Bei einer schamanischen Sitzung das eigene Krafttier entdecken? Klingt spannend, aber auch ein bisschen zum Schmunzeln, fand unsere Redakteurin Sabina Rahman – bevor sie das Ganze selbst ausprobiert hat.

Fotocredit © Vera Kubeile/Sanna Schaffry
Ich sitze im Bus auf dem Weg zu meiner schamanischen Krafttierreise. Gern hätte ich allen Fahrgästen erzählt, was ich vorhabe – macht man ja schließlich nicht jeden Tag! Meine Gefühlslage: gespannte Vorfreude mit einem Hauch ironischer Zurückhaltung. Esoterik hat sonst so gar keinen Platz in meiner Welt. Weil ich aber Schamanin Vera in einem anderen Kontext als auffällig angenehme und warmherzige Person kennengelernt habe, habe ich genug Vertrauen, um das Experiment trotzdem zu wagen.
In ihrer neuen Praxis angekommen, freue ich mich über die ruhige, schöne Atmosphäre – und über die Tatsache, dass Vera als Schamanin genauso wirkt wie sonst auch. Alles ganz normal, keine Spur von bedächtigem Sprechen oder aufgesetztem Verhalten. Bevor es losgeht, bekomme ich noch eine Erklärung, was mich gleich erwartet:
Nach einer Einstimmung mit Musik und Räuchern wird die Schamanin mich auf eine geführte innere Reise mitnehmen. Ich selbst muss dabei nicht aktiv werden, sondern darf auf einer Liege verweilen. Die Geschichte wird mich an imaginäre Orte führen, an denen ein Krafttier „zu mir kommen“ kann. Dieses soll mich künftig begleiten, mir Mut schenken und mich zu meinen Instinkten und Bedürfnissen zurückführen.
Okay, das Tier suche ich mir also nicht aus, sondern es soll mich finden? Sofort suche ich insgeheim nach einer rationalen Erklärung: Ob sich wohl die meisten Menschen halb bewusst einfach ein Tier auswählen und dann so tun, als sei es umgekehrt gewesen? Schließlich darf ich auf der Liege Platz nehmen, bekomme eine gemütliche Decke übergeworfen, schließe die Augen und versuche mich zu entspannen.
Meditationsreise im Rhythmus schamanischer Trommeln
Vera schlägt einen Rhythmus auf ihrer schamanischen Trommel und räuchert den Raum mit Palo Santo, dem „heiligen Holz“ indigener Völker. Und dann beginnt die Reise in meinem Kopf – begleitet vom leisen, rhythmischen Sound der Trommel. Mit angenehmer Stimme führt mich die Schamanin nun, ähnlich wie bei einer Meditationsreise, durch eine imaginäre Landschaft.
Bilder von Stränden, Gewässern, Wäldern und Bergen entstehen vor meinem inneren Auge. Immer wieder habe ich dabei die Wahl, in welche Richtung ich gehen möchte – auf den Berg, in den Wald oder doch an den Fluss? Die Entscheidung fällt mir leicht: Der Wald war immer schon mein Kraftort. Gerade dort angekommen, stelle ich mir die Bäume und den weichen Boden vor.
Da taucht plötzlich und in aller Deutlichkeit – plopp! – ein kleiner Igel im Laub auf. „Nett“, denke ich, „interessant, was mein Unterbewusstsein so produziert.“ Doch die Reise ist noch jung, und mein Bezug zu Igeln zugegebenermaßen gering. Außerdem: Für welche Kraft könnte das Tier denn schon stehen? „Tapsen Igel nicht nur harmlos im Untergehölz umher und fressen Insekten?“, fördert mein biologisches Halbwissen zutage.
Vielleicht kommt mir ja noch ein anderes Tier in den Sinn, mir schwebt da etwas Majestätisches, Kraftvolles, Durchsetzungsstarkes vor, wie wär’s mit einem Puma oder Löwen? Mein Weg führt mich tiefer in den Wald, ich denke an verschiedene Tiere, aber jedes Mal schiebt sich das Bild des kleinen Igelchens überdeutlich dazwischen.
Es setzt sich auf meine Schulter, in meine Hand. Und nun akzeptiere ich langsam, dass ich mein Krafttier tatsächlich schon gefunden habe. Ich kann kaum fassen, wie eindeutig es in meinem Kopf „aufgeploppt“ ist. Wie ist das möglich? Vera leitet mich an, das Krafttier zu fragen, wieso es zu mir gekommen ist. Ja, das frage ich mich auch!
Der Igel als Krafttier
Geht es darum, auch mal Stacheln zeigen zu dürfen? Sich im Job und privat mehr abzugrenzen? Nein, irgendwie stimmt das noch nicht. Der Igel in meiner Hand kommt mir harmlos vor, wehrlos, mit seinem weichen Bauch und den kurzen Beinchen. Und dann dämmert es mir: Genau darum geht es. Er ist einfach nur da, kann nichts Bestimmtes, ist nicht stark, sondern weich und irgendwie verletzlich.
Er macht gar nichts. Er muss gar nichts. Mir kommen fast die Tränen, als ich verstehe. Nachdem ich wieder „zurückgekehrt“ bin ins Hier und Jetzt, gibt es noch eine kleine Nachbesprechung. Vera liest mir vor, wofür der Igel im Schamanismus steht, was noch einmal eine Bedeutungsebene hinzufügt. Während ich immer noch nicht glauben kann, wie gut die Krafttierreise bei mir funktioniert hat.
Dabei bin ich doch gar nicht empfänglich für „so was“! Aber auch rational betrachtet macht das durchaus Sinn, wie Vera erklärt: Unter den richtigen Voraussetzungen kann einem das Unterbewusstsein mitteilen, was es gerade wirklich braucht. Selbst wenn das vielleicht etwas ganz anderes ist, als man gedacht hätte. Zum Beispiel ein kleiner Igel, der einem zuflüstert: „Du musst nicht noch mehr leisten. Du bist weich und hast kurze Beine – du bist gut genug!“
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem einmaligen Besuch bei einer einzelnen Schamanin und soll keine Empfehlung für schamanische Praktiken im Allgemeinen darstellen, insbesondere nicht als Ersatz für psychotherapeutische oder medizinische Behandlungen.
Zur Person:
Vera Kubeile ist moderne Schamanin und Coachin mit einem breiten Spektrum an schamanischen Behandlungen, Readings, Coachings und Ritualen, die sie in ihren Praxisräumen in München-Schwabing, im oberbayerischen Aßling sowie online anbietet. Eine Krafttierreise vor Ort dauert circa 60 Minuten und kostet 95 Euro.
Weitere Infos:

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