Beim Indoor Farming kannst du Gärtnern – ganz ohne Garten! Wie das funktioniert, erfährst du hier.

Das sogenannte Indoor Farming gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Es handelt sich um eine neue Form der Kultivierung von Pflanzen. Und zwar eine, für die Hobbygärtner weder viel Platz noch ein Gemüsebeet benötigen. Es geht sogar ganz ohne Garten! Alles Wichtige über das Konzept, wie es funktioniert und welche Vorteile es mit sich bringt, erfährst du hier.

Indoor gardening

Kein Garten nötig: Auch in einer Wohnung kannst du gärtnern. Foto © Vadim Kaipov via unsplash.com

Die Bevölkerung wächst ständig, weshalb wir immer mehr Ackerflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln benötigen. Zugleich werden etliche Landflächen unfruchtbar, weil zu viel Düngung und Monokulturen sie negativ beeinträchtigen. Die Rodung von Regenwald für mehr Nutzflächen schadet außerdem dem Klima und zerstört den Lebensraum von zahlreichen Pflanzen- und (Wild-)Tierarten. Deshalb suchen Wissenschaftler und Forscher ständig nach effektiven und platzsparenden Lösungen für den Anbau von Pflanzen – wie zum Beispiel Indoor Farming.

Was ist Indoor Farming?

Wie der Name vermuten lässt, werden die Pflanzen beim Indoor Farming nicht im Freien angebaut, sondern in einem geschlossenen System. Das kann ein Gewächshaus sein, aber auch ein Container oder eine Halle. Teil des Konzepts ist, dass die Pflanzen weder natürlichem Sonnenlicht noch Wind und Niederschlägen ausgesetzt sind. Als Sonnenersatz werden LEDs eingesetzt. Sie können Sonnenlicht zwar nicht 1:1 imitieren, dafür können sie aber gezielt an die Bedürfnisse der unterschiedlichen Pflanzensorten angepasst werden. Auch andere wesentliche Faktoren wie Bewässerung, Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder die Versorgung mit Nährstoffen werden von automatisierten Systemen reguliert.

In vielen Fällen tritt Indoor Farming in Verbindung mit Vertical Farming auf. Das heißt, dass Pflanzen in Regalbeeten, also in mehreren Schichten übereinander, angebaut werden. Diese Variante ist besonders effizient, da so die Fläche eines Gewächshauses optimal genutzt werden kann. Außerdem können die Pflanzen durch die vertikale Anbauweise ideal mit Licht versorgt werden. Dafür lässt man die Regalbeete rotieren und verschafft den Pflanzen im Wechsel die optimale Belichtungszeit.

Pflanzen säen

Indoor Farming: Ein Trend, der immer populärer wird. Foto © Markus Spiske via unsplash.com

Welche Vorteile hat das Indoor Farming?

Der Anbau mithilfe des Indoor Farming bringt etliche Vorteile mit sich. Das sind die Wesentlichen:

  • Im Gegensatz zur herkömmlichen Landwirtschaft ist Indoor Farming deutlich platzsparender.

  • Indoor Farming ist besonders ertragreich. Hauptgrund dafür ist, dass automatisierte Systeme Sonnenlicht, Nährstoffhaushalt und Niederschlag regulieren. Das verhindert Schwankungen und beugt Ernteausfällen vor.

  • Indoor Farming macht das Wachstum der Pflanzen unabhängig von den Umwelt- und Temperaturschwankungen der Jahreszeiten. Somit kann jederzeit jede Pflanze angebaut werden. Dadurch entfallen auch lange Transportwege, denn so können auch Früchte wie Ananas, Kiwis oder Mangos in Deutschland produziert werden.

  • Die automatisierten Systeme beim Indoor Farming fangen verdunstetes Wasser auf, verwenden es erneut und sind somit wassersparend.

  • Durch die hoch entwickelte Technologie können sich keine Schädlinge und Krankheiten ausbreiten. Ein Einsatz von Pestiziden ist daher nicht notwendig.

Vertical Farming

Vertical Farming geht auch in großem Stil. Foto © Martin Bergsma via shutterstock.com

Hat das Indoor Farming auch Nachteile?

Bei allen genannten Vorteil bringt das Konzept des Indoor Farmings auch Nachteile – vor allem in puncto Energieintensität. Insbesondere Bewässerungsanlagen und Beleuchtung verbrauchen viel Strom. Handelt es sich nicht um Ökostrom, sondern um Energie aus fossilen Brennstoffen, wirkt sich dies negativ auf das Klima aus und erhöht den eigenen CO₂-Verbrauch. Der hohe Stromverbrauch verursacht zudem hohe Kosten.

Gute Gründe für Indoor Farming

Das Indoor Farming könnte vor allem für Regionen in der Welt, in denen der Anbau von Gemüse wegen der klimatischen Verhältnisse schwierig ist, vielversprechend sein. Das gilt insbesondere für Gebiete, in denen Landwirte aus Ertragsgründen vergleichsweise viele Pestizide und andere Chemikalien einsetzen.

Besonders viele Vorteile bringt das Konzept in Regionen, in denen große Entfernungen Produzent und Verbraucher trennen. So sind zum Beispiel Städte auf dem afrikanischen Kontinent flächenmäßig oft viel größer als europäische Städte. Währen im Umkreis dieser Städte vergleichsweise wenig Ackerland zur Verfügung steht. Hier kann ein Transport von einem Bauernhof in die Stadt bis zu fünf Tagen dauern.

Indoor Farming zu Hause

Der neue Trend hat längst Privathaushalte erreicht: Immer mehr Großstädter versuchen sich als Gärtner – und das ohne eigenen Garten. Das geht ganz einfach, indem das gewünschte Obst und Gemüse in Töpfen gezogen wird. Für deine Geduld und Mühe wirst du belohnt: Die Lebensmittel aus eigenem Anbau schmecken viel besser als gekaufte Ware im Supermarkt.

Im Prinzip kannst du in deiner Wohnung diverse Gemüse- und Obstsorten anbauen. Mit der richtigen Ausstattung und ausreichend Platz kannst du die entsprechenden klimatischen Bedingungen nachahmen. Gewächshäuser machen schließlich auch nichts anderes. Bewässerungssysteme und UV-Lampen können zwar hilfreich sein, mit ausreichend Geschick geht es aber auch ohne.

Tomaten züchten

Besonders gut geeignet für den Anbau daheim sind zum Beispiel Tomaten. Foto © Markus Spiske via unsplash.com

Besonders gut eignen sich für zu Hause:

  • Küchenkräuter

Kräuter für die Küche wie Petersilie, Minze, Thymian, Basilikum, Dill und Gartenkresse lassen sich hervorragend zu Hause anbauen. Du kannst sie bereits im Topf kaufen oder selbst aussäen. Wenn du die unterschiedlichen Bedürfnisse beachtest, sind der Anbau und die Pflege ganz unkompliziert.

  • Blattsalat

Auch Blattsalate wie Kopfsalat, Feldsalat, Endivien oder Romanasalat können sehr einfach in der eigenen Küche angepflanzt werden. Wenn du für die richtigen Bedingungen sorgst, hast du das ganze Jahr über frischen selbst gezüchteten Salat. Der Standort sollte im Halbschatten, der Boden feucht und locker sein.

  • Kohlrabi und Radieschen

Kohlrabi und Radieschen lassen sich nicht nur sehr einfach zu Hause anbauen, sie eignen sich auch ideal als Lückenfüller. Sie sind mit wenig Platz im Beet zufrieden und wachsen sehr schnell. Bereits nach ein bis zwei Monaten sind sie reif und benötigen nur wenige Nährstoffe. Du kannst Kohlrabi- und Radieschensamen jederzeit vom Frühjahr bis in den Herbst aussäen.

  • Zwiebeln und Lauchgewächse

Zwiebeln und verschiedene Lauchgewächse wie Porree, Schnittlauch, Bärlauch oder Knoblauch sind genügsam und gedeihen sehr gut in geschlossenen Räumen. Zwiebeln können ausgesät werden, besser ist es jedoch, sie zu stecken.

  • Tomaten

Tomaten benötigen viel Sonne. Sie sollten daher in der Nähe eines nach Süden ausgerichteten Fensters wachsen. Für den Indoor-Anbau solltest du dich eher für kompakt wachsende Hänge- und Buschtomaten entscheiden. Dies gilt besonders, wenn du eher kleine Räume hast. Denn diese Tomatensorten benötigen keine Stütze, an der sie sich hochranken. Tomaten sind sehr pflegeleicht. Sie nehmen es dir allerdings übel, wenn sie nicht ausreichend gegossen werden.

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