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Gesundheit & Longevity Longevity & gesundes Altern

Hormonfrei verhüten –
aber wie?

Früchte, Verhütung

Immer mehr Menschen möchten nicht mehr hormonell verhüten. Inzwischen gibt es Alternativen. Wie du hormonfrei verhüten kannst, erfährst du hier.

Etwas mehr als 60 Jahre ist es her, dass die Pille in Deutschland auf den Markt kam. Ein verschreibungspflichtiges Me­dikament, das auf das hormonelle Fort­pflanzungssystem wirkt und dadurch eine ungewollte Schwangerschaft verhindert. Für Frauen bedeutete die Antibabypille gerade in Hinblick auf sexuelle Freiheit und körperliche Selbstbestimmung einen großen Fortschritt.

Hormonfrei Verhüten? Heute kein Problem mehr. Foto © Deon Black via unsplash.com

Seit einiger Zeit verliert das Mittel im Vergleich zu hormonfreien Methoden jedoch an Beliebtheit. Zwar sind Pille (47 Prozent) und Kondom (46 Prozent) laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) noch immer die meist verwendeten Verhütungsmittel in Deutschland (Stand 2018). Dennoch zeigte sich im Vergleich zu 2011, dass die Pille an Popularität verlor (Minus sechs Prozent).

Das könnte an der langen Liste möglicher Nebenwirkungen der Pille – und anderer hormoneller Methoden – liegen. Die potenziellen Begleiterscheinun­gen sind vielfältig und reichen von Stim­mungs- oder Gewichtsschwankungen über Veränderungen des Hautbilds bis hin zu fehlender Libido. Zudem ist das Risiko einer Thrombose, die schlimmstenfalls tödlich enden kann, erhöht.

Verhütung ohne Hormone? Das geht.

Alternativen zur Pille und anderen hor­monell wirkenden Produkten gibt es. Zum Beispiel das Kondom, das auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Wie das Diaphragma zählt es zu den Barriere-Methoden: Spermien werden aufgefangen und dringen erst gar nicht so weit vor, um eine Eizelle befruchten zu können. In Kombination damit wenden manche chemische Mittel – sogenannte Sper­mizide – an. Die Cremes, Gels oder Zäpfchen werden in die Scheide eingeführt und töten oder hemmen die Samen.

Hormonfrei verhüten mit Kupferimplantaten

Für bis zu fünf Jahre verhindern Implan­tate mit Kupfer eine Schwangerschaft. Das Metall wird als kurze Kette oder anker­förmige Spirale in den Uterus eingesetzt. Dort werden kleinste Mengen Kupfer abgegeben, die verhindern, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Eine eventuell befruchtete Eizelle kann sich nicht einnisten.

Wer keinen Kinder­wunsch (mehr) hat, kann auch eine Sterilisation in Betracht ziehen. Es wird entweder der Samenleiter bei einem meist am­bulanten Eingriff durchtrennt oder die Eileiter verschlossen, in seltenen Fällen entfernt.

Verhütung geht auch ohne Pillen und Hormone. Foto © Diana Polekhina via unsplash.com

Schwangerschaft planen oder verhindern mit Natürlicher Familienplanung (NFP)

Die wohl älteste Methode, sei es zur Pla­nung oder Vermeidung einer Schwanger­schaft, ist die Natürliche Familienplanung (NFP). Dabei verfolgt und dokumentiert man – am besten mit mehreren Beobachtungsmethoden gleichzeitig – Verlauf und Veränderun­gen während der Zyklen. Mit der Zeit lernt man, sie zu deuten, und erkennt un­terschiedliche Phasen.

Voraussetzung ist, dass keine Hormone, Medikamente oder andere Faktoren Einfluss nehmen. Außerdem ist es wichtig, sich mit dem eige­nen Körper auseinanderzusetzen. Soll die NFP eine Schwangerschaft verhindern, gilt es, während der fruchtbaren Tage entwe­der zu verzichten oder zusätzlich mit einer Barriere-Methode zu verhüten. Zusätzliche Maßnahmen sind insbesondere während der ersten vier Monate der Dokumentation und bei kleinsten Abweichungen nötig.

Kalender können bei der hormonfreien Verhütung helfen. Foto © Eric Rothermel via unsplash.com

NFP – so funktioniert’s

Für zuverlässige Aussagen über die frucht­baren Tage werden die Kalendermethode, Temperaturmessen und die Beobachtung des Zervixschleims angewendet.

  • Mitzählen – die Kalendermethode

Meist pendelt sich die Zykluslänge bei 28 bis 35 Tagen ein. Die Lutealphase nach dem Ei­sprung dauert etwa 14 Tage und weicht nur selten davon ab. Die Follikelphase, in der eine Befruchtung möglich ist, kann in ihrer Länge variieren. Die Kalendermethode, also das Zählen der Tage, ist damit ein Indikator, um die Phasen und den Eisprung ungefähr vorherzusagen.

  • Temperatur messen

Ein weiterer Indikator ist das tägliche Messen der Temperatur unmittelbar nach dem Aufwa­chen. In der ersten Hälfte des Zyklus liegt sie konstant bei etwa 36,5 °C, mit dem Eisprung steigt sie um mindes­tens zwei Zehntel an. Eine zuverlässige Vorhersage kann so zwar nicht getroffen, aber Muster erkannt werden. Zu beachten ist: Unmittelbar nach dem Erwachen soll für drei Minuten die Tempe­ratur vaginal oder rektal gemessen werden. Um die teils minimalen Veränderungen er­fassen zu können, muss das Thermometer mindestens zwei Stellen nach dem Komma anzeigen.



Tipp

So­genannte Femtech- oder Zyklus-Computer gestalten das Messen angenehmer, weniger aufwendig und helfen, relevante Werte zu erfassen. Meist sind diese Helfer mit Apps auf dem Handy verknüpft, welche die Kalen­dermethode integrieren, die Daten auswerten und übersichtlich darstellen. Die Temperatur messen die Produkte entweder vaginal, über das Handgelenk oder oral.



  • Zervixschleim untersuchen

Der dritte Indikator ist der Zervixschleim. Er wird am Gebärmutterhals gebildet und verändert seine Konsistenz im Laufe des Zyklus. Mit der täglichen Hygieneroutine kann er meist aufgefangen und betrachtet werden. Unmittelbar nach der Menstruation ist er kaum wahrnehmbar. Anfangs ist er eher fest und milchig-trüb. Je näher der Eisprung kommt, desto klarer wird er. Die Konsistenz verändert sich von klebrig und fadenziehend bis hin zu flüssig. Die Beschaffenheit erkennt man am besten, wenn man das Sekret zwischen Zeigefinger und Daumen reibt beziehungsweise aus­einanderzieht. Während des Eisprungs ist tendenziell mehr Zervixschleim vorhanden. Er ist eher flüssig und wirkt durchlässig.

Kondome sind nur eine von vielen hormonfreien Verhütungsmöglichkeiten. Foto © Deon Black via unsplash.com

Wie verlässlich ist hormonfreies Verhüten?

Zum Vergleich von Verhütungsmethoden wurde der Pearl-Index entwickelt. Er sagt aus, wie viele von 100 Frauen in einem Zeitraum von einem Jahr bei der Anwendung einer Methode schwan­ger wurden. Je näher der Wert an null liegt, desto sicherer ist die Art der Verhütung. Voraussetzung ist: Die Methode der Wahl wird korrekt angewendet.

Wer­den innerhalb eines Jahres zwei von 100 Frauen schwanger, liegt der Pearl-Index bei zwei. Bei einem Wert von beispielsweise 0,5 hat bei fünf von 1000 Frauen eine Be­fruchtung trotz Verhütung stattgefunden. Nach Angaben des Vereins Pro Familia liegt der Pearl-Index der Pille bei 0,1 bis 0,9. Die Minipille erhält einen Wert von 0,5 bis drei. Das Kondom liegt bei zwei bis zwölf. Der Wert für die Symptothermale Methode – das Beobachten und Dokumentieren von Körpersignalen – hat einen Pearl-Index von 0,4. Voraussetzung ist Enthalt­samkeit während der fruchtbaren Tage. Wer in dieser Zeit verkehrt und beispielsweise mit Kondom verhütet, hat dann auch dessen Sicherheit.

Welche Verhütungsmethode passt?

Ein Richtig oder Falsch bei der Wahl des Verhütungsmittels gibt es nicht. Viele individuelle Faktoren – aktuelle Lebenssituation, Gesundheit, Verträglichkeit und Umsetz­barkeit – müssen bedacht werden. Ebenso wichtig ist, dass man sich mit der Methode wohlfühlt und darauf vertraut. Dafür sollte man sich mit den Vorgängen im Körper, mit den Wirkweisen und der Sicherheit der Optionen intensiv ausei­nandersetzen. Helfen können dabei eine fachärztliche Beratung und Fachliteratur.

Quellen:

 Mailab, Mai Thi Nguyen-Kim: Die Pille wissenschaftlich geprüft; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Pro Familia; Daysy

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