Kiefernnadel, bulgarische Rose oder Nanaminze: Jeder kennt sie, die kleinen dunklen Fläschchen mit den vielversprechenden Aufschriften aus Reformhaus und Biomarkt. Aber was genau können ätherische Öle eigentlich, außer gut zu riechen? Und wie werden sie überhaupt gewonnen?

Die duftenden Wirkstoffe aus der Natur werden in den Öldrüsen von Pflanzen – beispielsweise in den Blüten, Blättern, Samen oder Wurzeln – gebildet, um Schädlinge fernzuhalten oder bestäubungswillige Insekten anzulocken sowie sich vor Krankheiten zu schützen.

Aromaöl

Ätherische Öle duften nicht nur, sie tun auch gut; Foto © Priscilla du Preez via unsplash.com

Wie ätherische Öle angewendet werden

Mithilfe von Verfahren wie Wasserdampfdestillation, Extraktion oder Kaltpressung landen die wertvollen Tropfen ätherischer Öle schließlich in den wohlbekannten Fläschchen. Von da an gibt es zahllose Möglichkeiten, wie wir uns ihre Wirkkraft – auch in der Naturheilkunde – zunutze machen können: Um ganze Räume zu beduften oder die Luftqualität zu verbessern, wandern Lavendel, Grapefruit, Lemongrass und Co. auf einen Duftstein oder ins Duftlämpchen, in einen elektrischen Aromadiffuser oder einen Duftbrunnen. Ist direkter Hautkontakt mit den edlen Essenzen angezeigt, stehen sie als Badezusatz für Voll- und Teilbäder, im Saunaaufguss, als Kompresse, Roll-on oder, vermengt mit neutralen Hautpflegeölen, zur Massage und als Kosmetikum zur Verfügung. Manche Sorten ätherischer Öle eignen sich in geringer Dosierung auch zur innerlichen Anwendung beziehungsweise zur Zubereitung von Speisen.

In welcher Form auch immer wir ätherische Öle nutzen: Ihr faszinierendes Wirkspektrum können sie gleichermaßen auf körperlicher wie auf psychischer Ebene entwickeln. Viele dieser Effekte wurden mittlerweile durch Studien auf eine wissenschaftliche Basis gestellt, wohingegen andere (noch) nicht methodisch untermauert werden konnten. Klar ist jedoch, dass die ganzheitlich wirkenden ätherischen Öle vom Menschen schon seit Jahrtausenden erfolgreich bei allerlei körperlichen sowie seelischen Bedürfnissen eingesetzt werden. Also (k)ein kleiner Hauch von Nichts, den wir hier vor der Nase haben!

Ätherische Öle enthalten zum Beispiel Lavendel oder Rose; Foto © Madeleine Steinbach via shutterstock.com

Vorsicht bei der Anwendung

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Essenzen und sollten mit wenigen Ausnahmen nur verdünnt angewendet werden. Wichtig ist hierbei die sparsame Dosierung, zu der es auf dem jeweiligen Etikett meist eine genaue Empfehlung gibt.

Sie sind – wie der Name schon sagt – ätherisch, also im Gegensatz zu fetten Ölen bei Luftkontakt sehr flüchtig. Fläschchen daher immer gut verschließen!

Bei der Anwendung sollte Augenkontakt stets vermieden werden. Um mögliche Allergien auszuschließen, sollte das Öl vor der Anwendung an einer kleinen Hautstelle in der Armbeuge getestet werden.

Nicht alle ätherischen Öle können bei Säuglingen und Kindern angewendet werden. Am besten bei Herstellern informieren oder Produkte kaufen, die speziell für Kinder ausgewiesen sind.

Auch in der Schwangerschaft sind nicht alle Anwendungen geeignet. Informiere dich bei Arzt oder Hebamme oder kaufe speziell ausgewiesene Produkte!

Es gibt zahlreiche synthetisch hergestellte, günstige Pflanzenduftstoffe, doch nur 100 Prozent naturreine ätherische Öle entfalten die volle Wirkung.

Tipps zum Kauf von ätherischen Ölen

Diese Angaben sollten auf dem Etikett eines hochwertigen ätherischen Öls zu finden sein:

  • Botanischer Name
  • Herkunftsland
  • Verwendeter Pflanzenteil

  • Anbaumethode, Gewinnungsverfahren

  • Angabe „100 % naturrein“

  • Qualitäts-Zertifizierung unabhängiger Prüfstellen (z. B. kbA, Demeter, Fair Wild)
  • Liste der Inhaltsstoffe / INCI
  • Angabe eventueller Verdünnung

  • Füllmenge, Chargennummer
  • Gesetzlich vorgeschriebene Deklaration als Kosmetikum, Bedarfsgegenstand oder Lebensmittel

  • Kontakt des Herstellers

Im Experten-Interview

Foto © Sandra Brunner / Primavera Life GmbH

Alisa Leube, Aromaexpertin, Buchautorin & Texterin

Worauf sollte man beim Kauf von ätherischen Ölen achten?

Ätherische Öle, fette Pflanzenöle und Pflanzenwässer sind in unterschiedlichen Qualitäten und Preisgefügen erhältlich, weshalb beim Produktkauf unbedingt auf bestimmte Qualitätsmerkmale geachtet werden sollte. Anbaustandort, Klima, Bodenqualität, Saatgut, Anbaumethode sowie fachkundige Ernte- und Gewinnungsverfahren sind entscheidende Faktoren für die spätere Wertigkeit und Heilwirkung des Produktes. Durch kontrollierte Wildsammlung (z. B. Fair Wild), kontrolliert biologischen Anbau (kbA) oder biologisch-dynamischen Anbau (z. B. Demeter) wird die bestmögliche Qualität erzielt. Neben hochwertigen ätherischen Ölen aus nachhaltigem Anbau sind Erzeugnisse aus konventionellem Anbau erhältlich, die eventuell in Massenproduktion und ohne Rücksicht auf Umwelt oder fairen Handel hergestellt werden. Insbesondere in der Gruppe der Zitrusschalenöle können konventionell produzierte Öle stark belastet sein. Synthetische oder „naturidentische“ Öle sollten nicht verwendet werden, da ihre inhaltsstoffliche Zusammensetzung im Labor erzeugt oder angepasst wurde.

Woran erkennt man naturreine ätherische Öle?

Ein naturreines ätherisches Öl stammt zu 100 Prozent aus der jeweiligen Stammpflanze, deren botanische Bezeichnung eindeutig identifiziert sein muss. Es ist naturbelassen und nicht verändert, das heißt, das Öl enthält keine Zusätze. Naturreine Öle sind weder mit Fraktionen anderer, billigerer natürlicher Öle gestreckt noch mit synthetischen oder naturidentischen Stoffen verfälscht oder standardisiert. Es handelt sich um ein Vielstoffgemisch, das aus bis zu 500 verschiedenen Inhaltsstoffen besteht. Das ist der Hauptgrund, warum es bis heute nicht gelingt, ein ätherisches Öl in seiner Gesamtheit synthetisch nachzubauen.

Kräuter

 Foto © Nordwood Themes via unsplash.com

Welche Wirkung eines ätherischen Öls beeindruckt Sie am meisten?

Ich finde es manchmal fast unglaublich, dass ein einziges ätherisches Öl auf so vielen unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig eine beachtliche Wirkung zeigen kann. Um ein klassisches Beispiel zu geben, habe ich meistens ein Fläschchen Lavendel fein in meiner Tasche dabei. Es ist mein Erste-Hilfe-Öl bei allerlei kleinen Verletzungen oder Hautbeschwerden, hat aber gleichzeitig sehr entspannende Eigenschaften und landet häufig zum Einschlafen auf meinem Kopfkissen. Auf psychischer Ebene wirkt es außerdem ausgleichend und beruhigend bei Stress oder Ängsten, während es auf körperlicher Ebene auch bei Juckreiz, Blasenentzündung, Fieber oder hohem Blutdruck eingesetzt werden kann. Die Liste ist lang.

Welche No-Gos oder Einschränkungen gibt es bei der Anwendung?

Ätherische Öle sind hochpotente Pflanzenstoffe, mit denen wir durchaus achtsam umgehen sollten. Für die Dosierung gilt grundsätzlich: Weniger ist mehr. In der Hautanwendung ist die wichtigste Grundregel, dass ätherische Öle unbedingt mit einem fetten Pflanzenöl oder einem Pflanzenwasser verdünnt werden sollten. Es gibt einige Ausnahmen, beispielsweise die ätherischen Öle Lavendel fein, Pfefferminze und Teebaum, die punktuell pur auf die Haut aufgetragen werden können. Hierbei sollte man sich allerdings stets an fachkundiger Anleitung orientieren. Wenn man zu empfindlicher Haut oder Allergien neigt, kann man auch zur Sicherheit einen kleinen Verträglichkeitstest durchführen. Dazu mischt man ein bis zwei Tropfen des jeweiligen ätherischen Öls in einem Esslöffel Pflanzenöl, zum Beispiel Mandelöl, und trägt es in der Armbeuge auf. Wenn nach 15-20 Minuten keine Reaktion auftritt, kann das Öl auch für großflächige Körperanwendungen genutzt werden.

Zur Raumbeduftung sind schon drei bis fünf Tropfen einer Duftmischung ausreichend. Es empfiehlt sich, Räume intervallweise zu beduften und zwischendurch regelmäßig zu lüften, da nach 20 Minuten eine Geruchsgewöhnung eintritt, der Duft aber noch genauso intensiv gegenwärtig ist. Sollten sich Kleinkinder oder Haustiere im Raum aufhalten, sollte außerdem auf eine geringe Dosierung geachtet werden, da sie Düfte intensiver wahrnehmen als Erwachsene. Vorsicht gilt außerdem für Schwangere und Säuglinge, bei denen manche ätherische Öle unerwünschte Reaktionen auslösen können. Bei Neugeborenen sollte daher in den ersten sechs Monaten weitgehend auf Raumdüfte und Körperanwendungen – auch bei den Erwachsenen – mit ätherischen Ölen verzichtet werden. Ab sechs Monaten kann dann wieder vorsichtig beduftet werden und in zurückhaltender Dosierung (0,25 %) auch ätherisches Öl ins Pflanzenöl gemischt werden. Eine der wichtigsten Grundregeln ist außerdem, dass wir einen Duft gerne riechen sollten, um ihn anzuwenden. Je nach Situation und Gemütszustand verändert unsere Nase ihre Vorlieben und weiß immer genau, was uns in diesem Moment guttut.

Foto © Nastyaofly via shutterstock.com

Welche ätherischen Öle sind für Kinder geeignet – und welche nicht?

Kinder lieben Düfte! Sie reagieren meist schon auf sehr feine Düfte im Raum und wissen sofort, ob sie einen Duft mögen oder nicht. Hier gilt ebenso: Die Kindernase sucht sich genau den richtigen Duft, der dem Kind gerade guttut. Häufig lieben Kinder die spritzigen Zitrusdüfte und die beliebten Kuscheldüfte wie Vanille oder Benzoe Siam. Es gibt wenige ätherische Öle, die zu intensiv für Kinder unter sechs Jahren sind und vermieden werden sollten, wie zum Beispiel die beliebten Erkältungsöle Thymian thymol und Eukalyptus globulus. Als Ersatzöle für Kleinkinder in der Erkältungszeit eignen sich ideal die sanfteren Öle Cajeput oder Thymian linalool. Bei Hautanwendungen sollte je nach Alter entsprechend achtsam dosiert werden. Außerdem gibt es tolle Produkte, die speziell für Kinder entwickelt wurden.

Was ist Ihre persönliche Lieblings-Anwendung?

Neben meiner ätherischen Reiseapotheke, die ich immer bei mir habe, bin ich ein großer Fan von Aromabädern. Besonders im Winter zelebriere ich das Baden gerne als ausgiebiges Selbstliebe-Ritual. Dazu mische ich mir acht bis zwölf Tropfen ätherisches Öl mit einem Esslöffel Pflanzenöl in ein Schälchen Sahne und gebe die Mischung in das einlaufende Badewasser. Für sinnliche Entspannung eignen sich dafür ausgleichende ätherische Öle wie Rose, Rosengeranie, Jasmin oder Ylang-Ylang. Als sinnliche Basisnote kann noch ein wenig, das heißt ein bis zwei Tropfen, Zeder, Vetiver oder Patchouli ergänzt werden.

Lieblingsrezept für ein Aromabad

  • 3 EL Emulgator (Sahne, Kokosmilch, Honig oder Meersalz)

  • 1 EL Mandelöl

  • 5 Tropfen Orange

  • 5 Tropfen Rosengeranie

  • 2 Tropfen Vetiver

Badewanne

Ein Bad mit ätherischen Ölen kann entspannen; Foto © Maddi Bazzocco via unsplash.com

So wirken ätherische Öle

Wir stellen einige Klassiker unter den ätherischen Ölen vor – und welche Wirkungen ihnen nachgesagt werden.

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Lavendel wird seit Jahrhunderten zur Beruhigung und Entspannung eingesetzt, hilft bei Schlafstörungen, Stress oder Ängsten, pflegt und regeneriert die Haut, entzündungshemmende und krampflösende Wirkung
Rose hautpflegend bei Rötungen und Reizungen dank regenerierender und entzündungshemmender Eigenschaften, harmonisierender, sinnlicher und beruhigender Effekt auf die Psyche, löst Verkrampfungen, wird aufgrund ihrer herzöffnenden und tröstenden Eigenschaften zur Sterbehilfe bzw. bei Trauer eingesetzt
Pfefferminze gehört in jede ätherische Hausapotheke, lindert Unwohlsein und Übelkeit, hilft bei Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden sowie Erkältungen, fördert die Konzentrationsfähigkeit und verleiht neuen Schwung
Teebaum beliebt zur Behandlung von Hautkrankheiten aufgrund antibakterieller, antiviraler und antifungaler Wirkkraft, wird bei Akne, Pilzerkrankungen oder Neurodermitis; Insektenstichen; in Mund- und Kopfhautpflege; bei Halsschmerzen, Husten und Heiserkeit eingesetzt
Bergamotte hilft bei Anspannung und schenkt Gelassenheit, hebt die Stimmung, wirkt angstlösend und aufbauend, ausgleichend bei Hautunreinheiten und hautbildverfeinernd
Zirbelkiefer auch Zirbe genannt, wirkt erdend und beruhigend, steht für Kraft und Beständigkeit, wird zur Raumluftverbesserung eingesetzt, fördert die Schlafqualität und das allgemeine Wohlbefinden
Orange stimmungsaufhellend, fördert die Lebenslust und schenkt Ausgeglichenheit, kann bei Verdauungsbeschwerden und Krämpfen eingesetzt werden, wirkt in der Hautpflege porenverkleinernd und mattierend
Eukalyptus beliebtes pflanzliches Heilmittel bei Atembeschwerden und Erkältungssymptomen dank der antibakteriellen und schleimlösenden Eigenschaften, fördert die Durchblutung der Muskeln, verbessert die Raumluft
Jasmin stimmungsaufhellend, harmonisierend, sinnlich und erotisierend, wird aufgrund seiner krampflösenden Wirkung unter anderem bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt

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