Mikroplastik ist überall und leider ist Mikroplastik im Körper auch keine Seltenheit. Wie uns die kleinen Teilchen aus Kunststoff schaden und wie wir Plastik vermeiden können:

Text Dimitri Rutansky

Den großen pazifischen Müllstrudel entdeckte 1997 Charles Moore, ein US-amerikanischer Meeresforscher. Rund 80 000 Tonnen treiben im Ozean auf einer Fläche die Schätzungen zufolge dreimal so groß wie Frankreich ist. Die Strömungen tragen den Müll an dieser sowie an weiteren Stellen der Weltmeere zusammen. Dort bilden sich riesige Teppiche aus Plastikmüll, die zudem in die Tiefe reichen. Ebenso, wie die Strömungen feine Partikel von Gesteinen und Korallen abtragen und letztlich als Sand an die Strände tragen, zerreibt auch der Müll nach und nach zu kleinen Teilchen.

Abenddämmerung an einem Gewässer mit Palme und viel Plastikmüll am Ufer.

Plastikmüll zerstört Ökosysteme und Mikroplastik im Körper ist inzwischen auch ein Thema. In den Weltmeeren treiben mehrere Strudel, die größer als Deutschland sind. Foto © Mohit Parashar via Pexels

Mikroplastik ist mittlerweile allgegenwärtig. Über verschiedene Wege reichert sich Mikroplastik im Körper an: Über Lebensmittel, mit dem Trinkwasser und kleinste Partikel sogar über die Luft, die wir atmen. Durchschnittlich nimmt der Mensch in der Woche etwa fünf Gramm Mikroplastik zu sich, wie eine Untersuchung des WWF ergeben hat. Das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Was Mikroplastik ist

Als Mikroplastik bezeichnet man Plastikteilchen mit einem Durchmesser von bis zu fünf Millimetern. Sie sind fest, biologisch nicht abbaubar und unlöslich. Unterschieden wird außerdem in primäres Mikroplastik Typ A, primäres Mikroplastik Typ B und sekundäres Mikroplastik. Typ A wird von der Industrie bereits so klein hergestellt, damit es einen bestimmten Nutzen erfüllen kann – beispielsweise in Kosmetika. Typ B entsteht bei der vorgesehenen Nutzung, beispielsweise bei Autoreifen. Werden sie entsprechend ihrem Zweck genutzt, reiben sich feine Partikel ab und bleiben als Mikroplastik in der Umwelt. Sekundäres Mikroplastik entsteht ebenfalls durch Abrieb sowie durch weitere Einflüsse von außen. Jedoch sind es dann Verwitterungsprozesse, die nach dem eigentlichen Nutzen auf die Kunststoffe einwirken, Partikel lösen und in die Umgebung tragen.

Wo kommt Mikroplastik her?

Die Müllstrudel sind nicht die alleinigen Quellen für umweltbelastendes Mikroplastik. Plastik ist allgegenwärtig – von der Lebensmittelverpackungen über Haushaltsgegenstände bis hin zu verbauten Teilen in Autos, Zügen oder Flugzeugen. Bereits beim Gehen reibt sich Mikroplastik von der Schuhsohle. Manche Teilchen werden für einen bestimmten Zweck so klein hergestellt, andere entstehen mit der Zeit, indem sie sich von größeren Kunststoffartikeln lösen.

Violettes Glitzer in Nahaufnahme symbolisch für Mikroplastik, das sehr klein ist.

Mikroplastik sind Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Foto © Sharon McCutcheon via Pexels

Plastik und damit Mikroplastik komplett aus dem eigenen Alltag zu verbannen, ist nicht einfach. Es versteckt sich in vielen Produkten des täglichen Gebrauchs – ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen. Einige davon sind für eine häufige Nutzung und zumindest eine längere Lebensdauer hergestellt, andere landen nach nur kurzem Einsatz im Müll.

Wie wirkt Mikroplastik im Körper?

Die Langzeitfolgen von Mikroplastik im Körper sind noch nicht ausreichend untersucht. Dennoch stehen die Zeichen in Bezug auf die Gesundheit tendenziell auf Entwarnung: „Mikroplastik in Lebensmitteln beunruhigt über die Hälfte der Befragten. Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist es allerdings unwahrscheinlich, dass von den Plastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen“, erklärt der Präsident des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Pressemeldung zu den Ergebnissen einer Verbraucherbefragung im April 2021.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt in einem Bericht über Mikroplastik im Trinkwasser zu einem ähnlichen Ergebnis: Es gibt kaum zuverlässige Informationen, die eine toxische Wirkung auf den Körper bekräftigen. Allerdings gibt es derzeit insgesamt nur wenige Erkenntnisse zu Mikroplastik im Körper. Insbesondere die Größe der Partikel ist bei der Einschätzung wichtig. Teilchen ab einer Größe von etwa 150 Mikrometern (= 0,15 Millimeter) werden vom Körper nicht aufgenommen, sondern ausgeschieden. Auch kleinere Partikel sollen durch Mechanismen des Körpers ausgeschieden werden können.

Glaskugel auf Glitzerpartikelchen, die sich in der Kugel spiegeln, symbolisieren Miroplastik in unserer Umwelt.

Mikroplastik im Körper wurde bereits gefunden; Foto © Anni Roenkae via Pexels

Allerdings gleichen sich nicht alle Partikel. Kunststoffe setzen sich aus unterschiedlichen Substanzen zusammen, sodass sie bestimmte Eigenschaften erhalten: elastisch oder stabil, transparent oder blickdicht, geschmacksneutral, isolierend, lichtbeständig und mehr. Immer wieder in der Kritik stehen sogenannte Weichmacher oder Phtalate. Wie der Name bereits verrät, verleihen sie Kunststoffen Flexibilität oder machen sie biegsam. Sie können der Gesundheit schaden. Nieren, Hoden oder Leber können angegriffen, die Fortpflanzung beeinträchtigt werden. Da Phtalat-Weichmacher nicht fest an den Kunststoff gebunden sind, gelangen sie leicht in die Umwelt und Mikroplastik im Körper ist dadurch keine Seltenheit mehr.

Weniger Mikroplastik im Körper und Alltag

Offensichtliches Plastik lässt sich einfach vermeiden: In immer mehr Supermärkten werden bereits Verpackungsalternativen ohne Plastik angeboten. So manche unnötige Verpackung – beispielsweise bei Obst und Gemüse – wird bereits ganz weggelassen. Getränke in Glas- statt PET-Flaschen, Stoffbeutel statt Plastiktüte – wer seine Aufmerksamkeit erstmal auf das vermeidbare Plastik gelenkt hat, findet immer mehr Möglichkeiten.

In jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile so genannte Unverpackt-Läden, die das plastikfreie Einkaufen zudem erleichtern. Lebensmittel und Haushaltswaren können dort in gewünschter Menge in mitgebrachte oder geliehene Mehrwegbehälter abgefüllt werden. Ein Vorteil: Es ist möglich Mikroplastik im Körper zu reduzieren oder zu vermeiden.

Zwei junge Mädchen sitzen auf einem Bett mit vielen Kissen und genießen ihen Beauty-Tag mit Gesichtsmaske und Haarkur.

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Weniger offensichtliches Plastik und Kunststoffe im Allgemeinen zu vermeiden, erfordert etwas mehr Mühe. Eine Recherche zu den Inhaltsstoffen erfordert anfangs Zeit. Nach und nach erkennt man bedenkliche Substanzen mit nur einem Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe. Noch einfacher geht es beispielsweise mit der Smartphone-Anwendung Codechek für iOS und Android. Sie zeigt mit dem Scan des Barcodes schnell ein, welche Inhaltsstoffe als bedenklich eingestuft werden und gibt zu den Hintergründen Infos.

Ob Frischhaltedosen aus Kunststoff bedenklich sind, kann pauschal nicht beantwortet werden. Sie Zusammensetzung der Plastikboxen variiert von Hersteller zu Hersteller. Nähere Informationen kann man bei Herstellern direkt erfragen. Im Zweifel ist es beim Thema Mikroplastik im Körper sicherer, die Kunststoffboxen nicht für Lebensmittel zu verwenden. Stattdessen sollten besser Behälter aus Glas verwendet werden.

Fazit: Mikroplastik und Kunststoffe belasten die Umwelt

Plastik ist überall, manchmal offensichtlich – manchmal versteckt. Riesige Müllberge und im Ozean treibendes Plastik verschmutzen die Umwelt und belasten verschiedene Ökosysteme. Der Kunststoffabfall ist biologisch nicht abbaubar. Stattdessen wird er durch äußerliche Einflüsse wie Reibung in immer kleinere Teile zersetzt. Von Mikroplastik ist die Rede bei Teilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Davon gibt es so viel, dass sie bereits in tierischen und menschlichen Oragnismen nachgewiesen sind. Mikroplastik selbst ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht gesundheitsgefährdend, weil es wieder ausgeschieden wird. Jedoch kann das Plastik lösliche Substanzen enthalten, die als bedenklich eingestuft sind. Um sicher zu gehen und die Ökosysteme zu schützen, sollte Plastik in allen Formen so gut es geht vermieden werden.

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Foto von Dimitri Rutansky in einem schwarzen Rollkragenpullover in einem Fitness-Raum.

Dimitri Rutansky ist TÜV-geprüfter Personal Trainer in Stuttgart. Zu einem gesunden Lebensstil zählen für ihn nicht nur Sport und eine ausgewogene Ernährung, sondern ebenso ein Bewusstsein für Einflüsse aus der Umwelt. Deswegen fördert er bei seinen Klienten und Klientinnen zusätzlich zur körperlichen Fitness auch einen bewussten Lebensstil.