei den Ökobanken spezielle Sonderkonditionen.

 

Lohnt sich der Ökokredit?

greenLIFESTYLE hat mit Christof Lützel gesprochen. Er ist Pressesprecher, Prokurist und Bankbetriebswirt bei der GLS Bank. Zudem ist er Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat der Bank.

Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank.

Herr Lützel, warum sollen sich Kunden für eine Baufinanzierung durch grüne Banken entscheiden?

Grundsätzlich gilt: Wohnen ist ein Grundrecht. Daher vergeben wir Kredite an alle Kundinnen und Kunden, die sich gerne ein Haus bauen möchten oder sich eine Eigentumswohnung kaufen wollen. Jedoch bekommen Kunden, die ökologisch bauen, eine spezielle Förderung.


Welche?

Wir gewähren auf unsere Kredite, die für ökologische Bauvorhaben verwendet werden, 0,5 Prozent Zinsnachlass.

Welche Anforderungen müssen erfüllt werden, damit es sich um ein ökologisches Bauvorhaben handelt?

Unsere Mitarbeiter prüfen, ob die Anforderungen wie energetische Sanierung oder ökologische Bauweise erreicht wurden. Hierzu reicht aus, die Unterlagen des Architekten vorzulegen. Falls zudem ein Kredit bei der KfW, die zinsgünstige Kredite vergibt, beantragt wird, protokollieren Energieberater die Modernisierungsmaßnahme oder beraten beim Bau eines energetischen Hauses die Kreditnehmer. Diese Unterlagen werden in der Regel bei uns eingereicht.

Was unterscheidet die Baukredite der Umweltbanken von Krediten herkömmlicher Banken?

Grundsätzlich unterscheiden wir uns im Baufinanzierungsbereich kaum. Wir leihen Kundengelder als Kredite aus, die wir von unseren Einlagenkunden bekommen haben. Bei allen Banken muss der Kreditnehmer nachweisen, dass er in der finanziellen Lage ist, den Kredit fristgerecht zurückzuzahlen, bei uns auch. Jedoch geben wir für ökologische Bauvorhaben und Sanierungen eben einen Zinsnachlass.

Ist es teurer, bei Ihnen Kredite abzuschließen?

Nein, wir haben absolut marktübliche Zinsen, sonst wären wir nicht konkurrenzfähig. Wir sind keine Billigbank, aber auch nicht überteuert.


Lohnt es sich, bei Ihnen einen Kredit abzuschließen? Schließlich sind KfW-Kredite günstiger …

Die Kredite sind günstiger. Aber auch wir bieten KfW-Kredite an. Jedoch muss bedacht werden, dass sich diese nicht eignen, um komplette Bauvorhaben zu finanzieren. Die Kredite sind meist auf 100.000 Euro begrenzt. Und bei der KfW kann man auch nicht direkt einen Kredit beantragen.


Sie arbeiten mit Bausparkassen zusammen, wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall, die auch an die Volks- und Raiffeisenbank angeschlossen sind. Wie kann der Bausparer sichergehen, dass er „grünes Geld“ bekommt?

Bei den Bausparkassen werden Gelder von Kunden angespart, die auf der anderen Seite an Kreditnehmer verliehen werden. Wir haben es somit mit einem „normalen Geldstrom“ zu tun. Aber klar ist auch: Wenn ein Kunde sein Geld zum Beispiel in der Rüstungsindustrie verdient, handelt es sich streng genommen nicht um „grünes Geld“. Einen solchen Fall können wir schlicht nicht ausschließen.

 

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Foto © GLS Bank
Foto © Elena Elisseeva/Shutterstock.com

2018-09-11T15:21:06+00:00

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