Tropische Hitze, glasklare Seen und exotische Pflanzen – das ist die klassische Vorstellung eines Urwalds. Riesige Bäume, geheimnisvolle Geräusche und eine Vielfalt an Tieren, die man kaum überblicken kann. Doch stellt sich die Frage: Urwald in Europa, gibt es so etwas eigentlich auch bei uns, oder müssen wir dafür in ferne Länder reisen?

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Selbst wenn das Ganze hierzulande nicht allzu viel mit dem Dschungelbuch zu tun hat, gibt es in Deutschland, Polen, Tschechien & Co. einige Wälder, die über Jahrhunderte hinweg ohne menschlichen Einfluss gewachsen sind und in ein atemberaubendes Abenteuer entführen.

Weniger Sommerhitze, aber garantiert genauso viel Paradies. Um herauszufinden, welche Nationalparks die schönsten (Ur-)Wälder beherbergen und wie sie am besten erkundet werden können, haben sich die Reiseexperten von Travelcircus einige zauberhafte Orte herausgepickt und genauer angesehen.

Białowieża-Nationalpark (Polen/Belarus)

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An der polnisch-belarussischen Grenze, rund dreieinhalb Autostunden östlich von Warschau, liegt der Nationalpark Białowieża. Er wurde 1932 als erster Nationalpark Polens gegründet und gilt als letzter Tiefland-Urwald Europas. Der polnische Teil gehört bereits seit 1979 zum UNESCO-Weltnaturerbe, der belarussische seit 1992.

Der Nationalpark ist Rückzugsort für etwa 12 000 Tierarten – unter anderem für das Europäische Bison, auch Wisent genannt. Darüber hinaus konnten bisher unglaubliche 3500 Pilz- sowie 5500 Pflanzenarten nachgewiesen werden. Ein wahres Paradies der Artenvielfalt!

Auf polnischer Seite erstreckt sich der Nationalpark auf einer Fläche von 105,17 Quadratkilomern, von denen 47,16 Quadratkilometer unter besonderem Schutz stehen. Doch keine Sorge: Das strenge Schutzgebiet kann trotzdem erkundet werden – zumindest in Teilen: Es gibt festgelegte Routen und ausgewiesene Pfade, die von Touristen im Rahmen lizenzierter Führungen bestaunt werden können. Viele Abschnitte des Waldes sind jedoch vollständig unzugänglich oder Forschenden vorbehalten.

Nationalpark Plitvicer Seen (Kroatien)

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Die smaragdgrünen Plitvicer Seen sind nicht nur Kroatiens größter, sondern auch der älteste Nationalpark Südosteuropas. Sie befinden sich in der Bergregion Kroatiens zwischen den Gebirgsketten Mala Kapela im Westen und Nordwesten sowie Lička Plješivica im Südosten. Die Plitvicer Seen bestehen aus 16 namentlich erwähnten sowie einigen kleineren, kaskadenförmig angeordneten Seen, die durch Wasserfälle miteinander verbunden sind.

1979 wurden sie als eines der ersten Naturdenkmäler weltweit in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen. Obwohl die Plitvicer Seen den interessantesten sowie bekanntesten Teil des Parks darstellen, nehmen sie insgesamt nur etwa ein Prozent der Gesamtfläche des Nationalparks ein.

Der Park hält sieben verschiedene Besichtigungsrouten mit zahlreichen Wanderwegen und Aussichtsplattformen bereit. Neben dem Seensystem lassen sich außerdem vier beeindruckende Bergpfade in fast unberührter Natur erkunden.

Nationalpark Sutjeska und Perućica-Urwald (Bosnien und Herzegowina)

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Im Südosten von Bosnien und Herzegowina, fast schon an der Grenze zu Montenegro, befindet sich der Nationalpark Sutjeska (bosnisch Nacionalni park Sutjeska). Er ist der älteste Nationalpark des Landes und beherbergt unter anderem einen der letzten Urwälder der warmgemäßigten Zone Europas: den Perućica-Urwald.

Tiefe Täler, glasklare Bergseen und dichte Waldkomplexe, wohin das Auge reicht – ein Besuch des Sutjeska-Nationalparks ist ein Muss für alle Naturliebhaber. Das Alter des Nationalparks wird auf unfassbare 20 000 Jahre geschätzt. Kein Wunder also, dass er zum streng geschützten Naturreservat erklärt wurde und zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört.

Um die unberührte Natur auch weiterhin vor äußeren Einflüssen zu schützen, sind Besuche und Touren lediglich im Rahmen lizenzierter Führungen möglich. Dennoch wird einiges geboten: Von mehrtägigen Wanderungen über Bergbesteigungen bis hin zu Canyoning in Flussschluchten – hier findet definitiv jeder sein persönliches Abenteuer.

Biosphärenreservat Šumava (Böhmerwald, Tschechien)

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Im Südwesten Tschechiens im Böhmerwald befindet sich das Biosphärenreservat Šumava. Es umfasst sowohl den Nationalpark als auch das Landschaftsschutzgebiet Šumava und stellt damit eines der artenreichsten Schutzgebiete Mitteleuropas dar. Ganz besonders beeindruckend: das Naturreservat Boubínský, der größte ursprüngliche Wald Mitteleuropas.

Verflochtene Wurzeln, 300 bis 400 Jahre alte Bäume und wilde Natur – da die Holznutzung durch den Menschen aufgrund der unmittelbaren Lage am 1362 Meter hohen Berg Boubín kaum möglich war, konnte der Urwald nahezu uneingeschränkt vor sich hinwachsen. Entstanden ist er übrigens durch einen Sturm, der im Januar 1724 großen Schaden im Böhmerwald verursachte. Für wissbegierige Abenteurer führt um den umzäunten Kern des Urwalds ein spannender Rundlehrpfad, Boubínský prales, dessen Ausgangspunkt der See Boubínské jezírko ist.

Rothwald, Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal (Kalkalpen, Niederösterreich)

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Westlich von Maria Zell an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark liegt das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal. Es ist Heimat einer Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten sowie eines ganz besonderen Stücks unberührter Natur: des Rothwalds. Er erstreckt sich über 40 Quadratkilometer, von denen etwa vier Quadratkilometer seinen ursprünglichsten Teil, den Urwald Rothwald, ausmachen.

Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal ist seit 2002 als Naturschutzgebiet deklariert und wurde 2017 sogar gemeinsam mit dem Urwald Rothwald sowie weiteren Wäldern zum „UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ ernannt. Damit gilt es als einziges Gebiet seiner Art, das in Österreich von der UNESCO auf diese Art ausgezeichnet wurde. Nachdem bereits 1875 die forstliche Nutzung des Wildnisgebiets verboten wurde, ist es Touristen bis heute nur auf ausgewählten Wegen möglich, die beeindruckende Natur zu bestaunen und zu erkunden.

Vilm (Ostsee, Deutschland)

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Beeindruckende Steilküsten, traumhafte Buchten, satte Wiesen und idyllische Wälder – die etwa 94 Hektar große Ostseeinsel Vilm begeistert mit einer einmaligen Flora und Fauna. Sie gehört zur Stadt Putbus auf Rügen und wird durch drei Inselkerne definiert: Kleiner Vilm, Mittelvilm und Großer Vilm. Die Insel ist seit 1990 eine der Kernzonen des Biosphärenreservates Südost-Rügen und beherbergt über 21 Baumarten, von denen so manche bereits das 16. Jahrhundert miterlebt haben sollen.

Um das eindrucksvolle Inselparadies zu schützen, ist das Betreten heute lediglich im Rahmen einer anmeldepflichtigen geführten Exkursion möglich. Wer einen Blick auf alte Tourismuskarten der DDR wirft, wird die Insel Vilm nicht finden. Offiziell war die Insel zu diesem Zeitpunkt nämlich ein gesperrtes Schutzgebiet für die empfindliche Natur – inoffiziell diente sie als privater Urlaubsort für hohe DDR-Funktionäre wie Erich Honecker, Erich Mielke oder Walter Ulbricht.  So ging 1967 bei der Putbusser Druckerei der Auftrag ein, die Insel aus allen Landkarten zu streichen.

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