
Oft fällt der erste Blick auf ETFs, weil sie günstig und leicht zugänglich sind. Doch die Möglichkeiten nachhaltigen Investierens sind vielfältiger, und wer die Unterschiede versteht, kann bewusster entscheiden.
Zu den klassischen Anlageformen gehören Aktien, Anleihen, Fonds und auch komplexere Instrumente wie Futures. Während Fonds und ETFs vielen bekannt sind, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Unterschiede zwischen Aktien und Anleihen. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen: Sie schwankt im Wert, kann Dividenden abwerfen und gilt vor allem als Anlageform für langfristige Ziele.
Über sie sind Anlegerinnen und Anleger am Wachstum des Unternehmens beteiligt. Eine Anleihe hingegen ist ein Kredit, den man einem Unternehmen oder Staat gibt. Der Vorteil: planbare Zinsen und geringeres Risiko, dafür aber auch weniger Rendite.
Im Zusammenhang mit nachhaltigem Anlegen werden Aktien häufig genannt. Über Aktien können Anlegerinnen und Anleger an Unternehmen beteiligt sein, die Nachhaltigkeits- oder Transformationsstrategien verfolgen – sei es in den Bereichen erneuerbare Energien, oder .
Historisch betrachtet konnten Aktien langfristig höhere Renditen erzielen als manche andere Anlageformen. Allerdings gehen damit höhere Kursschwankungen einher. Eine Investition in Aktien erfolgt daher in der Regel langfristig und mit Bedacht.
Zu den bekanntesten börsennotierten Unternehmen Deutschlands zählen die sogenannten Blue Chips – also die Schwergewichte im DAX und Prime Standard. Viele von ihnen sind mitten in einer Transformation: Sie investieren Milliarden in erneuerbare Energien, Elektromobilität, nachhaltige Materialien oder digitale Lösungen für .
Für Anlegerinnen und Anleger können solche Unternehmen interessant sein, wenn sie sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Nachhaltigkeits- und Transformationsstrategien beschäftigen möchten. Blue Chips sind in der Regel große, etablierte Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung und internationaler Präsenz.
Sie verfügen meist über starke Marken, langjährige Erfahrung und eine robuste Finanzlage, was sie auch in schwankenden Märkten vergleichsweise widerstandsfähig macht. Gleichzeitig zeigen gerade diese Konzerne, dass selbst die etabliertesten Unternehmen ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen, um im Zeitalter von und Digitalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben.
Siemens Energy – Energie & Infrastruktur
Treiber bei Windkraftanlagen (Onshore und Offshore), Netzausbau und Wasserstoff-Technologien. Zählt zu den bedeutenden Anbietern von Technologien für Stromnetze, Windenergie und Wasserstoff. Mögliche Entwicklungstreiber sind der Ausbau von Stromnetzen und Investitionen in Wasserstofftechnologien.
Risiken: hoher Investitionsbedarf und Projektrisiken im Windsektor
Finanzen: Nach schwierigen Jahren ist Siemens Energy wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im Geschäftsjahr 2025 (Ende September) erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 39,1 Mrd. Euro (+15 % gegenüber dem Vorjahr) und ein bereinigtes Ergebnis nach Steuern von etwa 1,7 Mrd. Euro. Die bereinigte Marge vor Sonderposten lag bei rund 6 %.
BMW Group – Elektromobilität & Kreislaufwirtschaft
Mit der Plattform „Neue Klasse“ setzt BMW auf die Elektrifizierung seiner Fahrzeugflotte. Batterien, Recyclingmaterialien und digitale Fahrzeugplattformen gehören zur Strategie. Als wichtige Faktoren gelten die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen sowie die Entwicklung digitaler Fahrzeugplattformen.
Risiken: Rohstoffabhängigkeit und die Konjunkturabhängigkeit des Automarkts sowie im zunehmenden Wettbewerb durch andere internationale Automobilkonzerne, die ihre Elektromobilitätsstrategien ebenfalls konsequent ausbauen.
Finanzen: 2025 verzeichnete BMW einen leichten Umsatzrückgang auf rund 133 Mrd. Euro, vor allem durch das schwache China-Geschäft. Das bereinigte EBIT der Gruppe ging auf 10,186 Mrd. Euro zurück (Vorjahr: 11,509 Mrd. Euro), das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 11,89 Euro.
Mercedes-Benz Group – Premium-Elektrifizierung
Mercedes treibt die Elektrifizierung seiner Modellpalette voran und setzt auf grünen Stahl sowie klimafreundliche Produktion. Das Unternehmen verweist auf seine starke Position im Premiumsegment und verschiedene Technologiepartnerschaften.
Risiken: scharfer Wettbewerb im EV-Markt und Herausforderungen in globalen Lieferketten.
Finanzen: 2025 war für Mercedes ein schwieriges Jahr. Der Umsatz sank auf rund 132 Mrd. Euro, das bereinigte Ergebnis (Adjusted EBIT) fiel von 13,7 auf 8,2 Mrd. Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 3,50 Euro (Dividende).
SAP – Software für Nachhaltigkeit
SAP bietet Softwarelösungen an, mit denen Unternehmen unter anderem Emissionsdaten erfassen und Nachhaltigkeitskennzahlen dokumentieren können.
Perspektiven: weiteres Wachstum in der Cloud, insbesondere im im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement.
Risiken: Qualität der Kundendaten und Herausforderungen bei der Implementierung neuer Systeme.
Finanzen: SAP zählt weiterhin zu den profitabelsten DAX-Unternehmen und treibt den Umbau zum Cloud-Geschäft voran. 2025 stieg der Umsatz auf rund 36,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 34,2 Mrd. Euro), getragen vom kräftigen Wachstum der Clouderlöse (währungsbereinigt rund ein Viertel mehr als im Vorjahr). Das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes EBIT) verbesserte sich deutlich auf rund 10,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 8,2 Mrd. Euro), die bereinigte EBIT-Marge lag bei etwa 28 Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie betrug 6,14 Euro (Vorjahr: 2,68 Euro).
RWE – Transformation in der Energieerzeugung
Vom Kohlekonzern zum erneuerbaren Riesen: RWE investiert zweistellige Milliardenbeträge in Wind- und Solarenergie sowie Speicherlösungen. Chancen liegen in einer umfangreichen Projektpipeline in Europa und den USA. Risiken in regulatorischen Vorgaben und Genehmigungsverfahren.
Finanzen: Das Geschäftsjahr 2025 schloss RWE am oberen Ende der eigenen Prognose ab. Der Umsatz ging auf rund 17,6 Mrd. Euro zurück (Vorjahr: 24,2 Mrd. Euro), vor allem wegen niedrigerer Strompreise. Das bereinigte EBITDA erreichte rund 5,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 5,7 Mrd. Euro), das bereinigte EBIT rund 2,9 Mrd. Euro. Das bereinigte Nettoergebnis lag bei rund 1,8 Mrd. Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 2,48 Euro.
Wie und wo kann man investieren?
Die Aktien dieser fünf Unternehmen werden an den großen deutschen Börsenplätzen gehandelt, unter anderem über Xetra und die Frankfurter Wertpapierbörse. Wer sich näher mit einzelnen Unternehmen beschäftigen möchte, benötigt dafür in der Regel ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Onlinebroker.
Die vorgestellten Unternehmen zeigen, wie unterschiedlich große Konzerne auf Themen wie Energiewende, Elektromobilität, Digitalisierung oder Kreislaufwirtschaft reagieren. Ob sich diese Strategien langfristig wirtschaftlich auszahlen, hängt von zahlreichen Markt- und Unternehmensfaktoren ab.
Wer sich mit nachhaltigen Investments beschäftigt, kann zunächst überlegen, welche Themen ihm besonders wichtig sind: Energie, Mobilität, Digitalisierung oder industrielle Transformation. Anschließend lohnt es sich, die jeweiligen Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle und ihre Nachhaltigkeitsziele genauer zu betrachten.
Nachhaltiges Investieren bedeutet dabei nicht zwangsläufig, auf Rendite zu verzichten. Gleichzeitig gibt es keine Garantie dafür, dass Unternehmen mit Nachhaltigkeitsstrategien wirtschaftlich erfolgreicher sind als andere. Jede Investitionsentscheidung sollte daher auf einer eigenen sorgfältigen Recherche beruhen.
Investieren in den Wandel
ist längst kein Nischenthema mehr, sondern eine Notwendigkeit – auch für die Wirtschaft. Doch wer in grüne Themen investieren möchte, steht vor der Frage: Soll man auf reine Ökopioniere setzen oder auf Konzerne, die ihre Geschäftsmodelle umbauen?
Diese fünf DAX-Unternehmen zeigen, wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann: von der Energiewende über die E-Mobilität bis hin zu digitalen Klimaschutzlösungen.
Doch Achtung: Keines dieser Unternehmen ist perfekt. RWE steigt aus der Kohle aus – baut aber gleichzeitig Gasinfrastruktur. BMW und Mercedes elektrifizieren ihre Flotten – kämpfen aber mit Lieferkettenproblemen. SAP ermöglicht Nachhaltigkeitsmanagement – doch die Umsetzung hängt von den Kundinnen und Kunden ab.
Unser Überblick stellt Fakten und Strategien vor – und lädt ein, selbst zu bewerten, ob und wie diese Unternehmen zu den eigenen Werten passen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Die enthaltenen Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen (Geschäftsberichte 2025 der genannten Unternehmen) und sind keine Gewähr für zukünftige Entwicklungen. Kapitalanlagen unterliegen Marktrisiken, einschließlich des totalen Verlusts des investierten Kapitals. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Vor einer Investitionsentscheidung sollten Anlegerinnen und Anleger ihre persönliche finanzielle Situation, Risikobereitschaft und Anlagziele prüfen und unabhängigen, fachkundigen Rat (zum Beispiel von einer zugelassenen Finanzberatung) einholen. Die Autorin/der Autor und der Herausgeber haften nicht für direkte oder indirekte Schäden, die aus der Nutzung dieser Informationen entstehen.
Datenbasis: Geschäftsberichte bzw. Integrated Reports 2025 der genannten Unternehmen (Siemens Energy, BMW Group, Mercedes-Benz Group, SAP, RWE, BASF). Stand: Geschäftsjahr 2025. Angaben ohne Gewähr.
Alle Finanzkennzahlen beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2025 und stammen aus den Geschäftsberichten beziehungsweise Integrated Reports 2025 der jeweiligen Unternehmen.









