
Am liebsten möchten wir gar nicht daran denken: Die Vorstellung, in den eigenen vier Wänden krabbelnde Mitbewohner wie Bettwanzen, Motten oder Schaben zu beherbergen, ist extrem ekelhaft. Und doch: Schädlingsbefall in Innenräumen kommt bei weitem nicht nur in vernachlässigten Haushalten mit fragwürdiger Hygiene vor.
Wen es erwischt hat, der muss vor allem eines: schnell handeln. Die Versuchung ist groß, umgehend schwere Geschütze aufzufahren, um die ungebetenen Gäste möglichst rasch und effektiv wieder loszuwerden. Doch der Einsatz von aggressiven chemischen Wirkstoffen wie Organophosphaten und Carbamaten in Insektiziden schadet nicht nur den Krabblern, sondern auch dem Menschen, wenn sie versehentlich eingeatmet werden oder sich an Möbeln oder Wänden ablagern.
Insbesondere in Haushalten mit Kindern, immunschwachen Personen und Haustieren ist Vorsicht geboten. Schonendere, umweltfreundlichere Methoden erfordern zwar mitunter mehr Aufwand und Geduld, kommen dafür aber ohne gesundheitsgefährdendes Gift zum Ziel. Doch welche Tierchen betrachtet man überhaupt als Schädlinge? Und mit welchen „grünen“ Mitteln wird man sie wieder los?
Welche Schädlinge gibt es? Die vier wichtigsten Kategorien im Überblick
Vorratsschädlinge: Wenn Lebensmittel zur Beute werden
Vorratsschädlinge haben es auf Ihre eingelagerten Lebensmittel abgesehen. Lebensmittelmotten, Schaben, Getreideplattkäfer, Kornkäfer, Ratten oder Mäuse richten nicht nur Schaden an, indem sie die Vorräte vernichten, sondern auch durch die Kontamination des Umfelds mit ihren Absonderungen.
Hygieneschädlinge: Wenn die Gesundheit gefährdet ist
Hygieneschädlinge sind Tiere, die durch direkten Kontakt, etwa durch Stiche oder Bisse, Krankheiten übertragen können oder als Parasiten die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen. Zu ihnen zählen beispielsweise Bettwanzen, Flöhe, Läuse, Mücken und wiederum Schaben sowie Schadnager.
Materialschädlinge: Gefahr für Holz, Kleidung und Möbel
Materialschädlinge wie Gemeine Nagekäfer (Holzwurm), Kleidermotten, Teppichkäfer, Pelzkäfer und Buckelkäfer sind eine Gefahr für Kleider, Teppiche, Möbel und Objekte aus Holz.
Lästlinge: Nervig, aber meist harmlos
Lästlinge richten zwar keinen direkten Schaden an, werden aber als störend und ekelerregend empfunden. Wenn die Tiere in großen Mengen auftreten, können aus Lästlingen auch Schädlinge werden. Vertreter dieser Kategorie: unter anderem Silberfischchen, Ameisen, Stinkwanzen, Bernstein-Waldschaben oder Kellerasseln.
Bernstein-Waldschabe oder Kakerlake? So erkennst du den Unterschied
Aaah, eine Kakerlake! Oder doch nicht? Durch die Folgen des Klimawandels ist in heimischen Wohnungen vermehrt die Bernstein-Waldschabe anzutreffen. Keine Panik: Das Tier sieht eklig aus, ist aber harmlos.
Im Gegensatz zur Deutschen Schabe greift es keine Vorräte an, überträgt keine Krankheiten und pflanzt sich ausschließlich im Freien fort. Erkennbare Unterschiede zur „echten“ Schabe: Der Waldschabe fehlen die zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild und sie ist auch tagsüber aktiv.
Schädlingsbekämpfung ohne Gift: Diese Methoden haben sich bewährt
Einige giftfreie Methoden haben sich als besonders effektiv im Kampf gegen Schädlinge im Haushalt herausgestellt.
Hitze und Kälte als natürliche Schädlingsbekämpfer
Thermische Verfahren etwa stellen oft eine wirksame Alternative zu chemischen dar. Bei sehr hohen Temperaturen (ab circa 60 Grad Celsius) oder sehr frostigen Zuständen (ab circa minus 18 Grad) sterben die meisten heimischen Insekten mit ihrer Brut ab, da sie ihre Körpertemperatur kaum regulieren können.
60-Grad-Waschgänge oder eine Auszeit in der Gefriertruhe schätzen die Eindringlinge also ganz und gar nicht – ebenso wenig wie die thermischen Methoden, die im Rahmen der professionellen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden.
Schlupfwespen: Kleine Helfer mit großer Wirkung
Als sehr erfolgreich haben sich zudem bestimmte Schlupfwespen-Arten erwiesen: Trichogramma werden beispielsweise eingesetzt, um fiese Lebensmittelmotten aus der Küche zur kriegen. Die Eier der Schlupfwespen werden auf Pappstreifen geklebt überall dort platziert, wo befallene Lebensmittel gelagert wurden, paratisieren die Motteneier und verhindern so, dass neue Motten schlüpfen können.
Zur Beruhigung: Die winzig kleinen Nützlinge haben mit herkömmlichen Wespen nichts zu tun und sind absolut unbedenklich für Menschen und Haustiere. Nach ihrem Einsatz überleben sie, ihrer Nahrungsgrundlage beraubt, keine Woche. Weitere Schlupfwespenarten können gegen bestimmte Käfer oder Kleidermotten eingesetzt werden.
Wann Profis übernehmen sollten
Bei einigen Plagegeistern hilft jedoch kein Hausmittel. Wer etwa das Pech hat, Hausschaben oder Bettwanzen bei sich zu finden, muss einen Profi-Kammerjäger zu Rate ziehen. Aber keine Sorge: Mittlerweile gibt es viele Betriebe, die umweltverträgliche und gesundheitlich unbedenkliche Schädlingsbekämpfungsmethoden anbieten.
„Grüner“ Kammerjäger gesucht? Beispielsweise über den VFöS e.V. (Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung e.V.) – hier geht’s zur Suche nach Postleitzahl
Drei typische Haushaltsschädlinge im Porträt
Diese drei Plagegeister besuchen uns gerne in Haus und Wohnung – so wird man sie wieder los.
Lebensmittelmotten – ein Überblick:
Steckbrief
- Gängigste Arten: Dörrobstmotte und Mehlmotte
- Flügelspanne: bis 25 mm, Größe der Raupe: bis 20 mm
- Erkennbar an: weißen Gespinsten, Kotkrümeln oder Maden in den Vorräten
Woher kommen sie?
Meist werden die Küchenschmarotzer über bereits mit Eiern oder Larven befallene Lebensmittelverpackungen eingeschleppt. Sind diese einmal in Ihrem Vorratsschrank angekommen, vermehren sie sich dort rasant weiter und fressen sich ungerührt durch sämtliche Verpackungen aus Karton oder dünnem Plastik.
Was richten sie an?
Sie machen die gesamten Vorräte eines Haushalts zu einem Fall für die Mülltonne. Sowohl der Kot der Larven als auch ihre Gespinste sind gesundheitsschädlich – insbesondere für Asthmatiker und immunschwache Menschen.
Wie werde ich sie los?
Sämtliche Vorräte, vor allem Mottenlieblinge wie Mehl, Reis, Müsli, alle Getreidesorten, Stärke, Nüsse, Trockenfrüchte, Kaffee, Tee, Gewürze, Tierfutter, Hülsenfrüchte und Süßigkeiten entsorgen.
Anschließend alle Küchenschränke gründlich aussaugen, mit Essig wischen und mit einem Föhn trocknen. Sämtliche Behälter und Vorratsdosen heiß abwaschen. Bei hartnäckigen Fällen Schlupfwespen anbringen.
Tipp: Pheromonfallen locken ausschließlich Männchen an und sind daher als Bekämpfungsmaßnahme nicht ausreichend. Sinnvoll sind sie aber, um die Größenordnung des Befalls festzustellen und die Ausbreitung zu observieren. Die Klebefallen werden in Drogeriemärkten, Baumärkten oder im Fachhandel angeboten.
Bettwanzen – Ein Überblick:
Kurzer Steckbrief
- Größe: 1 bis 7 mm
- Optik: flacher, ovaler Körper mit rotbrauner Farbe
- Vorlieben: stechen vorwiegend nachts, versteckt sich in Bettgestellen, Spalten und Hohlräumen
Woher kommen sie?
Die Blutsauger werden gerne als Reisemitbringsel im Gepäck in das eigene Zuhause eingeschleppt. Aber auch in gebrauchten Möbeln nisten sie sich gerne ein. Einmal im Bett angekommen, sind die Wanzen ganz in ihrem Element: möglichst nahe an ihrem Wirt. Die fröhliche Vermehrung kann beginnen.
Was richten sie an?
Bettwanzenbefall erkennen Sie an den charakteristischen Bissspuren auf der Haut, die ähnlich wie bei Flohbissen dicht beieinander liegen und stark jucken. Auch kleine schwarze Punkte auf Laken, Matratze oder Bettgestell – der Wanzenkot – sowie ein süßlicher Geruch deuten auf ungebetene Gäste im Schlafzimmer hin.
Wie werde ich sie los?
Gegen Bettwanzen können Hausmittel meist wenig ausrichten – ein klarer Fall für den Profi, der den Insekten mittels Heißluft den Garaus macht.
Holzwürmer – Ein Überblick:
Kurzer Steckbrief
- Größe Gemeine Nagekäfer: 3 bis 5 mm, Larven (Holzwürmer): bis 6 mm
- Optik: gelb-weißlich
Woher kommen sie?
Der Gemeine Holzkäfer kommt hauptsächlich im Wald vor. Legt er seine Eier auf Frischholz ab, das für den Innenausbau oder als Feuerholz ins Haus gelangt, werden die Larven – die eigentlichen Holzschädlinge – gleich mitgeliefert. Herrschen dort „günstige“ Bedingungen wie eine kühle Raumtemperatur und eine hohe Luftfeuchtigkeit, können sie Türen, Treppen, Möbel oder Dachstühle befallen und viele Jahre im Holz überdauern.
Was richten sie an?
Holzwürmer fressen sich durch verbautes Holz, wobei sie wenige Millimeter große, kreisrunde Gänge im Holz und rieselnden Holzstaub hinterlassen. Werden die Larven nicht entdeckt, können sie millionenschwere Schäden anrichten.
Wie werde ich sie los?
Hat der Holzwurmbefall hölzerne Grundkonstruktionen wie das Dachgebälk befallen, sollten Sie sich Hilfe von Experten holen. Bei kleineren Möbelstücken können Sie selbst Hand anlegen: Für längere Zeit in einen warmen, beheizten Raum stellen und Essigessenz mit einer Spritze in die Fraßgänge geben. Vorsicht bei empfindlichen antiken Möbelstücken oder Musikinstrumenten – hier lieber professionelle Beratung suchen!
Tipps zur Vorbeugung
- Um einen Mottenbefall zu verhindern, sollten Lebensmittel direkt nach dem Kauf in luftdicht schließende Glas-, Keramik- oder Metallbehälter umgefüllt werden. Auf diese Weise werden kontaminierte Lebensmittel sofort entdeckt – und zugleich hungrige Mottenlarven, die sich bereits im Küchenschrank eingenistet haben, ferngehalten.
- Um Bettwanzen vorzubeugen, sollten bei Übernachtungen an Orten mit hoher Fluktuation das Bettgestell und die Matratze sowie Polstermöbel auf Spuren untersucht werden. Sehen Sie Wanzen, Kotspuren oder Häutungshüllen? Sofort das Zimmer oder das Hotel wechseln! Auch bei gebraucht gekauften Kleidern oder Möbeln ist ein gründlicher Check angesagt.
- Holzwürmer schätzen es nicht, wenn Holz trocken und warm gelagert wird. Sorgen Sie in Innenräumen mit häufigem Stoßlüften für ein gesundes, nicht zu feuchtes Raumklima und behandeln Sie Gartenmöbel mit schützendem Zedernöl.
- Um Ihre Textilien vor Motten, Milben, Käfern & Co. zu schützen, sollten sie regelmäßig gewaschen und zum Überwintern in Kleidersäcke verpackt werden. Zusätzlich können Sie Vorhänge, Teppiche und gelagerte Kleider mit natürlichem Neemöl einnebeln.









