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Reisen & Mobilität

Allein Reisen: So funktioniert es

Zwischen Unsicherheit, Freiheit und unerwarteten Begegnungen entdeckt unsere Redakteurin auf ihren Solo-Reisen nicht nur die Welt, sondern auch ganz neue Seiten an sich selbst. Warum Alleinreisen oft viel weniger einsam ist, als es klingt, erzählt Franziska Schuberl anhand ihrer Erlebnisse in Barcelona, La Gomera und Sri Lanka.

Wanderin im Wald – gestellte Aufnahme, nicht die Autorin oder eine dokumentierte Station ihrer Reise.
maxbelchenko / Shutterstock

Barcelona – Mein Einstieg ins Alleinreisen

Das erste Mal wagte ich es nach der Trennung von meiner ersten großen Liebe. Ich machte mich mit meinen 24 Jahren allein auf den Weg nach Barcelona. Das erste Mal allein in einem Hostel. Anfangs fand ich das etwas überfordernd, da alle meine Zimmergenossen auf Englisch mit mir ins Gespräch kommen wollten.

Damals hatte ich andere Pläne, als mich groß mit Fremden zu vernetzen, und war dafür gar nicht so offen und etwas unsicher aufgrund der Sprachbarriere. Ich wollte vor allem endlich etwas von der Welt sehen und internationale Kultur erleben. Zugegebenermaßen war ich dort mit einem Bekannten verabredet, der zu jener Zeit in Barcelona studierte. So hatte ich bei meiner ersten Reise allein zumindest eine feste Bezugsperson vor Ort, mit der ich mich immer wieder traf und die mich auf einige Studi-Events mitnahm, wodurch ich andere junge Leute kennenlernte.

Genauso viel Spaß machte es mir, ganz allein auf Entdeckungstour zu gehen. Ich tauchte ein in die surreale Kunst von Antoni Gaudí, der bis heute zu meinen Lieblingskünstlern zählt, und bemerkte, dass ich Eindrücke der Stadt noch viel intensiver aufnahm, wenn ich allein unterwegs war. Ich achtete stärker auf meine Umgebung und nahm die Menschen um mich herum bewusster wahr. Ich suchte mir bekannte Sightseeing-Spots raus und machte mich auf die Suche nach Orten, die ich nur von Instagram-Posts entfernter Bekannter kannte, ohne genau zu wissen, wo die Aufnahmen entstanden waren.

Es fühlte sich an wie eine Schnitzeljagd. Und wow, war das ein tolles Gefühl, wenn ich diesen oft völlig beliebigen Ort, das Gebäude, das Tor oder was auch immer schließlich gefunden hatte. Ein weiterer Pluspunkt, alleine zu reisen: Ich konnte tun und lassen, was ich wollte. So komplett auf mich gestellt, kam es doch hin und wieder zu aufregenden Situationen, zum Beispiel wenn ich mit der U-Bahn unbemerkt in die falsche Richtung fuhr oder mit minimalem Datenvolumen den Weg zurück zum Hostel finden musste. Glücklicherweise verlief alles glimpflich und ich wurde immer selbstsicherer.

Von Tag zu Tag fühlte ich mich wohler dabei, mit meinen internationalen Zimmergenossen auf Englisch Smalltalk zu führen. Als ich mich dann so richtig eingegroovt hatte, musste ich die Stadt eigentlich schon wieder verlassen. Insgesamt verbrachte ich eine Woche in Barcelona. Obwohl ich als junge Alleinreisende durchaus Aufmerksamkeit erregte, hatte ich zu keiner Zeit Angst – nicht einmal, als ich an meinem letzten Abend noch das als etwas unsicher geltende Viertel Barri Gòtic auf eigene Faust erkundete. 

Ganz im Gegenteil. Ich war voller Glücksgefühle, als ich mich durch die belebten nächtlichen Gassen treiben ließ und neugierig in die verschiedenen Pubs und Restaurants spähte, aus denen Livemusik klang. Ich fühlte mich so lebendig. Und obwohl ich allein war, fühlte ich mich dazugehörig. Ich sog alle Eindrücke auf und war voller Lust aufs Leben.

Für den Anfang war es sicherlich hilfreich, eine Bezugsperson vor Ort zu haben. Trotzdem war ich unglaublich stolz, mich allein auf diesen Städtetrip getraut zu haben. Alles hatte funktioniert – selbst wenn manches mit etwas Aufregung verbunden war. Barcelona und dieser sanfte Einstieg ins Alleinreisen hinterließen einen bleibenden Eindruck. Und sollten der Startschuss für weitere Solo-Abenteuer werden.

La Gomera – Zwischen Einsamkeit, Wachstum und Glück

Meine zweite Reise allein hatte es in sich. Damals hatte ich einfach genug vom kalten Deutschland und von der Uni-Bibliothek, in der ich an meiner Masterarbeit schrieb. Also beschloss ich kurzerhand, für einen kleinen Tapetenwechsel auf die Kanarischen Inseln zu reisen und dort weiterzuarbeiten.

Eine meiner besten Freundinnen hatte als Kind mit ihrer Familie viel Zeit auf La Gomera verbracht und mir immer von der Insel vorgeschwärmt. Also entschied ich mich spontan für dieses Ziel – vor allem, weil dort das ganze Jahr über frühlingshafte Temperaturen herrschen.

Während der Anreise verbrachte ich allerdings noch eine Nacht in Teneriffa. Empfangen wurde ich von strömendem Regen, aber auch von einem unglaublich lieben Hund meiner Gastgeber. Zum Glück war mein Aufenthalt dort nur kurz. Ich besuchte am nächsten Tag noch den windigen Wassersportstrand und war ehrlich gesagt ganz froh, als ich endlich auf der Fähre nach la Gomera saß.

Dort lernte ich direkt eine nette Gruppe Mädels kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb und tauschten Telefonnummern aus. Meine erste Bekanntschaft auf der Insel – und längst nicht die letzte. Am Zielort Valle Gran Rey angekommen sollte ein kleines Apartment mit Balkon und Meerblick mein Zuhause für die nächsten zehn Tage werden.

Kaum war ich aus dem Bus gestiegen, kam mir ein junger Mann zu Hilfe, da ich mich nicht sofort orientieren konnte. Obwohl er freundlich wirkte, meldete sich sofort ein leicht ungutes Bauchgefühl. Rückblickend ist das etwas, das ich bei diesen Reisen öfter an mir festgestellt habe:

Als alleinreisende Frau entwickelte ich eine größere Sensibilität dafür, Menschen und Situationen einzuschätzen. Ich achtete stärker auf mein Umfeld und nahm Warnsignale bewusster wahr. Gleichzeitig habe ich gelernt, meinem Bauchgefühl zu vertrauen, wenn es sich meldet. Damit bin ich auf Reisen bisher immer gut gefahren.

Aber zurück zu La Gomera. Ich richtete mich in meinem winzigen Apartment ein und erlebte in den ersten Tagen ein regelrechtes Gefühlschaos. Mal fühlte ich mich einsam und verloren, mal war ich überfordert oder leicht verzweifelt. Unter anderem deshalb, weil meine Unterkunft keine richtige Küche hatte und die Essensversorgung komplizierter war als gedacht.

Ein anderes Mal lief ich allein eine eher verlassene Straße entlang, als ein Mann an mir vorbeifuhr. Kurz darauf glaubte ich, sein Auto weiter vorne wiederzuerkennen. Vielleicht war es nur Einbildung, vielleicht auch nicht. Jedenfalls meldete sich mein Bauchgefühl sofort und ich entschied mich, lieber umzudrehen.

Viel mit meinen Gedanken allein, gab es Momente, in denen ich traurig war und vergangenen Beziehung nachhing. Doch je länger ich auf der Insel blieb, desto positiver wurde meine Stimmung. Und desto selbstbewusster wurde ich. Ich entwickelte eine feste Routine.

Für meine Masterarbeit setzte ich mir tägliche Schreibzeiten. Beim Frühstück hörte ich das Hörbuch „Sorge dich nicht – lebe!“, las jeden Tag irgendwo draußen am Meer ein Stück in einem Roman von Charlotte Link und machte mir eine Liste mit Orten, die ich während meines Aufenthalts entdecken wollte.

Meine freie Zeit nutzte ich hauptsächlich für Spaziergänge, auf denen ich die Gegend erkundete. Außerdem ging ich wieder meinem kleinen Hobby nach: Ich suchte nach den Spots, die ich von den Fotos meiner Freundin kannte, die mir die Insel empfohlen hatte. Wie schon damals in Barcelona wurde daraus eine Art Schnitzeljagd.

Auf einer Wanderung zu einem Wasserfall traf ich eine deutsche Familie, die mich kurzerhand in ihre Wandergruppe aufnahm. In Restaurants und auf meinen Spaziergängen lernte ich unterschiedliche Menschen kennen – unter anderem eine ältere Dame, die seit Jahren regelmäßig auf die Insel kam, um dem Winter zu entfliehen.

Die Gespräche mit den Fremden taten gut und erinnerten mich daran, wie wertvoll Begegnungen sein können. Die Mädels von der Fähre traf ich wieder. Außerdem telefonierte ich mal mit einer Freundin und schrieb zu der Zeit viel mit jemanden, den ich flüchtig von zu Hause kannte. Er sollte später mein fester Freund werden.

Generell hat mir während dieser Reise sozialer Austausch in jeglicher Form sehr geholfen und generell rate ich allen, die zum ersten Mal allein reisen, sich eine gewisse Eingewöhnungsphase zu erlauben. Ich selbst brauchte meist ein bis zwei Tage, um anzukommen, mich mit der Situation des Alleinseins anzufreunden und mich einzufinden.

Danach werde ich automatisch offener – und habe jedes Mal eine wirklich gute Zeit. Auf La Gomera hatte ich zudem ein komplettes Kapitel für meine Masterarbeit fertiggestellt. Diese Reise war somit ein voller Erfolg und ich werde sie nie vergessen. Vor allem nicht dieses Gefühl, als ich für mich an ein paar Abenden hoch oben im Restaurant La Orchidea saß, fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte aß, dazu ein Glas Wein – bei einer atemberaubenden Kulisse.

Im Hintergrund lief Eric Clapton, die Sonne versank langsam im Meer und ich war mir selbst genug. Ich beobachtete die anderen Gäste, kam mit der Restaurantbesitzerin ins Gespräch und lobte sie für die großartige Musik. Sie erzählte mir daraufhin, dass ihr Mann leidenschaftlich Schallplatten sammle und von ihm die besondere Musikauswahl stamme.

An einem Abend im La Orchidea blickte ich in den Sternenhimmel und fühlte mich so glückselig, dankbar und eins mit dem Universum. Vor allem aber war ich stolz auf mich. Stolz darauf, dass ich mich getraut hatte, allein zu reisen. Stolz darauf, allein in diesem Restaurant zu sitzen und den Moment wirklich genießen zu können.

Selten war ich in meinen Leben mehr überzeugt davon, dass am Ende alles gut werden würde. Ich fühlte Vertrauen und Zuversicht. Und war mir sicher, dass vor mir eine wundervolle Zukunft liegen würde – mit einem tollen Partner an meiner Seite.

Und tatsächlich sollte ich damit recht behalten. Kurz danach kam ich mit dem Mann zusammen, mit dem ich während der Reise bereits im engen Kontakt stand. Danach reiste ich viel mit ihm, und meine besten Freundinnen wurden zu meinen festen Reisebuddys.

Sri Lanka – Fremde werden zu Freunden

Im vergangenen Jahr und inzwischen wieder Single plante ich nach langer Zeit wieder eine größere Solo-Reise. Diesmal ging es nach Sri Lanka. Da ich in den Jahren zuvor das Backpacken für mich entdeckt hatte, machte ich mich mit meinem Rucksack auf den Weg und fand mich kurze Zeit später in meinem ersten Hostel in der Nähe der Hauptstadt Colombo wieder.

Ähnlich wie damals auf La Gomera fühlte ich mich zunächst etwas überfordert. Hinzu kam, dass ich erheblichen Liebeskummer hatte. Kurz vor der Reise hatte ich eine wundervolle Person kennengelernt, eine gemeinsame Zukunft war jedoch völlig ungewiss. Spoiler: Heute ist er mein Freund. Damals fühlte ich mich am ersten Tag meiner Ankunft auf Sri Lanka ziemlich lost und einsam; ich fragte mich mehr als einmal, was ich hier eigentlich machte, und verbrachte viel Zeit grübelnd am Strand.

Um erst einmal reinzukommen, organisierte ich mir am zweiten Tag eine kleine Stadttour mit einem lokalen Tuk-Tuk-Fahrer, der mich sogar selbst das Tuk-Tuk fahren ließ. Und ging abends wieder zum Strand. Es fiel mir anfangs schwer, im Hostel und generell mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Doch Sri Lanka ist ein so herzliches Land, dass dieser Zustand nicht lange anhielt. Die Einheimischen dort sind einfach unglaublich warmherzig. Da war zum Beispiel der hilfsbereite, lustige Tuk-Tuk-Fahrer. Oder der ältere Herr am Strand, der für sich und seine Frau einen Apfel aufschnitt und mir ganz selbstverständlich ebenfalls ein Stück anbot.

Später am Meer fragte mich eine Gruppe junger Einheimischer, ob ich Lust hätte, mit ihnen Volleyball zu spielen. Klar hatte ich! Nach dem Spiel machten wir ein Erinnerungsfoto, das mir eine Frau aus der Gruppe danach zuschickte. Sie schrieb, wie sehr sie sich gefreut hatte, mich kennenzulernen. Am selben Abend wurde mir noch von einer feiernden Geburtstagstruppe einer Jugendlichen ganz selbstverständlich ein Stück Kuchen angeboten.

Vielleicht bedauerten die Menschen eine alleinreisende Touristin. Vielleicht waren sie einfach freundlich und neugierig. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem. Fest steht: An diesem zweiten Abend ging mir das Herz auf. So viel Gastfreundschaft hatte ich selten erlebt.

Und diese Glücksträhne sollte andauern: Als ich später ins Hostel zurückkehrte, sprach mich eine selbstbewusste, junge Frau aus Australien an und fragte, ob ich Lust hätte, mit ihr und einigen anderen im Hostel Karten zu spielen. Es stellte sich schnell heraus, dass die Truppe großartig war. Wir verstanden uns sofort und verbrachten einen lustigen Abend zusammen.

Obwohl sich unsere Wege bereits am nächsten Tag wieder trennten, trafen wir uns zufällig noch einmal auf der Reise. Gleichzeitig fand ich in den folgenden Hostels schnell Anschluss. Aus lockeren Bekanntschaften entstand eine kleine Reisegruppe. Wir organisierten gemeinsame Transfers, machten Ausflüge und verbrachten viele Abende miteinander.

Aus diesen Bekanntschaften wurden echte Freundschaften. Zwei der Mädels – eines aus den Niederlanden und eines aus Belgien – traf ich wieder und wir haben bis heute Kontakt. Generell hatte ich das Gefühl, dass Alleinreisende in Sri Lanka sehr unkompliziert Anschluss finden können. Das Land, die Menschen und die Atmosphäre machten es einem unglaublich leicht.

Zweifelsohne erlebte ich dort die üblichen Reisegeschichten. Zum Beispiel die mehrstündige Busfahrt ohne Toilettenstopp, bei der ich irgendwann ernsthaft in Panik geriet. Als die Situation kritisch wurde, hielt der Fahrer extra für mich an. Überhaupt habe ich beim Reisen schon die verrücktesten Dinge erlebt, und beim Alleinreisen teilweise noch intensiver:

Hilfsbereitschaft, spontane Begegnungen, spannende Gespräche und Momente, die man nie wieder vergisst. Zum Beispiel, wenn man sich gemeinsam mit neu gewonnenen Freunden nach ein paar Drinks spontan Tattoos und Piercings in einem nicht ganz vertrauenswürdigen Laden stechen lässt. Absolut fahrlässig (und nicht zum Nachahmen gedacht), aber es ging gut!

Auf meinen Reisen habe ich gelernt, dass ich gut mit mir allein sein kann. Gleichzeitig habe ich aber festgestellt, dass die schönsten Momente oft im Kontakt mit anderen Menschen entstehen. Und genau das ist vielleicht das Paradoxe am Alleinreisen: Man reist zwar allein los, aber wer freundlich und achtsam durch die Welt geht, offen bleibt und auf sein Bauchgefühl hört, wird oft mit wundervollen Begegnungen belohnt.

Für mich ist Alleinreisen wie das Eintauchen in ein Paralleluniversum. Eine intensive, ganz eigene Bubble voller Gedanken, Gefühle, Begegnungen und Erfahrungen. Man wächst mit seinen Herausforderungen und lernt sich selbst besser kennen. Es ist Freiheit und Unabhängigkeit. Ebenfalls ist es eine besondere Form der Verbundenheit. Denn auf all meinen Touren habe ich immer wieder erlebt, dass Herzlichkeit keine Ländergrenzen kennt.

Dass wir Menschen uns ähnlicher sind, als wir denken. Und dass wir letztlich alle soziale Wesen sind, die nach Verbindung suchen. Ich kann es nur ans Herz legen, die Erfahrung des Alleinreisens zumindest einmal im Leben selbst zu machen.

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