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Deutschlands Mittelgebirge: Bayerischer Wald

Fichten in den feuchten Talmulden, Bergmischwälder an den Hanglagen: Der Bayerische Wald an der tschechischen Grenze ist ein Urwald mit einem großen Artenreichtum.

Tote, abgestorbene Bäume liegen im Dickicht. Baumstümpfe, mit Moos bewachsen, ragen aus dem Boden, werden langsam von Pilzen und Insekten zersetzt. Es knackst beim Aufstieg auf den Lusen, dessen Gipfel mit dicken Granitblöcken übersäht ist. Dort, mitten im Bayerischen Wald, starben vor Jahren großflächig Fichten ab. Doch die toten Bäume bleiben in ihrer natürlichen Umgebung. Im deutschen Mittelgebirge nahe der tschechischen Grenze darf Natur Natur sein.

Das Schloss Hohenschwangau im Bayerischen Wald; Foto © Igor Plotnikov via shutterstock.com

Größtes Waldschutzgebiet Mitteleuropas

Wälder mit ihren Mooren, Bergbächen und Gipfellagen entwickeln sich zu einer grenzenlosen Wildnis. Entlang der bayerisch-tschechischen Grenze erstreckt sich zwischen Bayerisch Eisenstein im Landkreis Regen und Mauth im Landkreis Freyung-Grafenau der Nationalpark Bayerischer Wald. Im Oktober 1970 wurde das Großschutzgebiet als erster Nationalpark Deutschlands eröffnet. Zusammen mit dem Nachbar-Nationalpark Šumava in Tschechien bildet er das größte zusammenhängende Waldschutzgebiet Mitteleuropas. Auf mehr als 24 000 Hektar gilt im Bayerischen Wald der Leitsatz „Natur Natur sein lassen“. Die Gebiete, in die kein Mensch mehr eingreift, bezeichnet man als Naturzonen. Im Nationalpark Bayerischer Wald gehören bereits knapp 70 Prozent der Fläche zu den Naturzonen.

Früher wurden die Fichtenwälder in den Hanglagen bewirtschaftet. Doch viele Bäume starben vor 30 Jahren ab, als der Borkenkäfer wütete. Die Nationalparkverwaltung beschloss damals, nicht einzugreifen. Und so entstand aus den zerstörten Fichtenwäldern ein neues Waldökosystem, in das viele alte Baumarten zurückkehrten. Seltene Tiere wie Luchs, Fischotter, Auerhuhn oder Habichtskauz leben nun im Bayerischen Wald. Dazu gesellen sich allein 15 Käferarten, die als Urwaldrelikte gelten und nur in naturnahen Wäldern vorkommen. Die besonders starke fußt unter anderem auf dem hohen Anteil an Totholz, das für hunderte Insekten, Pilze und Vögel Nahrungsgrundlage und Lebensraum zugleich darstellt. Natürliche Prozesse des Werdens und Vergehens im Waldökosystem werden im Nationalpark zugelassen.

Urwald für Naturliebhaber

Den wilden Wald können auch Wanderer genießen – auf rund 350 Kilometern markierter Wegen, 200 Kilometern ausgewiesener Radwege und 80 Kilometern gespurter Loipen im Winter. Urwaldreste prägen die Landschaft rund um die Mittelsteighütte nahe der Stadt Zwiesel. Den Baumbestand dort nutzen die Menschen seit 1761 kaum, manche Fichten und Tannen sind zwei Meter breit. Andernorts führen Bohlenstege durch besonders sensible Gebiete wie Moore oder Auwälder. Ein ganzjähriges Führungsprogramm ermöglicht spannende Nationalpark-Erlebnisse: Ausgebildete Waldführer und Nationalpark-Experten geben dabei Einblicke in die Natur des Großschutzgebiets. Mit den Nationalparkzentren Lusen bei Neuschönau und Falkenstein bei Ludwigsthal bietet der Nationalpark Bayerischer Wald allen Besuchern einen spannenden Start in das Schutzgebiet. Jedem Nationalparkzentrum ist ein Tier-Freigelände angeschlossen, das einen Einblick in die ursprüngliche Tierwelt des Bayerwaldes gibt. Darüber hinaus informiert das Waldgeschichtliche Museum St. Oswald über die Nationalpark-Historie.



Steckbrief Nationalpark Bayerischer Wald


Eröffnung: 7. Oktober 1970

Erweiterung: 1. August 1997

Fläche: 24 250 Hektar

Besucherzahlen: 1,3 Millionen pro Jahr

Gipfel: Großer Rachel (1453 Meter), Lusen (1373 Meter), Großer Falkenstein (1315 Meter)

Natürlicher Bergesee: Rachelsee

Naturausstattung: 98 Prozent der Fläche sind Wälder. Zudem gibt es offene Hochmoore (Filze) und ehemalige Waldweiden (Schachten).



Blick vom Gipfel des Berges Großer Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald; Foto © jaroslava V via shutterstock.com

Die schönsten Rundwege im Bayerischen Wald

Rundweg Eisvogel

Der Rundweg Eisvogel führt auf einer Tour durch entstehende Waldwildnis im Nationalpark. Es geht an einem klaren Bergbach entlang zur in die Natur eingebetteten Steinbachklause. Mit deren Hilfe wurden einst von Holzhauern gefällte Bäume ins Tal getriftet. Heute wird das Bauwerk als Kulturdenkmal erhalten. Der finale Aufstieg auf die 1001 Meter hohe Große Kanzel wird mit famosen Gipfelblicken belohnt. Der mittelschwere Weg ist rund acht Kilometer lang. Dabei werden gut 270 Höhenmeter überwunden. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Jägerstraßl in Mauth.

Rundweg Flusskrebs

Der Rundweg Flusskrebs garantiert Familienspaß und ist schon für Kinder ab vier Jahren geeignet. Am Bach, in einer kleinen Schutzhütte, an der kleinen Felsformation am Ochsenriegel gibt es genügend Möglichkeiten zum Spielen, sodass es unterwegs nicht langweilig wird. Der leichte Weg, auf dem 45 Höhenmeter überwunden werden, ist nur zwei Kilometer lang, weckt aber die Lust am Wandern und am Entdecken der Nationalpark-Wildnis. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Sagwassersäge bei Neuschönau.

Rundweg Ameise

Auf dem Rundweg Ameise steht barrierearmes Komfortwandern für die ganze Familie auf dem Programm. Das Urwaldgebiet Mittelsteighütte ist ein echtes
Highlight auf dem mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbaren leichten Rundweg ohne nennenswerte Steigungen. Das Gebiet wurde bereits vor über 100 Jahren unter Schutz gestellt. Deswegen kann hier eine einmalige Waldentwicklung beobachtet werden. Der Weg vorbei an vielen Baumgiganten ist rund drei Kilometer lang. Ausgangspunkt ist der Ortseingang von Zwieslerwaldhaus.

Rundweg Buntspecht

Der mittelschwere Rundweg Buntspecht bietet Naturvergnügen auf einer Wanderung durch wilde Nationalparkwälder und zum einzigen Gletschersee im Nationalpark, dem idyllischen Rachelsee. Der bietet einen tollen Blick auf das Bergmassiv des 1353 Meter hohen Großen Rachels. Ein Eiszeitlehrpfad und die weite Aussicht von der Felsenkanzel sorgen für Abwechslung. Der Weg ist rund 7,5 Kilometer lang. Auf dieser Strecke müssen knapp 300 Höhenmeter überwunden werden. Ausgangspunkt ist die Racheldiensthütte.

Kleiner Osser im Bayerischen Wald; Foto © jaroslava V via shutterstock.com

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