
Es ist eisig kalt draußen. Das Wasser des Baches schimmert in einem winterlichen Grauton. Nach drei tiefen Atemzügen wage ich mich hinein. Ich tauche komplett ein. Eiskalt umschließt das Wasser meinen Körper und ich kämpfe gegen den Drang an, sofort wieder aus dem Wasser zu springen. Dabei versuche ich ruhig und gleichmäßig zu atmen. Und dann kommt es – dieses unbeschreibliche Glücksgefühl.
Wie ich zum Eisbaden gekommen bin
In der Coronapandemie habe ich für mich das Eis- beziehungsweise Kaltbaden entdeckt und versuche seither, es regelmäßig in den Wintermonaten zu praktizieren. Zu meinen Hochzeiten habe ich es sogar mehrmals pro Woche gemacht. Die Idee dazu entsprang tatsächlich aus einer gewissen Frustration heraus. Nichts lief so, wie ich es mir vorgestellt hatte, und ich fühlte mich eingeengt aufgrund der strengen Pandemie-Gesetze in Bayern.
Unzufrieden mit der Gesamtsituation kam mir dann während meiner zahlreichen Spaziergänge in der kalten Jahreszeit damals eines Tages die Idee, wortwörtlich ins kalte Wasser zu springen, als ich an wunderschönen Flussabzweigungen mit ihrem kristallklaren Wasser vorbeikam.
Achtung, Suchtgefahr: Warum Eisbaden glücklich machen kann
Beim ersten Mal habe ich es alleine ausprobiert – übrigens keine empfehlenswerte Vorgehensweise. Ich war zuvor warm eingepackt eine Runde joggen, zog meine Klamotten aus und sprang dann ohne lange zu zögern oder zu überlegen in eine wenig strömende Nebenstelle des Inns, die weder zu tief noch zu seicht war, und von der aus ich schön ins und aus dem Wasser steigen konnte. Was daraufhin geschah, war unglaublich.
Ich hatte erwartet, dass das Eisbaden genauso unangenehm sein würde wie eine kalte Dusche, doch das Gefühl war vollkommen anders, da sich das Wasser gleichmäßig um meinen Körper legte. Das Verrückte: nach einigen Sekunden hatte ich plötzlich einen herrlichen Lachanfall. Als ich nach ein oder zwei Minuten wieder aus dem Wasser stieg, spürte ich, wie mein Körper sich plötzlich überall erwärmte, und ich begann entgegen meinen Erwartungen nicht zu frieren.
Ganz im Gegenteil, mein Körper fühlte sich perfekt ausgeglichen an, und das Beste daran war, dass die gute Stimmung den ganzen Tag anhielt. Ich fühlte mich wie neugeboren. Es gibt kaum Situationen, in denen ich mich lebendiger fühle als beim Eisbaden – deshalb Achtung, Suchtgefahr!
Weil ich so überwältigt war von diesem Erlebnis und positiv überrascht, erzählte ich danach sofort all meinen Freundinnen und Freunden davon. So steckte ich manche von Ihnen mit der Begeisterung für das Eisbaden an.
Eisbaden: Ein neuer alter Hype
Das Eisbaden selbst ist nichts Neues, sondern eine jahrhundertealte Praxis, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Vorteile und der mentalen Stärke, die sie erfordert, wieder äußerst beliebt ist. Insbesondere der niederländische Extremsportler Wim Hof, auch bekannt als The Iceman, der mehrere Weltrekorde im Ertragen extremer Kälte hält, hat Winterbaden erneut in den Fokus gerückt. Und plötzlich ist aus dem althergebrachten Kneipen, das schon unsere Großeltern kannten, wieder ein cooler Trend geworden.
Welche gesundheitlichen Vorteile hat Eisbaden?
Das Eintauchen in eiskaltes Wasser kann auf den ersten Blick abschreckend wirken, aber die positiven Auswirkungen auf Körper und Geist sind durch zahlreiche Studien belegt. So hat sich etwa gezeigt, dass regelmäßiges Eisbaden das Immunsystem stärkt und die Durchblutung verbessert. Der plötzliche Temperaturschock kann sogar Entzündungen reduzieren und die Freisetzung von Endorphinen fördern, was zu einem Gefühl der Euphorie und des Wohlbefindens führt.
Eisbaden für Anfänger: So gelingt der sichere Einstieg
Doch bevor man ins kalte Wasser springt, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend. Hilfreich sind Atemtechniken, um den Körper auf den Schock vorzubereiten, oder eine kleine Sporteinheit zuvor, die den Körper aufwärmt. Zudem empfehle ich eine Mütze oder eine andere Kopfbedeckung, um den Wärmeverlust über den Kopf zu reduzieren, und im Wasser immer schön in Bewegung zu bleiben, um die Körpertemperatur zu halten.
Zudem kannst du Handschuhe tragen oder die Hände beim Eisbad nicht ins Wasser tauchen, da man über diese auch viel Wärme verliert. Fließende Gewässer fühlen sich übrigens meist etwas kälter an als stehende.
Der eigentliche Moment des Eintauchens erfordert Entschlossenheit und Selbstkontrolle. Hier hilft es, sich auf den Atem zu konzentrieren sowie ruhig und gleichmäßig zu atmen, während man langsam in das kalte Wasser eintaucht. Starte mit kurzen Badezeiten von etwa 30 Sekunden bis zu einer Minute und steigere die Dauer allmählich, während dein Körper sich anpasst.
Nach dem Baden ist es wichtig, deinen Körper langsam wieder aufzuwärmen. Vermeide heiße Duschen direkt danach, da plötzliche Hitze auf der Haut nach dem Eisbaden unangenehm sein kann. Wärme dich stattdessen langsam mit warmen Getränken, Handtüchern, Bademäntel und trockener Kleidung auf. Flipflops oder andere Badeschuhe sind direkt nach dem Bad ein hilfreiches Equipment, da nackte Füße im Schnee oder auf kaltem Boden sehr schnell auskühlen. Später tut dann eine heiße Dusche oder ein Saunagang sehr gut.
Wieso Eisbaden?
Viele Menschen, die regelmäßig Eisbaden praktizieren, berichten von verbessertem Schlaf, erhöhter Energie und einer gesteigerten Stresstoleranz. Die anfängliche Herausforderung wird oft belohnt durch ein Gefühl der Lebendigkeit und eine gesteigerte mentale Klarheit. Mit der richtigen Vorbereitung, und einem schrittweisen Ansatz kann das Eisbaden eine bereichernde Erfahrung sein, die die körperliche und geistige Gesundheit fördert.
Darauf achten!
Eisbaden ist nicht für jeden geeignet. Menschen mit Herzproblemen oder bestimmten Gesundheitszuständen sollten vor dem Eisbaden einen Arzt konsultieren. Achte immer auf deinen Körper und überschreite nicht deine Grenzen. Bade am besten in Begleitung und sei vorsichtig, um Erfrierungen oder andere Verletzungen zu vermeiden.
Mehr Infos:
Wenn du mehr über das Eisbaden erfahren möchtest, empfehle ich das Buch „The Wim Hof Method“ von Wim Hof – auf der Homepage von Wim Hof finden sich außerdem zahlreiche Studien zur Wirksamkeit des Eisbadens. Auch Internetrecherchen zu lokalen Gemeinschaften lohnen sich, die sich auf Kältetraining spezialisiert haben – in München etwa die Munich Hot Springs.









