Viele angehende Eltern hadern mit der großen Windel-Frage: Bekommt unser Baby Stoffwindeln oder Einwegwindeln? Papa und greenLIFESTYLE „Babykorrespondent“ Vincent Hochhausen gibt eine Entscheidungshilfe.

Faktor Umwelt

Im Verlauf seiner Windelkarriere verbraucht ein herkömmliches Baby etwa 4000 bis 5000 Windeln – also eine ganze Menge. Stoffwindeln verbrauchen gar keinen Müll – also ein klarer Fall, sollte man meinen. Eine britische Studie kam jedoch zu dem Schluss, dass die Ökobilanz von Stoff- und Einwegwindeln in etwa vergleichbar sei, weil der Energie- und Wasserverbrauch beim Waschen der Stoffwindeln den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung von Einwegwindeln aufwiege. Stoffwindel-Eltern, die sichergehen wollen, dass sie der Umwelt etwas Gutes tun, sollten ihre Stoffwindeln nicht in den Trockner stecken und nur bei 60 Grad waschen – dann ist ihre Ökobilanz tatsächlich besser.

Fazit: Vorteil Stoffwindeln (wenn man sie richtig nutzt)

Faktor Kosten

Ganz klar, das ist die Königsdisziplin der Stoffwindeln. Auch wenn die Preise für Stoffwindeln stark variieren, muss man schon in einen exorbitanten Kaufrausch geraten oder die Windeln mit Mineralwasser waschen, um pro Baby nicht einige Hundert Euro zu sparen.

Fazit: Vorteil Stoff

Faktor Aufwand

Auch wenn es immer wieder behauptet wird, ist das Wickeln mit Stoffwindeln nicht viel aufwändiger als mit Einwegwindeln. Trotzdem machen sie durch das Waschen und Trocknen eindeutig mehr Arbeit. Auch unterwegs sind sie unpraktischer als Einwegwindeln – zumal viele Leute es als wenig angenehm empfinden, ständig einen Beutel mit vollgesifftem Stoff herumzukutschieren.

Fazit: Vorteil Einweg

Faktor Stil

Zugegeben: Als wenig stilbewusster Vater ist es zunächst nicht ganz klar, welchen Zweck schicke Farben, Muster und Abbildungen ausgerechnet auf einer Windel erfüllen sollen. Dass, modisch gesehen, Stoffwindeln ihren Einweg-Konkurrenten jedoch meilenweit voraus sind, stimmt aber definitiv. Ein weiteres Plus: Stoffwindeln machen einen dicken Babyhintern – und das sieht ehrlich gesagt einfach extrem lustig aus.

Fazit: Vorteil Stoff

Faktor Geruch

Schlechte Nachrichten für alle angehenden Eltern: Zweieinhalb Jahrhunderte nach Einsetzen der Industriellen Revolution gibt es bislang noch keine Möglichkeit zu verhindern, dass Vorrichtungen, die man mit menschlichen Exkrementen befüllt, unangenehm riechen. Unterschiede zwischen Stoff und Einweg sind hierbei Geschmackssache: Der stechende Geruch von vollen Einwegwindeln entsteht durch den Kontakt von Urin und Superabsorber, einem Copolymer aus Acrylsäure und Natriumacrylat, das große Mengen Flüssigkeit aufnehmen kann. Die würzige Note von vollen Stoffwindeln entsteht dagegen auf, naja, traditionellem Weg.

Fazit: Unentschieden

Stoffwindeln versus Wegwerfwindeln: Das Ergebnis

Bei einem so heiklen Thema eine klare Position zu beziehen, ist nicht einfach. Stoffwindeln auszuprobieren schadet aber auf keinen Fall. Sie sind nicht kompliziert zu handhaben, sparen Geld und verursachen keine Müllberge. Gleichzeitig muss man nicht völlig auf Einwegwindeln verzichten: Gerade unterwegs bieten sich Wegwerfwindeln eher an – der Bund für Umwelt und Naturschutz empfiehlt dafür Ökowindeln aus ungebleichtem Zellstoff.

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Illustration: © Doremi / Shutterstock.com