Mundschutz, Desinfektionsmittel und Seife sind aufgrund des Coronavirus aktuell sehr gefragt. green Lifestyle zeigt, wie Sie Zuhause selbst einen Mundschutz nähen können.

Text Lisa Rupp

Die effektivsten Maßnahmen, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, sind Abstand halten und Kontakt mit anderen Personen zu vermeiden. Wer dem Home-Office entfliehen möchte, sollte außerdem auf ein richtiges und regelmäßiges Händewaschen besonders achten.

Selbstgemachter Mundschutz

Foto: Lucie Peclova / Shutterstock.com, Nr. 1680832534

Obwohl die meisten Mundschutze nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, nutzen viele Deutsche solche Masken, wenn sie das Haus oder die Wohnung für wichtige Besorgungen verlassen. Sie können insofern hilfreich sein, dass sie verhindern, dass man sich beispielsweise beim Einkaufen, unbewusst ins Gesicht langt. Außerdem geht man davon aus, dass ein einfacher Mundschutz zumindest einen Teil der Viren zurückhält, wenn man in der Öffentlichkeit Husten oder Niesen muss. Somit ist eine Schutzmaske aus Stoff besser als gar kein Schutz.

Die Feuerwehr der Stadt Essen hat eine Nähanleitung für Behelfs-Mund-Nasen-Schutz-Masken (BMNS) online gestellt. Mit dieser Anleitung können Sie sich aus alten Klamotten oder Stoffresten selbst eine Maske nähen. green Lifestyle hat die Anleitung hier für Sie zusammengefasst:

Upcycling: Mundschutz aus Stoffresten selber nähen

Der Behelfs-Mund-Nasen-Schutz nach der Anleitung der Stadt Essen ist eine gute Möglichkeit, alte und ausrangierte Klamotten weiter zu verwerten und und einen neuen Nutzen zu geben.

Achten Sie darauf, dass die Stoffe, die Sie verwenden möchten, bei mindestens 90 °C waschbar sind und keine Löcher oder andere Beschädigungen haben.

Mit diesen Materialen nähen Sie Ihren Mundschutz:

Benötigte Materialien für den Mundschutz.

Foto: Lucie Peclova / Shutterstock.com, Nr. 1675396252

  • 1 Draht, biegsam und dünn: 15 cm lang (z. B.: Pfeifenreiniger, Floristen- oder Basteldraht, Verschlussdraht von Gefrierbeuteln)
  • 2 Stoffstreifen aus fester Baumwolle, waschbar bei mindestens 90 °C: 90 cm lang und 2 cm breit
  • 2 Stoffstreifen aus fester Baumwolle, waschbar bei mindestens 90 °C: 17 cm lang und 2 cm breit
  • 1 Stofftuch, atmungsdurchlässig Baumwolle, waschbar bei mindestens 90 °C: 34 cm lang und 17 cm breit (z. B.: altes T-Shirt, Stoffwindel, o. ä.)
  • Außerdem: Maßband oder Lineal, Stoffschere, Bügeleisen, Stecknadeln, Nähmaschine, Faden

Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Maske atmungsdurchlässig ist, damit Sie beim Tragen der Maske genug Sauerstoff bekommen. Testen Sie, ob sich das gewählte Stoffstück eignet, indem Sie es doppelt legen, fest vor Mund und Nase drucken und mehrmals Ein- und Ausatmen. Ist das ohne spürbaren Widerstand möglich, ist das Stoffstück geeignet. Merken Sie, dass es anstrengender ist, durch die Stofflagen zu atmen, wählen Sie ein anderes Material.

Mund-Nasen-Schutz selber nähen: Schritt 1

Zeichnen Sie auf den atmungsdurchlässigen Baumwollstoff die Maße 34 x 17 cm auf und schneiden das entsprechende Stoffstück aus. Falten Sie dieses zur Hälfte der Länge und bügeln die geschlossene Kante. Achten Sie darauf, dass alle Seiten sauber übereinander liegen.

Legen Sie das doppellagige Stofftuch nun in drei gleichmäßige, etwa 1,3 cm tiefe Falten. Die dadurch entstehenden Kanten sollen fächerähnlich und leicht versetzt überlappen.

Mundschutz aus Baumwolle

Foto: Kamil Urban / Shutterstock.com, Nr. 1682289691

Mund-Nasen-Schutz selber nähen: Schritt 2

Schneiden Sie nun die 90 cm langen und 2 cm Streifen für die Kopfbänder sowie die 17 cm langen und 2 cm breiten Streifen zur Seitenverstärkung zurecht. Wenn das Material dazu neigt, leicht auszufransen, versäubern Sie die Kanten.

Falten Sie alle Streifen nacheinander der Länge nach in der Mitte bügeln Sie die Kante fest.

Mund-Nasen-Schutz selber nähen: Schritt 3

Nehmen Sie die 17 cm langen Streifen zur Verstärkung der Seiten und legen es an das gefaltete, atmungsdurchlässige Stoffstück. Ein Streifen an die geschlossene Kante, der zweite Streifen gegenüber an der offenen Seite. Legen Sie außerdem den 15 cm langen Draht in die Verstärkung, die später oben sein soll.

Fixieren Sie die Stoffstreifen zur Verstärkung mit Stecknadeln am Stoffstück und vernähen diese.

Atemmaske mit der Nähmaschine bearbeiten.

Foto: VOJTa Herout / Shutterstock.com, Nr. 1677007519

Mund-Nasen-Schutz selber nähen: Schritt 4

Im nächsten Schritt werden die Kopfbänder seitlich an die Maske genäht. Nehmen Sie dazu das Stoffstück und legen die bereits eingebügelten Falten nochmal sauber aufeinander und schieben diese an einer Seite leicht zusammen.

Legen Sie die Seite der Maske nun in die Falte des 90 cm langen Stoffstreifens. Damit Sie die Maske später gut tragen können, sollte das gefaltete Stoffstück mittig von dem Streifen angebracht sein.

Stecken Sie das Kopfband mit Stecknadeln an der Maske fest und wiederholen sie die Schritte auf der anderen Seite.

Bevor Sie die Kopfbänder mit der Maske vernähen, halten Sie den Schutz vorsichtig vor ihr Gesicht und testen, ob die Länge der Bänder für die Größe und Form Ihres Kopfes passt.
Sie können die Maske gegebenenfalls weiter oben oder unten an den Bändern platzieren.

Vernähen Sie die Bänder, wenn die Position für Sie passt.

Stoffstreifen für den Atemmaske ffp3

Foto: TextureWorld / Shutterstock.com, Nr. 1679393287

Reinigung des selbstgenähten Mundschutzes:

Vor dem ersten und nach jedem Tragen sollte die Behelfs-Nase-Mund-Schutzmaske gründlich gewaschen werden. Wählen Sie dazu einen Waschgang bei 90 °C oder kochen Sie die Maske in einem Topf für etwa fünf Minuten. Die Maske sollte nicht länger als einen Tag getragen und anschließend gewaschen werden.

Um Ressourcen zu schonen, empfehlen wir, mehrere Masken anzufertigen, sodass sie nach einigen Tagen mehrere Masken zusammen waschen können.

Erfolgreiche Reinigung der Gesichtsmaske.

Foto: David Ch. Lichtag / Shutterstock.com, Nr. 1676572849

Was das Tragen von Atemschutzmasken gegen das Coronavirus bringt

Selbstgenähte Stoffmasken und einfache Mund-Nasen-Schutzmasken verhindern keine Ansteckung mit oder Verbreitung des Sars-CoV-2-Virus. Um sicher zu gehen, dass Sie sich nicht mit dem Coronavirus infizieren oder dieses weitergeben, halten Sie bitte den Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Personen ein.

Für medizinisches Personal sind nur Masken mit den Zertifizierungen FFP (Filtering Facepiece) 2 oder FFP 3 zugelassen. Nur diese sind fein genug verarbeitet, dass sie die kleinsten Tröpfchen, die das Virus verbreiten, nicht durchlassen.

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist Schutzkleidung weltweit Mangelware. Bestände, die derzeit noch existieren, sollten dem Gesundheitssektor vorbehalten sein und nicht von Privatpersonen gekauft werden.

Im NDR-Podcast Coronavirus-Update äußerte sich auch Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter Virologie Charité Belrin, zum Tragen von Masken. Hören Sie hier die Folge vom 23. März 2020:

Atemschutzmasken: Klassifizierung und Unterschiede

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterscheidet grob zwischen sogenannten „Community-Masken“, Mund-Nasen-Schutz und filtrierenden Halbmasken. Zur ersten Gruppe zählen Behelfs-Mund-Nasen-Masken wie man sie nach der oben stehen Anleitung selbst nähen kann.

Schützt das Tragen selbstgenähter Masken?

Eine Schutzwirkung von selbstgenähten Masken ist laut dem BfArM nicht nachgewiesen. Man geht aber davon aus, dass durch das Tragen eines selbstgenähten oder eines anderen Schutzes vor Mund und Nase der Auswurf von Tröpfchen oder gar Schleim reduziert wird.

Auch wenn solche Masken nicht vor einer Ansteckung schützen, reduzieren sie zumindest das Risiko, andere Leute zu infizieren.

Wer zum Einkaufen oder bei einem kurzen Spaziergang um den Block mit anderen Menschen in Kontakt kommt, sollte daher unbedingt eine Maske – mindestens jedoch einen Schal – vor Mund und Nase tragen. Wer selbst keine Symptome des Corona-Virus an sich bemerkt, kann dennoch damit infiziert sein und das Covid-19 an andere Menschen übertragen.

So schützen OP-Masken vor dem Coronavirus

Medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) kommt ebenfalls als Fremdschutz zum Einsatz. Er wird beispielsweise bei Operationen getragen und verhindert, dass möglicherweise infizierte Tröpfchen in eine offene Wunde gelangen. Zu diesem Zwecke enthalten solche Masken ein zusätzliches Vlies.

Als Schutz für den Träger sind medizinische Masken dieser Art nicht gedacht. Sie verhindern zwar, dass größere Tröpfchen direkt auf Nase oder Mund landen, feinere Partikelchen können mit der Atemluft seitlich an der Maske vorbei in den Körper gelangen. Für die Zulassung im medizinischen Arbeitsumfeld müssen MNS Richtlinien erfüllen.

FFP-Masken schützen am besten

Die Abkürzung FFP steht für die englische Bezeichnung Filtering Face Piece und bezeichnet Masken, die sehr feine Tröpfchen und Partikel aus der Atemluft filtern. Nicht alle filtrierenden Masken leisten den gleichen Schutz – je nach Klassifizierung weisen sie Unterschiede auf und kommen entsprechend in verschiedenen Berufsfeldern zum Einsatz.

Unter den filtrierenden Halbmasken gibt es Modelle mit Ventil und Masken ohne Ventil. Nur Masken ohne Ventil schützen einen selbst und andere vor einer möglichen Ansteckung. Ausatemventile an FFP-Masken filtern nur in eine Richtung – beim Einatmen. Atmet der Träger aus, hustet oder nießt, bieten Masken mit Ventil keinen Schutz für Personen in der Nähe.

FFP1, FFP2 und FFP3 – das sind die Unterschiede

Atemschutzmasken werden in unterschiedliche Klassen eingeteilt und sind für einige Berufsgruppen verpflichtend. Sie verhindern, dass schädliche Partikel über die Atemwege in den Körper gelangen und teilweise schwere Erkrankungen auslösen.

Neben den Behelfsmasken für Mund und Nase gibt es Masken der Klassen FFP1, FFP2 und FFP3, die unterschiedlich starken Schutz bieten.

Atemschutzmasken Klasse FFP1

FFP1-Masken filtern etwa 80 Prozent der Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometer aus der Luft – feinere Bestandteile können dennoch eingeatmet werden. Daher sind Masken dieser Schutzklasse nur für Berufsgruppen zugelassen, die nicht mit giftigen Stäuben oder anderen schädlichen Partikeln in Kontakt geraten. Diese können die Atemwege zwar reizen, lösen jedoch keine Krankheiten aus. Masken dieser Klasse kommen beispielsweise auf Baustellen oder in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz, wo ein geringer Schutz meist ausreichend ist.

Atemschutzmasken Klasse FFP2

Die feineren Masken der Schutzklasse FFP2 müssen 94 Prozent der Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern zurückhalten. Das schützt die Atemwege vor sogenannten Aerosolen, Rauch und Nebel. Beispielsweise sind solche Masken für bestimmte Tätigkeiten in der Metallindustrie vorgeschrieben, um schweren Atemwegserkrankungen, beispielsweise Lungenkrebs, vorzubeugen.

Atemschutzmasken Klasse FFP3

Größtmöglichen Schutz bieten Atemmasken der Klasse FFP3, die 99 Prozent der Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometern filtern. Dadurch verhindern sie, dass giftige, krebserregende, radioaktive – oder eben auch feinste Tröpfchen, die das Coronavirus übertragen – in die Atemwege gelangen. Eingesetzt werden solche Masken beispielsweise in der chemischen Industrie, wo Mitarbeiter einen besonderen Schutz benötigen.

Haftungsausschluss

Es wird keine Haftung für Wirksamkeit, die Herstellung oder die sachgerechte Verwendung des Behelfs- Mund-Nasen-Schutzes übernommen. Jeglicher Schadensersatzanspruch gegenüber dem AVR Verlag oder der Stadt Essen wegen Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit – unabhängig, ob vom Verwender oder dem jeweiligen Gegenüber – ist ausgeschlossen.

Die Herstellung/Verwendung des Behelfs-Mund-Nasen-Schutzes erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr.

Quellen: Stadt Essen, Robert-Koch-Institut, Uvex, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bundesanstalt für Arbeitssuche und Arbeitsmedizin