
Abreise nach Bologna
Betrieben durch die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) fährt von München aus mehrmals täglich ein EC Richtung Italien – mit Halt unter anderem auf dem Brenner, in Sterzing, Brixen, Bozen, Trient, Verona und der Endstation Bologna. Am besten man nimmt die Verbindung um 07:34 Uhr. So kommt man um 14:10 Uhr im Hauptbahnhof Bologna Centrale an und hat noch einiges vom Tag übrig, um die Stadt zu erkunden.
Bevor man endlich den Fuß auf den Bahnsteig von La Grassa (die Fette) beziehungsweise La Rossa (die Rote) – wie Bologna liebevoll aufgrund des gehaltvollen Essens sowie der roten Ziegelhäuser und der politisch vorherrschenden Gesinnung ebenfalls genannt wird, setzen kann, verbringt man eine äußerst entspannte Zugfahrt – in bequemen Sitzen mit viel Beinfreiheit. Entlang der Strecke, begleitet vom Fluss Etsch, reiht sich ein fantastischer Ausblick an den nächsten und lässt die 6,5 Stunden Fahrtzeit wie im Flug vergehen.
Hotelbuchungen
Bei der Planung war es uns wichtig, Hotels in Bahnhofsnähe auszuwählen, um den Fußweg dorthin möglichst kurz zu halten. So waren es in Bolgona fünf Minuten zum Ziel und später in Rom zehn Minuten.
Zudem sind Bahnhöfe meist sehr im Herzen einer Stadt gelegen, sodass man sich mit der Unterkunft bereits im Zentrum des Geschehens befindet und viele Sehenswürdigkeiten mit entspannten Spaziergängen erreicht.
Für Bologna fiel die Wahl auf The Social Hub. Es ist ein modernes Lifestyle-Hotel für junge, aber auch ältere Reisende. Es ist zwar kein Biohotel im eigentlichen Sinne, aber wesentliche Punkte sind auf ausgelegt:
- Die Schlüsselkarten sind statt aus Plastik aus Holz gefertigt.
- Hinweise im Badezimmer rufen zum sparsamen Umgang mit Wasser auf. (Es gäbe dazu ein Bild)
- Der Live-Wasserzähler an der Dusche spornt dazu an, so wenig wie möglich zu verbrauchen. Pro Person kamen wir auf durchschnittlich 14,5 Liter bei rund 33 Grad Wassertemperatur. (Es gäbe dazu ein Bild)
- Im Bereich der Cafeteria kann man an einem Spender seine Flasche beziehungsweise Behältnisse mit Wasser befüllen – wahlweise heiß, gekühlt, naturell oder sprudelig. Das Display zeigt mit jedem Zapfen live an, wie viel Plastikflaschen bisher durch dieses Angebot gespart werden konnten.
Von Bologna kommt man kostengünstig, direkt und per Hochgeschwindigkeitszug in nahezu jede Stadt Italiens – bis tief in den Süden: Bari, Brindisi, Lecce, Neapel oder Salerno. Unkompliziert online über italotreno.it zu buchen.
Übrigens: Via E-Mail und SMS erhält man ein Update, wenn sich etwa die Wagenreihung oder die reservierte Wagonnummer geändert hat. Man wird also nicht unangenehm überrascht, sollte es bei der Zugeinfahrt die Plätze nicht wie gebucht geben. Zudem zeigen in den einzelnen Abschnitten auf dem Bahnsteig Monitore live an, in welchem Bereich der jeweilige Wagen exakt hält.
Zwischenstopp: Organic Toscana
Flohmarkt-Fans aufgepasst! In Arezzo, das beschaulich und nicht überlaufen ist, erstreckt sich jeden ersten Samstag im Monat über die ganze Altstadt ein gigantischer Antiquitäten- und -Markt – mit jeder Menge Sensationsfunden und Liebhaberstücken.
Auf dem Weg in die ewige Stadt, nahmen wir einen Umweg und verbrachten einige Tage in der Toskana – nahe Arezzo in Castiglion Fibocchi bei der Fattoria La Vialla (lavialla.com), einem biologisch-biodynamisch zertifizierten landwirtschaftlichen Familienunternehmen, einem wahren Paradies für Biotourismus!
Entwickelt hat sich dieses aus einem zwei Jahrhunderte alten Bauernhof, den die Familie Lo Franco 1978 übernommen, vor dem Verfall gerettet sowie wiederaufgebaut und zu diesem weitere verlassene Anwesen hinzugekauft hatte. Heute bestellt sie rund 1600 Hektar Land mit der biologischen und biodynamischen Methode – auf der größten von zertifizierten Fläche Italiens. Erzeugt werden neben Wein, Käse und Olivenöl zahlreiche italienische Köstlichkeiten. Die Zutaten dafür kommen direkt von den eigenen Feldern, um sie am Haupthaus von Hand zu Feinkost zu verarbeiten.
Gäste sind in sogenannten Casas untergebracht. Diese renovierten alten Bauernhäuschen verteilen sich über das gesamte Areal. Sie sind voll ausgestattet, verzichten muss man jedoch auf TV und Internet. Erholung in absoluter Abgeschiedenheit, wo man unmittelbar vor der Haustüre zu ausgedehnten Wanderungen in den umliegenden hügeligen Wäldern aufbrechen kann, ist also garantiert.
Den Bedarf für die Selbstversorgung deckt man im kleinen Hofladen am Haupthaus. Dort gibt es die Erzeugnisse der Fattoria und andere Biolebensmittel. Um beim Kochen mit typischen toskanischen Küchenkräutern zu würzen, bedient man sich im Außenbereich der Casas. Wasser entnimmt man der Leitung oder kauft am Hof Mineralwasser in Glasflaschen. Für Abwasch und Co. befinden sich im Haus biologische Reinigungsmittel und für die Mülltrennung stehen entsprechende Tonnen zur Verfügung. Ein umweltfreundlicher Urlaub fällt dort wirklich leicht.
Wer ohne eigenen Aufwand speisen möchte, kann tagsüber am Hofladen eine Merende (rustikale Brotzeit) einnehmen. Zweimal pro Woche werden ein gemeinschaftliches Frühstück und Abendessen an großen Tafeln zelebriert.
Gelebte regenerative Kreislaufwirtschaft
Um in die Materie der biologisch-biodynamische Landwirtschaft einzutauchen und mehr über die Arbeitsweise der Fattoria erfahren, empfiehlt sich eine geführte Besichtigung. Sie umfasst den Weinkeller, die Käserei, die Ölmühle, die Produktion, die Backstube und das biodynamische Häuschen. Man erhält ein Gefühl dafür, wie bei La Vialla das große Ganze in den Mittelpunkt rückt, um ein Gleichgewicht zu schaffen und sich im Einklang mit der Natur selbst zu versorgen:
- 60 bis 70 Prozent des Strombedarfs sind durch den eigenen Solarpark gedeckt.
- Die Pflanzenkläranlage filtert das Abwasser der Produktionsstätten.
- Pressreste der Oliven werden aufgrund ihres hohen Polyphenolgehalts zu Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel verarbeitet. Ein Ausbringen als Dünger würde den Boden aufgrund der darin enthaltenen sterilisierenden Wirkstoffe nur unfruchtbar machen.
Diese und viele weitere Aspekte tragen zur Unabhängigkeit und Resilienz des Betriebes bei.
(E)mobil durch die Toskana
Da diese Region nun mal sehr ländlich geprägt ist, empfiehlt sich ein Mietauto, um die verschiedenen Ausflugspunkte zu erreichen, zumal zwischen ihnen und dem Startpunkt doch immer ein paar Kilometer liegen.
Nach der 40-minütigen Zugfahrt von Bologna nach Florenz haben wir den reservierten Fiat 500 Mild Hybrid in Bahnhofsnähe abgeholt und sind in unseren Toskana-Aufenthalt aufgebrochen. Insgesamt haben wir in fünf Tagen 781 Kilometer zurückgelegt und dabei laut Rechnung des Autovermieters 76,54 kg/CO2 ausgestoßen. Sprit haben wir etwa 36 Liter benötigt – inkludiert ist darin der volle Tank bei Rückgabe.
Bei einem Mild Hybrid muss man sich nicht ums Aufladen kümmern. Es erfolgt während des Fahrens über Rekuperation: Die Bewegungsenergie des Verbrennungsmotors wird in elektrische Energie zurückgewandelt und in den Akku geleitet.
Für Anreisen per stehen bei der Fattoria La Vialla mehrere Zapfsäulen zum Laden bereit.
Wanderglück in der Toskana
Mittelalterliche Städtchen, die auf sanften Hügeln thronen, Zypressenalleen, knorrige Olivenbäum und liebliche Weinberge – die Kombination von Geschichte, Kunst, Natur und Genuss ist in der Toskana einmalig. Hier durch die Weinberge zu wandern, zu Klöstern, Weingütern oder malerischen Orten, ist einfach wunderbar.
Und auch am Meer gibt es traumhafte Küstenspaziergänge mit bezaubernden Bade- und Einkehrpausen. Die Rother Wanderführer Toskana Nord und Toskana Süd zeigen zuverlässig die schönsten Touren und Wanderausflüge in der Region – mit vielen Tipps und GPS-Download inklusive.
Rom, wir kommen!
Nicht einmal 1,5 Stunden dauert die Zugfahrt von Florenz nach Rom. Bei rund 30 Grad Außentemperatur sitzt man komfortabel in einem angenehm runtergekühlten Wagon, lässt die Landschaften an sich vorbeiziehen und verlässt entspannt, voller Tatendrang den Bahnhof Roma Termini Richtung Hotel.
Dass diese antike Stadt so einiges zu bieten hat, dürfte allseits bekannt sein. Dieses Kapitel an dieser Stelle noch aufzuschlagen, wäre aber zu seitenfüllend.









