Eine Zeltnacht in wilder Landschaft, weit weg von allem – davon träumen viele. Aber ist Wildcamping in Deutschland überhaupt erlaubt? Und wenn ja: wo und unter welchen Bedingungen?

Text Daniela Fricke

Camping erfreut sich generell wachsender Beliebtheit. Doch nicht jeder will sein Zelt in abgesteckten Camping-Parzellen aufstellen. Die schlechte Nachricht: Wildcamping, also mit Zelt einfach so irgendwo in der Natur zu campen, ist in Deutschland nicht erlaubt. In manchen Bundesländern riskiert man dafür ein saftiges Bußgeld oder gar eine Anzeige. Die gute Nachricht: Es gibt legale Alternativen, die wir hier vorstellen möchten.

Wildcamping ist ein ganz besonderes Erlebnis

Wildcamping inmitten der Natur ist Abenteuer pur. Foto: Fabricio Macedo via Pixabay

Wo Wildcamping strikt verboten ist

Ein respektvoller Umgang mit der Natur sollte für alle Naturbegeisterten selbstverständlich sein. Das gilt ganz besonders in Naturschutzgebieten, Naturreservoirs, Nationalparks und Landschaftsschutzgebieten. Sie dienen dem Erhalt besonders schützenswerter Landschaften sowie dem Schutz seltener Tiere und Pflanzen. Aus diesem Grund ist hier selbst das Verlassen der ausgewiesenen Wege untersagt. Und Wildcamping verständlicherweise unter gar keinen Umständen erlaubt.

Biwakieren ohne Zelt als Alternative zum Wildcamping

Beim Biwakieren profitiert man von einer rechtlichen Grauzone. Denn das Übernachten ohne Zelt unter freiem Himmel wird in allen Bundesländern außer in Berlin für eine Nacht toleriert. Dem Mikro-Abenteuer, nur mit Isomatte und Schlafsack ausgestattet auf der Wiese oder im Wald zu übernachten, steht damit außerhalb der genannten Schutzzonen nichts im Wege. Auch die Verwendung einer Schutzplane, eines Biwacksacks als Außenhülle für den Schlafsack oder einer Outdoor-Hängematte ist erlaubt.

Biwakieren in der Outdoor-Hängematte

Manchmal reicht es als Alternative zum Wildcamping völlig aus, in einer Outdoor-Hängematte zu biwakieren. Foto: Uwe Mücke via Pixabay

Legales Wildcamping auf Trekkingplätzen

Zum Glück gibt es in Deutschland immer mehr sogenannte Trekkingplätze, die sich entlang klassischer Wanderrouten befinden und an denen man ganz legal sein Zelt aufstellen darf. Die Plätze bieten, was sich Freunde des Wildcampings wünschen: minimalen Komfort, dafür aber maximale Naturnähe. Im Anschluss an eine einfache Online-Buchung, teilweise gegen eine geringe Gebühr, erhält man die genauen GPS-Koordinaten zu den einzelnen Plätzen. In diesen Bundesländern gibt es besonders schöne Trekkingplätze zu entdecken:

Rheinland-Pfalz (Pfälzerwald)

Ideale Voraussetzungen für wilde Nächte bietet das 170 000 Hektar große Biosphärenreservat Pfälzerwald. Zwischen Wildschweinen, Wildkatzen und mysteriösen Ritterburg-Ruinen laden im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands 15 Trekkingplätze zum Übernachten ein. www.trekking-pfalz.de

Bayern (Spessart, Steigerwald, Frankenwald)

Bayern bietet mit drei Regionen beste Voraussetzungen für legale Zeltnächte in der Natur. In der Kulturlandschaft Spessart mit seinen stattlichen Buchen und Eichen gibt es vier verlockende Trekkingplätze. Die abenteuerlichen Lagerplatz-Angebote im Steigerwald richten sich mit ihrer pädagogischen Vielfalt speziell an Familien mit Kindern. Und im Frankenwald bewegt man sich auf den Spuren der ehemaligen innerdeutschen Grenze. www.trekking-bayern.de

Wandern mit Aussicht auf eine Übernachtung unterm Sternenzelt

Zusammen unterwegs in wunderschönen Landschaften mit der Aussicht auf einen Übernachtungsplatz unterm Sternenhimmel.

Schleswig-Holstein (Wildes Schleswig-Holstein)

By fair means – das ist die grundlegende Regel, die für das Projekt Wildes Schleswig-Holstein gilt. Wer sein Zelt oder Tarp also an einem der knapp 20 über das ganze Bundesland verteilten Plätze aufschlagen will, muss daher zu Fuß oder mit dem Rad kommen. www.wildes-sh.de

NRW (Naturpark Hohes Venn / Eifel)

Von Buchenwäldern über halboffene Waldsteppen bis hin zur Aussicht in die strukturreiche Kulturlandschaft. Auf jedem der zehn Trekkingplätze im Naturpark Hohes Venn in der faszinierenden Eifel lässt sich die Natur unter freiem Sternenhimmel hautnah erleben. www.trekking-eifel.de

Sachsen (Elbsandsteingebirge & Forststeig)

Der Weitwanderweg Forststeig führt über 100 Kilometer durch die bergige Landschaft der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Entlang des Weges stehen Biwakplätze und Hütten zum Nächtigen für Wanderer bereit. www.forststeig.sachsen.de

Saarland / Rheinland-Pfalz (Trekkingcamps Saar-Hunsrück-Steig)

Auf 410 Kilometern und in 27 Etappen an Mosel und Rhein entlang: Seit 2020 gibt es in einem Abschnitt des Saar-Hunsrück-Steigs – im Nationalpark Hunsrück-Hochwald – wilde Übernachtungen auf sieben Plätzen. www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de

Buchtipp:

Buchtipp: Der große Trip von Cheryl Strayed

Mit 26 trifft Cheryl Strayed die folgenreichste Entscheidung ihres Lebens: die mehr als tausend Meilen des Pacific Crest Trail zu wandern – ganz allein, ohne Erfahrungen und mit einem Rucksack auf dem Rücken, den sie „Monster“ nennt. Eine Reise, die Cheryl bis an ihre Grenzen führt. Und darüber hinaus …

Goldmann Verlag ⋅ 9,99 Euro (D)

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Nicht ganz so wild, aber schön: Campen in fremden Gärten

Mit seinem Zelt in den Gärten fremder Leute herzlich willkommen zu sein und so vielleicht Freunde fürs Leben zu finden – mit 1 Nite Tent ist beides möglich. Das Ganze funktioniert wie Couchsurfen – nur draußen und im Zelt. Einfach mal ausprobieren und überraschen lassen!

Inspirationen für besonders tolle Wanderungen gibt’s im Artikel Wandern in Deutschland.

Filmtipp: Into the Wild

Into the wild basiert auf einer wahren Geschichte. In einer nichtlinearen lockeren Episodenfolge zeigt der Film wie sich die Hauptfigur Christopher McCandless nach seinem erfolgreichen Abschluss an der Emory University auf eine Reise zu sich selbst begibt, die ihn zuletzt in die Wildnis Alaskas führt. 

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Tipps für die passende Ausrüstung

Hat man sich für das Abenteuer Wildcamping in der einen oder anderen Form entschieden, stellt sich die Frage nach der richtigen Ausrüstung. Da man ja schon das Zelt mit im Gepäck hat, kommt es darauf an, sich beim sonstigen Equipment aufs Wesentliche zu beschränken. Hier eine Übersicht zur Mindestausstattung:

  1. Leichtgewichtiges Wurfzelt
  2. Ultraleichte Isomatte und Ultraleicht-Schlafsack mit geringem Packmaß
  3. Trecking-Kocher, der in jeden Rucksack passt wie der Primus Firestick, der während des Gebrauchs zudem einen optimalen Windschutz bietet

Mit diesen Expertentipps lässt sich der Rucksack richtig packen.

Der Primus Firestick lässt sich prima transportieren und ist im Handumdrehen einsatzbereit. Foto © Stefan Schütz

Tipp: Aufgrund der Waldbrandgefahr sollte man beim Einsatz von Trecking-Kochern sehr vorsichtig zu Werke gehen und im Zweifelsfall lieber auf Proviant zurückgreifen, der auch kalt gegessen werden kann.

Außerdem benötigt man selbstverständlich Leichtwanderschuhe, die Trittsicherheit mit hohem Tragekomfort verbinden. Solche Modelle gibt es beispielsweise von Hanwag. Um den für sich besten Schuh zu finden, sollte man sich am besten im Fachgeschäft beraten lassen. Ebenso wichtig sind spezielle Wandersocken, die den Fuß zusätzlich unterstützen.

Ein weiteres Muss: die richtige Kleidung! Neben Regenjacke und einer leichten Fleece-Jacke für kühlere Nächte, braucht ihr atmungsaktive Outfits, die ausreichend Bewegungsfreiheit bieten und bequem zu tragen sind. Insbesondere, wenn man weite Strecken zurück legt, dürfen die Klamotten nicht unangenehm auf der Haut kleben. Eine Hose mit Extrataschen, wie die Abisko Midsummer Trousers von Fjällräven, ist zudem praktisch, wenn wichtige Utensilien schnell griffbereit sind.

Im Sommer zudem ein Pluspunkt, wenn die Kleidung vor Insekten schützt. Diverse Anbieter von Outdoor-Mode wie beispielsweise Royal Robbins führen mittlerweile Kollektionen, die so verarbeitet sind, dass Mücken und Krabbeltiere nicht durchkommen. Auch hier lohnt sich ein ausführliches Beratungsgespräch im Fachgeschäft.

Gute Ausrüstung ist wichtig für einen Trip in die Wildnis. Beispielsweise von Fjällraven, Hanwag und Royal Robbins.

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