Wir essen sie, wir trinken sie, wir atmen sie ein, wir nehmen sie über die Haut auf – jeden Tag. Umwelthormone sind eine unsichtbare Gefahr für unsere Gesundheit und die Umwelt.

Benzophenon, Parabene, chemische UV-Filter – Begriffe, die wir vielleicht schon einmal auf der Rückseite einer Packung bei den Inhaltsstoffen gelesen haben. Hierbei handelt es sich um Chemikalien, sogenannte Umwelthormone, die in alltäglichen Produkten vorkommen, in unser Hormonsystem eingreifen und wichtige Prozesse für die körperliche und geistige Entwicklung stören können. In Kosmetika, Kinderspielzeug, Lebensmitteln oder Textilien – fast überall sind diese Schadstoffe enthalten, die erschreckenden Einfluss auf unseren Körper und unsere Umwelt haben …

Was genau sind Umwelthormone?

Umwelthormone oder auch Hormongifte – im Fachjargon endokrine Disruptoren genannt – sind überwiegend künstlich hergestellte, chemikalische Moleküle, die in ihrem Aufbau unseren körpereigenen Hormonen ähneln. Sie besitzen unter anderem die Fähigkeit, sich an Rezeptoren in unserem Körper zu binden, die eigentlich nur für Hormone vorgesehen sind und können dadurch eine schädliche Wirkung in unserem Körper hervorrufen. Sie stecken in Kosmetika, Medikamenten, Pestiziden sowie zahlreichen Plastikprodukten und kommen in der Luft, im Wasser und im Boden vor. Wenn wir atmen, Nahrung zu uns nehmen oder unsere Haut mit den Schadstoffen in Berührung kommt, gelangen sie in unseren Organismus und greifen in das Hormonsystem ein.

Darum sind Umwelthormone so schädlich

Hormone steuern fast alle Prozesse in unserem Körper. Wenn Umwelthormone in diese komplexen Abläufe eingreifen, kann es dazu kommen, dass falsche Prozesse zur falschen Zeit in Gang gesetzt werden. Die Schadstoffe können in bestimmten sensiblen Zeitfenstern wie beispielsweise während der Schwangerschaft, embryonalen Entwicklung, Stillzeit und Pubertät Hormone sowie deren Botenstoffe nachahmen und wichtige Botschaften durcheinanderbringen, sodass zum Beispiel hormonelle Prozesse im Körper zu früh, zu spät oder gar nicht eintreten. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Umwelthormone können so beispielsweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, zu Funktionsstörungen beitragen oder Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder ADHS mitverursachen.

So gelangen die Schadstoffe in den Körper

Umwelthormone können über die Nahrung, über die Luft und über die Haut aufgenommen werden. Sie stecken in vielerlei Produkten unseres alltäglichen Bedarfs. Angefangen von der Plastikflasche, über den Coffee to go-Becher, in Plastik verpackten Lebensmitteln, Kleidung und Kosmetika. Doch auch in Materialien wie den Baustoffen, aus denen unser Zuhause besteht, sind sie zu finden. Es besteht also immer und überall die Gefahr, dass Dinge um uns herum giftige Substanzen abgeben können. Die App Code Check gibt Aufschluss über die (schädlichen) Inhaltsstoffe eines Produkts.

Buchtipp:

Katharina Heckendorf klärt auf, warum Umwelthormone so gefährlich sind und wie man sie im Alltag identifizieren und vermeiden kann.

Katharina Heckendorf • Umwelthormone – das alltägliche Gift • Goldmann Verlag 2021 • 12 Euro (D)

green Lifestyle hat mit Journalistin, Moderatorin und Buchautorin Katharina Heckendorf über Umwelthormone und ihre Belastung für den Menschen sowie die Umwelt gesprochen.

Was hat Ihnen persönlich ein Bewusstsein für die Gefahr, die von Umwelthormonen ausgeht, geschaffen?

Nachdem ich eine Doku gesehen hatte, die zeigte, welche Schadstoffe in Kassenbons stecken, wollte ich die Stoffe vermeiden. Ich entdeckte immer mehr bedenkliche Chemikalien wie solche aus Lebensmittelverpackungen, Kleidung oder Baumaterialien. Ich war schockiert, das Thema ließ mich nicht mehr los.

Man sagt oft „die Dosis macht das Gift“ – gilt das auch für Umwelthormone?

Nein. Studien zeigen, dass es bei Hormongiften dazu kommen kann, dass kleinste Dosen stärkere Effekte haben als große. Zudem kann sich die Wirkung durch die Mischung verschiedenster Chemikalien in unseren Körpern verändern.

Wie sehr leidet unsere Umwelt unter diesen Schadstoffen?

Pestizide aus der Landwirtschaft oder die giftigen Überreste aus unserem Abwasser und unserem Müll gelangen allzu oft ungefiltert in die Umwelt. Das schadet der Tierwelt zusätzlich, die vielfach durch den Klimawandel und durch schrumpfende Lebensräume ohnehin schon geschwächt ist.

Wie kann man den Kontakt mit den Schadstoffen im Alltag reduzieren?

Ein nachhaltiger Lebensstil hilft. Dazu gehören etwa unverpacktes Einkaufen, Plastik selbst aus der Küche verbannen, reparieren statt neu kaufen, Secondhand statt Neuware, Biolebensmittel ohne Pestizide oder selbst gemachte Putzmittel oder Kosmetik. Einige Rezepte dafür stelle ich in meinem Buch vor.

Was können Verbraucher prinzipiell tun, um unsere Umwelt zu schützen und zu verhindern, dass die Giftstoffe überhaupt erst in den Umlauf kommen?

Es hilft zu überlegen, worin überall bedenkliche Stoffe stecken können, und solche Produkte zu vermeiden: Etwa die beschichtete Pfanne gegen eine gusseiserne auszutauschen, den PVC-Boden gegen einen aus Fliesen oder Textilien aus Kunstfasern gegen solche aus Naturmaterialien.

Noch mehr Inspiration für einen nachhaltigen Lebensstil
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